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Pressemeldung Nr. 247/2013 vom 04.09.2013 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Schlafen nach DIN-Norm


„Schlafen wie auf Wolke 7“, „Komfortstrukturen“ oder „garantierte höchste Anschmiegsamkeit“ – die Botschaften von Matratzenherstellern klingen vielversprechend und bequem. Zwischen Komfortschaum mit Zonenauflage und Kombikern mit Wellenform und Würfelschnitt finden Verbraucherinnen und Verbraucher allerdings nur schwerlich zur persönlichen Wohlfühlunterlage. Abhilfe schafft jetzt die Industrieanthropologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Das Team um Forschungs­gruppenleiter Norbert Vogt hat eine Messvorrichtung entwickelt, die zusammen mit weiteren Erkenntnissen die Qualität von Zonenmatratzen verlässlich feststellen und vergleichbar machen soll. Ihr Ergebnis stellte das Forschungsteam heute (Mittwoch, 4. September) der Öffentlichkeit vor.

Matratzen mit Zonen, die sich an den Körper anpassen, sind schon längst in den deutschen Schlaf­zimmern heimisch geworden. Anders als einfache Matratzen ohne Zonierung sorgen sie für einen hohen Schlafkomfort und eine gesunde Körperhaltung, so die Werbeversprechen. „Tatsächlich stellen die Matratzenzonen aber einen Kompromiss dar. Denn sie können unmöglich den unzähligen Kombinationen aus Körperhöhe, Proportion und Körpergewicht gerecht werden, die der Verbraucher mitbringt“, erklärt Norbert Vogt den Ausgangspunkt seiner Forschung. Hinzu komme, dass der Härtegrad von Zonenmatratzen bisher kaum feststellbar sei und dieser sich auch noch stark von Hersteller zu Hersteller unterscheide. „Einheitliche und allgemein verbindliche Messgrößen müssen deshalb her, um die Qualität der Zonenmatratzen bewerten zu können“, sagte sich Vogt, der als sich als Industrieanthropologe schon viele Jahre mit Schlafunterlagen beschäftigt.

Das Projekt „Messvorrichtung zur Erfassung von Matratzenzonen“ hat nun ein Instrument hervorgebracht, in dem eine Matratze mit einer Art Laufrad abgefahren wird. Über die Sensorik nimmt das Rad Messgrößen wie Einsinktiefe und Kraft auf. Dadurch können die Topographie und die Dimensionierung der unterschiedlichen Härtegrade in der gesamten Zonenmatratze beschrieben werden.

Das Kieler Projekt wurde finanziell unterstützt durch den Förderverein VFNHM des Normenausschusses Holzwirtschaft und Möbel im DIN. Die Ergebnisse werden in eine DIN SPEC (Vornorm) für Matratzen einfließen. Nimmt man zusätzlich zu diesen Ergebnissen zwei weitere Bewertungskriterien in die Qualitätsmessung auf, so Vogt, ließen sich die Eigenschaften von Matratzen umfangreich erfassen und die Hersteller könnten auf dieser Basis ihr Produkt optimieren.

Ergänzend zu der neuen Messvorrichtung empfehlen Vogt und sein Team deshalb, eine spezielle Datenbank in die Qualitätsbewertung von Matratzen einfließen zu lassen, die Angaben über körperliche Merkmale des Menschen und deren Verteilung in der Bevölkerung bereitstellt. Ein weiteres Kriterium sollte darüber hinaus die Abstützqualität in Rücken- und Seitenlage auf einer Matratze sein. Auch für diese Frage hat der Industrieanthropologe ein Messverfahren entwickelt. Mit Hilfe eines so genannten Kypholordosometers werden zunächst dünne Metallstifte an den Rücken einer entspannt stehenden Person geschoben. Die Rückenform zeichnet sich mithilfe der Metallstifte als präzise Silhouette ab. Diese wird dann als Vergleich herangezogen, wenn dieselbe Person auf einer Testmatratze liegt. Unter der Matratze sind Sensoren angebracht, die die Verformung der Matratzenoberfläche bei Rückenlage und bei Seitenlage anzeigen. Wird der unterschiedliche statische Einfluss auf die Wirbelsäule bei den verschiedenen Liegepositionen berücksichtigt, dann gilt: Je mehr die Silhouetten im Liegen und im Stehen übereinstimmen, desto mehr unterstützt die Schlafunterlage die natürliche Körperhaltung eines Menschen und desto qualitativ hochwertiger ist die Matratze.

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Skizze der Messvorrichtung
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Messkopf der Vorrichtung
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Über 95 Prozent der Bevölkerung bevorzugt beim Schlafen die Rücken- oder Seitenlage. Bei der Verformungsmessung in der Kieler Industrieanthropologie müssen Matratzen zeigen, wie sie die Wirbelsäule bei den sehr unterschiedlichen Liegepositionen abstützen.
Foto/Copyright: Forschungsgruppe Industrieanthropologie

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Kontakt:
Norbert Vogt
Forschungsgruppe Industrieanthropologie an der CAU
Telefon: 0431 3865659
E-Mail:► n.vogt@anthropol.uni-kiel.de



Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
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Text / Redaktion: ► Claudia Eulitz