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Pressemeldung Nr. 66/2014 vom 06.03.2014 | zur Druckfassung | Suche

Gesunde Lerchen, depressive Eulen?

Forschungsarbeit an der Medizinischen Fakultät erhält Förderung der Erika-Thamm-Stiftung


Die westliche Welt ist darauf ausgerichtet, morgens Leistung zu bringen. Schul- und Arbeitszeiten beginnen in den Morgenstunden. Doch nicht bei allen entspricht dies dem natürlichen Schlafrhythmus und wer entgegen seiner inneren Uhr lebt, kann krank werden. Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben nun für die Erforschung der Zusammenhänge zwischen der Entstehung von Depression und Chronotyp (Morgen-, Normal- und Abendmensch) eine Förderung in Höhe von 4.800 Euro von der Erika-Thamm-Stiftung erhalten. Damit wird zum zweiten Mal ein Projekt an der Medizinischen Fakultät der CAU von der Stiftung gefördert.

Studienleiter Dr. Paul Christian Baier, Facharzt für Nervenheilkunde am Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP gGmbH) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, erklärt die Hintergründe des Projekts: „Die innere Uhr legt fest, wann die optimalen Arbeits- und Schlafenszeiten sind. Die Bevölkerung setzt sich aus etwa zehn Prozent Morgenmenschen, die ‚Lerchen‘, zehn Prozent Abendmenschen, die ‚Eulen‘, und achtzig Prozent intermediäre Typen zusammen. Dieser sogenannte Chronotyp ist genetisch festgelegt.“ Ein Maß für die innere Uhr sei die Körpertemperatur. Umgekehrt zur Wachperiode sinkt während der Schlafperiode die Körperkerntemperatur und steigt die Oberflächentemperatur. Abendmenschen, die gezwungen sind, früh schlafen zu gehen und mit einem Wecker geweckt werden, zeigen Auffälligkeiten in dem Anstieg und dem Abfall der Oberflächentemperatur. Ergebnisse aus Vorversuchen führen zu der Annahme, dass sich mittels einer regelmäßigen Messung der peripheren Körpertemperatur bei stationären Patientinnen und Patienten mit der Diagnose Depression ein erhöhter Anteil von Menschen der Kategorie „Abendmensch“ finden lässt. Eulen könnten demnach eher zu der Risikogruppe für die Entstehung von Depressionen zählen.

Bisher gab es nur Untersuchungen, die auf Selbstbeurteilungs-Fragebögen basieren. „Das Ziel der Studie ist nun, herauszufinden, ob über die periphere Körpertemperatur ein objektiver Biomarker gefunden ist, der die Zusammenhänge zwischen Majorer Depression und Chronotyp zeigt“, sagt Baier. Menschen mit einem chronobiologischen Problem könnten dann spezifische Beratungen, eine Schlafphasenverlagerung oder eine Lichttherapie helfen.

Zweck der Erika-Thamm-Stiftung ist die Beschaffung von Mitteln zur Förderung von Wissenschaft, Forschung, Diagnostik und Therapie auf dem Gebiete der Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde soweit ein Bezug zum Krankheitsbild der Depression besteht. Im vergangenen Jahr wurde die Promotion und Forschungsarbeit zu „Raumkognition bei depressiven Episoden“ mit 15.000 Euro unterstützt.

Die ZIP gGmbH betreibt Behandlungszentren in Kiel und in Lübeck, in denen unter einem gesamtheitlichen Blickwinkel Menschen mit psychischen Leiden untersucht und behandelt werden. Verschiedene Ansätze – psychiatrische, psychosomatische und psychologische – werden gemeinsam für die von psychischer Erkrankung betroffenen Menschen nutzbar gemacht. Ambulante, tagesklinische und vollstationäre Behandlung ergänzen sich optimal. Eine enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Nervenärztinnen und Nervenärzten und anderen Kliniken vervollständigt den integrativen Ansatz.

Kontakt:
PD Dr. Paul Christian Baier
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Bestandteil der ZIP gGmbH)
Telefon: 0431/9900-4168
E-Mail: p.baier@zip-kiel.de



Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Text / Redaktion: ► Raissa Nickel