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Pressemeldung Nr. 252/2013 vom 12.09.2013 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Bildungsministerin Wende zur Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung

„Endlich werden in Schleswig-Holstein auch Lehrerinnen und Lehrer für Gemeinschaftsschulen ausgebildet“


Begrüßten einhellig die Neustrukturierung: (v.links) Vizepräsident Prof. Dr. Frank Kempken (Universität Kiel), Präsident Prof. Dr. Gerhard Fouquet (Universität Kiel), Präsidentin Prof. Dr. Inge-Susann Römhild (Musikhochschule Lübeck), Bildungs­minis­terin Waltraud ‚Wara‘ Wende, Präsident Prof. Dr. Werner Reinhart (Universität Flensburg), Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Schwier (Universität Flensburg), Ulf B.Christen (Landespressekonferenz SH). Copyright/Foto: Uni Kiel, Claudia Eulitz


KIEL. „Die Gewinner der Reform unserer Lehrerinnen- und Lehrerbildung sind die Studierenden und damit die Schülerinnen und Schüler an unseren Schulen“, sagte Bildungs- und Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Waltraud ‚Wara‘ Wende heute (12. September) in Kiel. Gemeinsam mit dem Präsidenten der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) Prof. Dr. Gerhard Fouquet, dem Präsidenten der Universität Flensburg Prof. Dr. Werner Reinhart und der Präsidentin der Musikhochschule Lübeck Prof. Inge-Susann Römhild stellte Wende die geplante Neustrukturierung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung vor, die zum August 2014 in Kraft treten soll.

Die Neustrukturierung bezieht sich erstmals auf alle drei Phasen der Ausbildung: auf Studium, Vorberei­tungsdienst und Fort- bzw. Weiterbildung. Noch wichtiger aber sei, so Ministerin Wende, dass die neue Lehrerinnen- und Lehrerbildung nun endlich auf die tatsächliche Schulstruktur im Land zugeschnitten sei: „Da unsere zukünftige Schullandschaft aus Grundschulen, Gemeinschaftsschulen mit und ohne Oberstufe, Gymnasien, beruflichen Schulen und Förderzentren bestehen wird, müssen auch die entsprechenden Studiengänge angeboten werden.“

Was genau ist neu?


Bereits in diesem Herbst wird die Universität Flensburg mit einer eigenständigen, zehn-semestrigen Ausbildung für Grundschullehrkräfte beginnen: „Damit stellen wir sicher, dass die zukünftigen Grund­schullehrkräfte sowohl in den beiden Unterrichtsfächern wie in der Pädagogik über eine schulartspezi­fische Expertise verfügen.“ Letzteres umfasst Fachwissen in den Bereichen Diagnostik, individuelle Förderung, Deutsch als Zweitsprache und Umgang mit den Medien. Zudem ist sichergestellt, dass zukünftig alle Grundschullehrkräfte Basisqualifikationen in den Unterrichtsfächern Deutsch und Mathematik erwerben. „Die bei uns ausgebildeten Grundschullehrkräfte sollen Entwicklungs- und Bildungsprozesse der Kindheit insgesamt verstehen, denn Entwicklung findet auch außerhalb von Schule statt. Sie sollen in der Lage sein, die Übergänge zwischen Kita und Grundschule bzw. Grundschule und Sekundarschule gut zu gestalten und sie werden sensibilisiert für Aspekte sozialer Ungleichheit und heterogener Entwicklungsverläufe“, charakterisiert Prof. Dr. Werner Reinhart die Besonderheiten des neuen Masterstudiengangs. Der Präsident der Universität Flensburg freute sich über die zukunftsfähige Neuausrichtung der Lehramtsausbildung in Schleswig-Holstein: „Besonders glücklich bin ich darüber, dass am Standort Flensburg alle vorhandenen Fächer erhalten bleiben, und dass die auszubauenden Fächer sich hervorragend einfügen in unsere Weiterentwicklung zu einer Europa-Universität. Die Einigung mit der CAU in Fragen der gegenseitigen Anerkennung der BA-Abschlüsse ist für mich erst der Ausgangspunkt für eine neue Pha-se in der Kooperation zwischen unseren Universitäten, die die bundesweite Vorreiterrolle unseres Bundeslandes in der Lehramtsausbildung deutlicher sichtbar machen und weiterentwickeln wird.“

Der Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), Prof. Dr. Gerhard Fouquet, begrüßte die klarere Ausrichtung der Lehramtsausbildung in Schleswig-Holstein: „Ich bin sehr froh, dass durch dieses Eckpunktepapier das außerordentlich hohe Niveau der Kieler fachwissenschaftlichen Lehramtsausbildung gestärkt und um komplementäre, vermittlungswissenschaftliche Studienanteile ergänzt wird. Dass wir dabei den Fokus auf Inklusion und Heterogenität legen, verleiht unserem neu konzipierten Master of Education ein besonders zeitgemäßes Profil.“

Ab dem Wintersemester 2014/15 können die Studierenden Studiengänge für eine Sekundarlehrerinnen- und Sekundarlehrerausbildung beginnen. Diese qualifizieren sowohl für die Lehrämter an den Gemeinschaftsschulen wie auch an den Gymnasien. Die neuen Studiengänge werden sowohl an der Universität Kiel wie an der Universität Flensburg angeboten, wobei Flensburg eine Schwerpunktsetzung auf die Lehrtätigkeit an den Gemeinschaftsschulen vornimmt, während Kiel gleichermaßen für die Lehrämter an Gymnasien wie an Gemeinschaftsschulen ausbildet. Mit der Umstellung auf die Ausbildung zur Sekundarlehrkraft – deren fachwissenschaftliche Qualifikation an der des bisherigen Gymnasiallehrers orientiert ist – geht einher, dass die Studierenden an den Hochschulen nicht allein fachwissenschaftliche Expertise erwerben, sondern auch ein auf das Berufsfeld Schule bezogenes Instrumentarium für die konkrete Unterrichtstätigkeit erwerben.

Eine besondere Rolle hat die Musikhochschule Lübeck, die in Kooperation mit der Universität Hamburg einen Studiengang für zukünftige Musiklehrerinnen und Musiklehrer im Sekundarbereich anbietet. Präsidentin Prof. Römhild sagte dazu: „Seit vielen Jahren leis-tet die Musikhochschule Lübeck ihren Beitrag zur Lehrerausbildung im Fach Musik. Aus Überzeugung bezieht sie die Inklusion, Heterogenität sowie Internationalität, Medien-Kompetenz und Interdisziplinarität in die Weiterentwicklung ihrer Studiengänge, insbesondere ihres pädagogischen Studiengangs „Musik Vermitteln“ mit ein. Aus diesen Gründen ist es der Musikhochschule Lübeck eine Freude, in die Neustrukturierung der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung mit einbezogen worden zu sein und steht im Schulterschluss mit dem Ministerium und den anderen Hochschulen hinter ihr.“

Im Bereich der Berufschullehrer-Ausbildung, die sowohl in Flensburg wie in Kiel angeboten wird, gibt es keine Veränderungen. Das Studium der Sonderpädagogik, das – wie auch das Grundschullehramt – ausschließlich in Flensburg angeboten wird, soll in den kommenden Monaten weiterentwickelt werden.

So viel Zusammenarbeit war nie


Ministerin Wende dankte den Hochschulen für die konstruktive Zusammenarbeit: Im Dialog mit allen Beteiligten sei es gelungen, das Lehramtsstudium – orientiert an den Bedürfnissen unser Schullandschaft – innovativ und praxisbezogen weiterzuentwickeln. Besonders freue sie sich darüber, dass die Universitäten Kiel und Flensburg bereit seien, die Studienleistungen der Studierenden wechselseitig anerkennen: „Dies ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Kooperation und Mobilität zwischen den Hochschulen und damit ein echter Fortschritt für die Studierenden.“

Die Änderungen im Einzelnen


Der Berufsfeldbezug ‚Schule‘ wird in allen Lehramtsstudiengängen eine größere Rolle spielen als bisher. Orientierungs- und Tages-Praktika während des Bachelor-Studiengangs werden ergänzt um ein Praxis­semester im Masterstudium. Das Praxissemester wird von den Hochschulen verantwortet und in Kooperation mit dem IQSH und den beteiligten Schulen organisiert.

Zudem werden die Themenfelder Heterogenität und Inklusion in allen Lehramtsstudiengängen fest verankern: „Alle angehenden Lehrerinnen und Lehrer – unabhängig davon, wo sie später einmal unter­richten werden – müssen besser als bisher auf die Verschiedenheit und die Individualität der Schülerinnen und Schüler vorbereitet werden“, erklärte Wende.

An der Universität zu Kiel – an der im Sekundarschulbereich alle Schulfächer (mit Ausnahme von Musik) studiert werden können – werden die fachdidaktischen und pädagogischen Studienanteile zukünftig einen prominenteren Raum als bisher einnehmen.

An der Universität Flensburg wird es im Rahmen der Sekundarlehrerinnen- und Sekundarlehrer­ausbildung eingeschränkte Wahlmöglichkeiten geben. Für den gesamten Sekundarbereich – also für Sekundarstufe I und II – können lediglich die Unterrichtsfächer Deutsch, Mathematik, Englisch, Spanisch, Dänisch, Geschichte und Wirtschaft/Politik studiert werden, alle übrigen Studienfächer qualifizieren ausschließlich für die Unterrichtstätigkeit in der Sekundarstufe I. Die Flensburger Studierenden können entweder zwei Sekundarstufen-II-Fächer oder ein Fach für die Sekundarstufe I mit einem Fach für Sekundarstufe II kombinieren.
Verantwortlich für diesen Pressetext:
Thomas Schunck
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