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Pressemeldung Nr. 208/2013 vom 15.07.2013 | RSS | zur Druckfassung | Suche

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Besserer Unterricht durch bessere Praxis

Kieler Pilotprojekt schlägt Brücke zwischen Universität und Schule


Der Ruf nach mehr Praxis im Lehramtsstudium ist weit verbreitet. Doch Quantität ist in diesem Fall nicht gleich Qualität, sagt Professor Jörg Kilian aus dem Germanistischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). In einem Pilotprojekt möchte der Didaktiker schulbezogene Wissenschaft und Praxis mit dem Masterstudiengang Deutsch verzahnen. Dieser Ansatz soll an wissenschaftlich begleiteten Praxistagen erprobt werden. Gefördert wird er dabei durch den Fond für Lehrinnovation des „Projekts erfolgreiches Lehren und Lernen“ (PerLe) an der CAU.

„Die beste Praxis im Lehramtsstudium ist die wissenschaftlich begleitete“, sagt Kilian. Das hätten viele empirische Studien bewiesen, darunter auch die berühmte Hattie-Studie des viel zitierten neuseeländischen Pädagogen Hattie, und die COAKTIV-Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Erfolgreicher Unterricht sei abhängig davon, wie gut eine Lehrkraft ihr Fach beherrsche – sowohl wissenschaftlich als auch didaktisch – und wie gut es ihr gelinge, Lernprozesse bei ihren Schülerinnen und Schülern anzuregen. Diese Zusammenhänge zwischen Theorie und Praxis will das Projekt „Praxistag“ deutlich machen. Mit einem abgestimmten Rezept aus fachlichen Grundlagen, Unterrichtsplanung und -praxis sowie einer anschließenden Reflexion soll dies möglich sein.

Im Bachelor- und Masterstudium absolvieren die Lehramtsstudierenden zwar bereits jetzt schon zehn Wochen Schulpraktika. Das Problem: Die unterfinanzierte Kieler Hochschule kann ihnen aus Kostengründen keine durchgehende wissenschaftliche Begleitung zur Seite stellen, viel mehr Personal wäre dazu nötig. Zusätzlich zu den Blockpraktika in der vorlesungsfreien Zeit bietet Kilians Projekt deshalb Praxistage während des Semesters an. Auf diese Weise können die Anforderungen der Universität und die der Schulen an die Lehramtsanwärterinnen und -anwärter aufeinander abgestimmt und die Wirksamkeit des Brückenschlags zwischen den Einrichtungen erprobt werden. Die teilnehmenden Studierenden planen im Begleitseminar zum Schulpraktikum Unterrichtsstunden unter ständiger wissenschaftlicher Betreuung. Ihre im Begleitseminar und in verschiedenen Workshops selbst erarbeiteten Stundenkonzepte sollen sie dann in Schulen Schleswig-Holsteins ausprobieren. Sowohl die Hochschullehrenden als auch abgeordnete Lehrkräfte treten dabei als Mentorinnen und Mentoren auf. „Die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer bekommen also Feedback von Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und aus der Schule“, erklärt Kilian.

Eine von ihnen ist Almut Hoppe vom Gymnasium Wellingdorf. Damit die Studierenden schon vor dem Praxistag den Leistungsstand der jeweiligen Schülerinnen und Schüler kennen, hat die Studiendirektorin im Hochschuldienst die Lernstände in den Klassen der Schulen erhoben, die am Projekt teilnehmen. „Auf diese Weise können die Studierenden ihre Stunden viel konkreter planen“, sagt Hoppe. Ein Probelauf zu diesem Projekt zeigte schon im vergangenen Wintersemester positive Ergebnisse. Kilian: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts gehen nicht nur souveräner in das anschließende Blockpraktikum an den Schulen. Der Praxistag hilft auch bei ganz grundlegenden Dingen, etwa der Reflexion darüber, ob man überhaupt Lehrerin oder Lehrer sein möchte.“ Zudem werde den Studierenden klarer, wozu sie die Theorie aus dem Hörsaal im Beruf brauchen. Erst das breite wissenschaftliche Fundament sorge dafür, dass in Kiel ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer auch in 25 Jahren noch fit in ihrem Fach sind.

Ab Mitte August möchte Kilians Team die Portfolios der Studierenden auswerten, die sich aus der wissenschaftlichen Vorbereitung, dem Entwurf der Unterrichtsstunde, dem Praxistest und der anschließenden Reflexion mit wissenschaftlicher Bewertung zusammensetzen. „Wir möchten zeigen, dass das ‚Projekt Praxistag’ ein tragfähiges wirksames Modell grundsätzlicher Art in der Lehrerbildung ist“, sagt Kilian. Ob es sich etablieren lässt, hinge wesentlich von einer Anschlussfinanzierung durch das Bundesbildungsministerium oder das Land Schleswig-Holstein ab.

Kontakt:
Prof. Dr. Jörg Kilian
Tel.: 0431/880-5564
E-Mail: kilian@germsem.uni-kiel.de


Informationen zum Projekt PerLe


Der Fonds für Lehrinnovation des CAU-Projekts PerLe stellt von 2012 bis 2016 jährlich 100.000 Euro für dezentrale Lehrinnovationen zur Verfügung. Konkrete Vorhaben auf Modulebene, Studiengangsebene und auf interdisziplinärer Studiengangsebene können im Umfang von 5.000 bis 15.000 Euro gefördert werden. Lehrende und Fachschaften der CAU können Mittel aus dem Fonds für innovative Lehrprojekte beantragen.

Das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen – PerLe wird von 2012 bis 2016 aus Mitteln des Qualitätspakt Lehre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL12068 gefördert und verfolgt das Ziel, die Qualität der Lehre und die Betreuung von Studierenden an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zu verbessern. Dazu werden Maßnahmen in den Bereichen Studienberatung, Orientierung in der Studieneingangsphase, Begleitung von Schul- und Berufspraktika, Qualifikation des Lehrpersonals und Qualitätsentwicklung in der Lehre entwickelt und umgesetzt.

Weitere geförderte Projekte:
www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2013/2013-200-fehlerteufel.shtml
www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2013/2013-192-perle-democrazy.shtml

Kontakt
Florin Feldmann
PerLe - Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen
Teilprojektleitung Qualitätsentwicklung in der Lehre
Tel.: 0431 880-2985
E-Mail: ffeldmann@uv.uni-kiel.de



Text: Denis Schimmelpfennig
Text / Redaktion: Denis Schimmelpfennig