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Pressemeldung Nr. 51/2014 vom 24.02.2014 | zur Druckfassung | Suche

Die Zukunft der Lehramtsausbildung

CAU und IPN eröffnen gemeinsames Zentrum für empirische Bildungsforschung in den Geisteswissenschaften


Wie die Ausbildung von Lehramtstudierenden aber auch die Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern verbessert werden kann, ist eine der leitenden Fragestellungen, denen sich das neue Zentrum für empirische Bildungsforschung in den Geisteswissenschaften (ZeBiG) widmet, das morgen (Dienstag, 25. Februar) eröffnet wird. Die Gründungseinrichtungen, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), laden aus diesem Anlass alle Interessierten zu einer Feierstunde und zu einem Eröffnungssymposium ein.

Bereits heute (Montag, 24. Februar) stellten CAU-Vizepräsidentin Professorin Birgit Friedl, Professor Olaf Köller, Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor des IPN, sowie ZeBiG-Sprecher Professor Ulrich Hoinkes, das Zentrum offiziell den Medien vor. „Das Zentrum für empirische Bildungsforschung in den Geisteswissenschaften geht seinem wissenschaftlichen Ansatz nach über das Anliegen der Lehr- und Lernforschung im engeren Sinne hinaus. Sein Ziel ist es nicht, die konkreten, auf den Schulalltag bezogenen Bedingungen und Methoden für einen erfolgreichen Unterricht in den geisteswissenschaftlichen Fächern zu erforschen, sondern die Voraussetzungen und den Erfolg der geisteswissenschaftlichen Bildungsprozesse aus institutioneller und beruflicher Sicht genauer zu untersuchen. Dabei wird der Fokus des ZeBiG zunächst auf den für diese Bildungsprozesse verantwortlichen Wissens- und Kompetenzstrukturen der auszubildenden Lehrkräfte liegen“, erklärt ZeBiG-Sprecher und Romanist Professor Ulrich Hoinkes.

Bei diesem Vorhaben profitiert das ZeBiG besonders von den langjährigen Erfahrungen des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, das mit der empirischen Messung professioneller Kompetenzen in mathematischen und naturwissenschaftlichen Lehramtsstudiengängen vertraut ist. „Aufgabe des ZeBiG ist es, sich nun auch die Lehramtsausbildung in den geisteswissenschaftlichen Fächern an verschiedenen Universitäten genauer anzuschauen und auf die Schwerpunkte ihres Bildungsprofils hin zu evaluieren“, erklärt Professor Olaf Köller den ersten Arbeitsschritt des ZeBiG. Ein nächster Schritt wird dann sein, die von der Kultusministerkonferenz formulierten Standards zur Lehrerbildung als Vergleichsmaßstab dieser geisteswissenschaftlichen Ausbildungsprofile heranzuziehen und auf dieser Grundlage das zu erwartende Professionswissen der Lehramtsstudierenden als angehende Lehrkräfte zu bestimmen. „Unsere empirischen Ermittlungen werden darauf ausgerichtet sein, die berufsrelevanten Wissensanteile der Lehramtstudierenden in den Bereichen Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Pädagogik messbar zu machen. Dieses Ziel stellt gerade in den Geisteswissenschaften eine besondere Herausforderung dar“, so Köller weiter.

Ermöglicht wird dieses Vorhaben unter anderem durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Pädagogik (Empirische Bildungsforschung), aus der Psychologie und aus den geisteswissenschaftlichen Fächern und Fachdidaktiken. Ein koordiniertes Promotionsprogramm, in dem durch die gemeinsame Betreuung von CAU- und IPN-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern zunächst drei Dissertationen entstehen werden, fundamentiert die anfängliche Forschungsarbeit des ZeBiG. In diesen Arbeiten werden die zentralen Fragestellungen des ZeBiG aus der Perspektive einzelner Fächer oder Fachrichtungen genauer untersucht. „Die Einbeziehung der fachlichen Perspektiven ist ein wichtiges Fundament der Forschungsarbeit unseres Zentrums“, erklärt Hoinkes. „Die empirische Bildungsforschung ist traditionell eine Domäne der Pädagogen, Bildungswissenschaftler und Psychologen. Die Struktur des ZeBiG ist aber so angelegt, dass gerade auch von Seiten der Fachwissenschaftler und Fachdidaktiker neue Impulse für die Bildungsforschung ausgehen sollen. Dies erscheint im Hinblick auf die Geisteswissenschaften besonders wichtig, da die bildungswissenschaftlichen Interessen und Untersuchungsschwerpunkte dieser Fächer bislang noch nicht genügend berücksichtigt worden sind“, mahnt Hoinkes an.

Die drei Promovendinnen des ZeBiG begehen auf diesem Feld weitgehend Neuland. Sie finden in den Geisteswissenschaften eine stark heterogene Bildungslandschaft in der Bundesrepublik vor und können kaum auf schon vorhandene wissenschaftliche Ergebnisse rekurrieren, die das erforderliche Professionswissen von Lehrerinnen und Lehrern in den geisteswissenschaftlichen Fächern in jeweils spezifischer Form zu beschreiben helfen. In den modernen Fremdsprachen beispielsweise müssen in der ersten Ausbildungsphase zum Lehramt die fünf Wissensbereiche Sprachkenntnis, Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaft sowie Fachdidaktik als gleichermaßen wichtige Säulen des Fachs allesamt beherrscht und in aktive professionelle Kompetenzen umgesetzt werden. „In derart komplexen Ausbildungsstrukturen ein objektives und quantifizierbares Messinstrumentarium für den Bildungserfolg in einzelnen Fächern zu entwickeln ist in der Tat eine große Herausforderung“, betont Hoinkes. Zudem verweist er darauf, dass zum Beispiel ein Fach wie die Evangelische Theologie, die auch im ZeBiG vertreten ist, auf Moral und Sozialverhalten bezogene Kompetenzen von seinen angehenden Lehrerinnen und Lehrern erwartet, die nur sehr schwer in knappen Fragestellungen empirisch evaluiert werden können. Genau solche über das Faktenwissen hinausgehende Kompetenzbereiche gehören zu den schwierigen Aufgaben, denen sich alle im Zentrum beteiligten geisteswissenschaftlichen Fächer stellen müssen und an denen sich die Promovendinnen vorgenommen haben, in exemplarischer und möglichst repräsentativer Form zu arbeiten.

In Verbindung mit diesen Forschungsanliegen ist es das Ziel des ZeBiG, mittelfristig eine nachhaltige Struktur aufzubauen, innerhalb derer sich die empirische Bildungsforschung in den geisteswissenschaftlichen Fächern und deren Fachdidaktiken an der CAU etablieren kann, betont CAU-Vizepräsidentin Professorin Birgit Friedl: „Die Ausbildung von Lehrkräften ist eine zentrale Säule des Ausbildungs- und Forschungsprofils der Kieler Universität. Das Zentrum für Lehrerbildung, das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik und das Projekt erfolgreiches Lernen und Lehren begründen gemeinsam das hohe Niveau der Lehramtsausbildung in Kiel.“ Mit dem neuen Zentrum für empirische Bildungsforschung in den Geisteswissenschaften werde diese Säule um eine wichtige Einrichtung erweitert. „Das ZeBiG steht damit für die dauerhafte Stärkung der berufsbezogenen Kompetenzorientierung in der Lehramtsausbildung an der CAU“, so Friedl.

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Berichteten über die Aufgaben und Ziele des ZeBiG (von links): Ulrich Hoinkes, Birgit Friedl, Olaf Köller.
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Hintergrund und Ausblick

Das Zentrum für empirische Bildungsforschung in den Geisteswissenschaften ist auf Dauer sehr eng mit den grundsätzlichen Interessen des IPN und der CAU verbunden. Das koordinierte Promotionsprojekt, das zunächst nur drei Fächer umfasst und auf drei Jahre angelegt ist, versteht sich als ein erster Meilenstein im Aufbau eines bundesweit geltenden Angebots für die Messung und Evaluation von geisteswissenschaftlichen Studiengängen im Hinblick auf die Qualitätsentwicklung im Berufsfeld Lehramt an allgemein bildenden Schulen. Konkret will das ZeBiG mit Pilotstudien dazu beitragen, die fachspezifischen Messverfahren zur Güte unseres deutschen Ausbildungssystems in den geisteswissenschaftlichen Lehramtsfächern zu verbessern. In diesem Prozess wird es darum gehen, über die Einwerbung von Drittmitteln die Einbeziehung weiterer Fächer zu ermöglichen und auch das Spektrum des Untersuchungsfeldes zu erweitern. So dürfen die Probleme der Verzahnung der ersten und zweiten Ausbildungsphase im Studium Lehramt und die Anforderungen an eine kontinuierliche Weiterbildung von Lehrkräften im Beruf nicht aus dem Blick geraten. Das ZeBiG ist in diesem Sinne darauf angelegt, in Kooperation mit dem IPN eine groß angelegte Initiative zur Professionalisierungsforschung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung zu starten, die mit ihrer expliziten Einbeziehung der geisteswissenschaftlichen Fächer eine bundesweite Modellfunktion einnehmen könnte. Eine bildungswissenschaftliche Fachtagung zu Fragen der geisteswissenschaftlichen Professionalisierungsforschung, die das ZeBiG bereits für den Herbst dieses Jahres plant, stellt einen ersten wichtigen Schritt hin zu diesem Ziel dar.

Über 3.500 Lehramtsstudentinnen und -studenten sind in diesem Wintersemester in 21 Fächern an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) eingeschrieben. Sie alle streben das Berufsziel Lehrerin oder Lehrer an Gymnasien, Gemeinschaftsschulen oder Berufsschulen an. Durchschnittlich 570 CAU-Absolventinnen und -Absolventen kommen diesem Ziel jährlich einen großen Schritt näher.


Weitere Informationen:
www.zebig.uni-kiel.de

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich Hoinkes
Sprecher des Zentrums
Telefon: (0431) 880 - 2265
E-Mail: sprecher@zebig.uni-kiel.de

Dr. Ute Ringelband
Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik
Telefon: (0431) 880 - 3122
E-Mail: ringelband@ipn.uni-kiel.de



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Text / Redaktion: ► Claudia Eulitz