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Pressemeldung Nr. 219/2014 vom 11.07.2014 | zur Druckfassung | Suche

Lehrprojekt über Deutsch als Zweitsprache (DaZ) erfolgreich gestartet

PerLe-Kooperationsprojekt des Germanistischen Seminars der CAU mit dem RBZ Wirtschaft



Kurz vor dem Ende der Vorlesungszeit des Sommersemesters 2014 hielten die Studentinnen und Studenten des Masterseminars „Sprache, Bildung und soziale Herkunft“ am Germanistischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) eine Projektkonferenz ab. Am Mittwoch, 9. Juli, trafen sie sich zu dem Lehrprojekt „Materialien zur DaZ-Sprachförderung“. In dem seit vielen Jahren bestehenden Kooperationsprojekt mit dem Regionalen Berufsbildungszentrum Wirtschaft (RBZ) gehe es darum, dass die Studierenden lernen, ihre eigenen Ergebnisse zu präsentieren, sagte Germanistik-Professor Jörg Kilian bei der Konferenz. Und: „Der Bereich der DaZ-Sprachförderung ist fächerübergreifend. Wir haben durch dieses Projekt gezeigt, dass Anschlussstellen für alle Fächer geschaffen werden können.“ Er erhofft sich, dass die Ergebnisse in die künftige Lehrerinnen- und Lehrerbildung eingebunden werden und dass andere Fachrichtungen für den Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ sensibilisiert werden können. Das Projekt wurde in diesem Jahr erstmals durch PerLe – Projekt für erfolgreiches Lehren und Lernen an der Kieler Universität finanziell unterstützt.

Sarah Möller, Förderlehrerin am RBZ und Masterstudentin an der CAU, war als Projektkoordinatorin zuständig für die Organisation der Zusammenarbeit und für die Absprachen zwischen Studierenden und den beiden DaZ-Fachkräften am RBZ, Oberstudienrätin Raika Wiethe und Oberstudienrat Hauke Jessen. Sie befassen sich seit sieben Jahren intensiv mit der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in das Schulsystem und übernahmen das Coaching der Studierenden.

Eingeteilt in Gruppen erprobten einige Studierende ihre Kenntnisse in der „Internationalen Klasse“ des RBZ. In dieser Klasse sind überwiegend Schülerinnen und Schüler aus Krisengebieten, die zwischen 17 und 31 Jahre alt sind und keine oder nur wenige Deutschkenntnisse aufweisen. Einige von ihnen konnten durch Förderlehrkräfte so gut unterstützt werden, dass sie ihren Mittleren Bildungsabschluss erreichten, obwohl sie zum Teil erst wenige Jahre in Deutschland sind. Als nächstes Ziel haben die besten unter ihnen nun das Abitur vor Augen. „Erfolge wie diese zeigen uns, dass Deutsch als Zweitsprache Eingang in den Uni-Alltag in allen Fachrichtungen finden sollte. Denn die Lehrer von morgen brauchen derartige Zusatzqualifikationen. Mit diesem Projekt hat eine ertragreiche Verzahnung zwischen Theorie und Praxis stattgefunden“, betonte Wiethe. Studentin Johanna Langewitz gehörte zu der Gruppe, welche die „Internationale Klasse“ begleitete. Ihr gefiel es, dass sowohl Studierende als auch Schülerinnen und Schüler von der Kooperation profitieren: „Besonders motivierend war, dass wir Studenten den jungen Menschen etwas Nachhaltiges hinterlassen konnten und wir selbst dabei Praxiserfahrung gesammelt haben.“ Außerdem setzten sich die Studierenden mit dem Wortschatz und der Syntax der Schülerinnen und Schüler auseinander. „Die Hürde war für die Schüler das Fachvokabular im Rechnungswesen. Ebenso ist für viele nicht die Mathematik selbst, sondern das Verstehen der Aufgabenstellung die Schwierigkeit“, fügte die Kommilitonin Linda Kühl hinzu. Anhand von Fördermaterial wurde das Fachvokabular eingeführt und spielerisch mit Tabu-Karten vermittelt. Insbesondere beim Rechnungswesen legten die Studierenden ihren Schwerpunkt auf den Ausbau des Fachwortschatzes sowie das Erlernen von Lese- und Verstehensstrategien. Dabei war das Ziel der Studierenden, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, sich selbst das Verständnis von unbekannten Begriffen zu erarbeiten. Als beeindruckend empfand Linda Kühl die Motivation und den Ehrgeiz einiger Klassenmitglieder, die sich Arbeitsbögen mit nach Hause genommen haben. Die Gruppe der Studierenden kam bei der Auswertung zu der Erkenntnis, dass es auch in Bezug auf Erwerbswege einen entscheidenden Unterschied zwischen Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Muttersprache und dem Rest der Klasse gibt, welcher Deutsch als Zweitsprache lernt. Dennoch sei bei allen ein eindeutiger Lerneffekt bei den zu Beginn und am Ende der Studie durchgeführten Tests zu vermerken.

Sensibilisiert für das bevorstehende Bewerbungsverfahren auf unterschiedlichen Berufsfeldern in Deutschland wurden die RBZ-Schülerinnen und -Schüler durch eine weitere studentische Gruppe, die sich auf das Herausfinden der eigenen Stärken und die Selbstreflexion konzentrierte. Anhand von Adjektiven sollten die jungen Menschen beschreiben, was für den gewünschten Beruf wichtig sei. Studentin Anastasia Schoenrath: „Wir haben mit den Schülern erarbeitet, was im Beruf wichtig ist und welche Stärken sie selbst aufweisen. Wenn man das noch mit sprachlicher Förderung verbinden kann, dann zeichnet das unser nachhaltiges Projekt aus.“

Der Erfolg des Förderunterrichts wurde ebenso in einer dritten Gruppe deutlich. Hier ging es um fachbezogenen Förderunterricht zu dem Thema „Was kostet Strom?“, wobei die Schülerinnen und Schüler gemeinsam eine Textrevision bei vorab selbst geschriebenen Texten vornahmen: „Materialien wie Checklisten regen zur Kommunikation über Sprache auf der Metaebene an und sie fördern zudem auch die schülerinterne Feedbackkultur und die Textüberarbeitungsstrategien“, erläuterte Anneke Balzer die Ergebnisse des Unterrichts.

Das Resultat des Kooperationsprojektes wurde bereits auf der Präsentationstagung „Keine Angst vor Wissenschaft“ in Würzburg, der „Stadt der jungen Forscher 2014“, vorgestellt. Die Ergebnisse der empirischen Daten, welche die Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage der FÖRMIG-Niveaubeschreibung ermittelt haben, dienten als Basis für die Entwicklung weiterer Fördermaßnahmen mit den Schwerpunkten „Sprachgefühl“ und „Grammatik“.

Professor Jörg Kilian vom Germanistischen Seminar hat das PerLe-Projekt und auch die Bewerbung in dem von der Körber-Stiftung, der Telekom-Stiftung und der Bosch-Stiftung getragenen Programm „Stadt der jungen Forscher“ gemeinsam mit Sarah Möller, Hauke Jessen und Raika Wiethe initiiert und durchgeführt. Rückblickend auf die Kooperation und die Projektkonferenz sagte er, „dass man die Theorie der DaZ-Sprachförderung auch in der Praxis erproben muss“, da man bei Sprachstandserhebungen und bei der Entwicklung von Fördermaterialien nicht stehen bleiben darf. „Den Grund kann man theoretisch legen, aber der Rest muss in der Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern, die diese Fördermaterialien brauchen, erfolgen.“

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Professor Jörg Kilian ist Inhaber des Lehrstuhls für Deutsche Philologie/Didaktik der deutschen Sprache am Germanistischen Seminar der CAU und leitet mit Unterstützung von Masterstudentin Sarah Möller das Kooperationsprojekt.
Foto/Copyright: Lisa Triebel/CAU

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Die Masterseminarteilnehmenden beim Präsentieren ihrer Ergebnisse.
Foto/Copyright: Lisa Triebel/CAU

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