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Pressemeldung Nr. 326/2013 vom 01.11.2013 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Ende mächtig – alles prächtig?!

Musikwissenschaftliche Tagung und Konzert zum „Finale“ in der Musik


Foto/Copyright: Musikwissenschaftliches Institut

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„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – so weiß es der Dichter Hermann Hesse. Doch was ist mit dem Ende? Wirkliche Schlüsse bergen scheinbar kein Geheimnis mehr, vielmehr sollte die Wahrheit offenbar geworden sein: Sieg oder Niederlage, Triumph oder Traurigkeit, Jubel oder Verstummen. Keine Kunst hat so wie die Musik große Schlüsse zelebriert. Das Thema „Finalproblem. Große Form zwischen Apotheose und Suspension“ behandelt ab Freitag, 15. November, eine zweitägige Tagung des Musikwissenschaftlichen Instituts an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). In insgesamt 12 Vorträgen namhafter Fachleute wird den Fragen nachgegangen, welches Gewicht das „Schließen“ in symphonischer Musik seit Haydn zukam. Warum wurde nach den heiteren und unbeschwerten Finali der „Wiener Klassik“ das Schließen immer problematischer? Und welche Rolle kommt darin etwa Beethovens 9. Symphonie zu, überschreitet doch der Einsatz des Chors mit Schillers „Ode an die Freude“ die Grenzen des Symphonischen in spektakulärer Weise?

Ergänzt wird die Tagung am Freitagabend um 18:30 Uhr durch ein Gesprächskonzert im Bach-Saal des Instituts. Unter dem Motto „Große Form im kleinen Rahmen“ spielt das Klavier-Duo Silke-Thora Matthies und Christian Köhn zwei Brahms-Werke: die vierte Symphonie und die Akademische Festouvertüre. Die Bearbeitungen für Klavier zu vier Händen hat der Komponist selbst angefertigt. Obwohl gegenüber dem Original untergeordnete Arrangements, fanden die Werke wesentlich in dieser Fassung weite Verbreitung außerhalb der Orchesterkonzerte. Die Klavierbearbeitung spielte deshalb in der Zeit vor Rundfunk und Schallplatte eine besondere Rolle. Das Konzert bietet die seltene Gelegenheit, diese historische Klangrealität auf höchstem Niveau zu erleben. Es moderiert der Musikwissenschaftler und Mitarbeiter der Johannes Brahms Gesamtausgabe, Dr. Michael Struck.

Der Eintritt zur Tagung und zum Konzert ist frei. Beides kann ohne Anmeldung besucht werden.

Nähere Informationen und Programm:
www.uni-kiel.de/muwi

Programmflyer mit Anfahrt:
http://bit.ly/musiktagung

Das Wichtigste in Kürze:
Tagung
Datum: 15. bis 16.11.2013
Zeit: ab 14:30 (Freitag), ab 9 Uhr (Samstag)
Ort: Kiel, Heinrich-Hecht-Platz 2, Brahms-Saal

Konzert
Datum: 15.11.2013
Zeit: 18:30 Uhr
Ort: Kiel, Rudolf-Höber-Straße 3, Bach-Saal
Hintergrundinformationen

Finali werden in Symphonien, Opern oder auch in chorsymphonischen Werken immer aufwändiger, triumphaler und formal komplexer. „Hier zeigt sich, dass die Größe der Form zunehmend zu einem kompositorischen Problem wurde. Ein Zusammenhang von einem Anfang hin zu einem ‚zwingenden‘ Schluss erforderte mehr als einen ‚Kehraus‘-Satz, um ästhetisch überzeugend zu sein“, erklärt Dr. Kathrin Kirsch vom Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Kiel. Und nicht nur große symphonische Zyklen sind von dem „Finalproblem“ betroffen. Auch die einsätzige Ouvertüre, die sich als Konzertouvertüre von der Oper abspaltet, muss einen selbständigen Schluss finden, der nicht mehr überleitet.

Ein anderer Weg führte in die symphonische Dichtung und damit zur Legitimation kompositorischen Schließens durch textliche Inhalte. Professor Siegfried Oechsle, Direktor des Kieler Instituts ergänzt: „Immer wieder aber begegnen in symphonischen Finali Ereignisse, die als Einbruch in die Form erscheinen: Choräle, Hymnen, Fanfaren, apotheotische Durchbrüche, aber auch die Verweigerung derartiger Steigerungen. Denken wir an die dritte Symphonie von Johannes Brahms. Sie verklingt im pianissimo und entlässt den Hörenden dennoch ähnlich erschüttert wie vormals die großen symphonischen Durchbrüche.“

Die Tagung ist dem Kieler Musikwissenschaftler Professor Bernd Sponheuer zum 65. Geburtstag gewidmet. Sie nimmt ein Thema auf, das Sponheuer am Beispiel der Symphonien Gustav Mahlers maßgeblich analysiert und musikgeschichtlich interpretiert hat. „Wir möchten aus diesem Anlass die Frage nach den Finallösungen symphonischer Formen nun historisch in einen größeren Zusammenhang stellen und bewusst für andere Genres öffnen“, so die Veranstalter Kirsch und Oechsle. Die Referate befassen sich deshalb mit Werken seit der Wiener Klassik bis ins 20. Jahrhundert von Haydn bis Skrjabin. Eingeschlossen sind auch Werke für Chor und Orchester sowie die Oper.

Die Tagung und das Konzert werden gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung.



Kontakt:
Dr. phil. Kathrin Kirsch
Telefon: 0431 880-2204
E-Mail: kirsch@musik.uni-kiel.de



Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Text / Redaktion: ► Claudia Eulitz