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Pressemeldung Nr. 264/2014 vom 04.09.2014 | zur Druckfassung | Suche

Muscheln aus der Kieler Förde

Regionales Projekt züchtet bio-zertifizierte Meerstiere



Von außen sieht die Kieler Meeresfarm relativ unscheinbar aus: Endlos lange Reihen von Bojen, die parallel zum Ufer verlaufen. An diesen sogenannten Langleinen wächst eine schmackhafte Delikatesse: Miesmuscheln, die direkt vor Holtenau in der Kieler Förde gezüchtet werden. Seit Juni züchtet eine regionale Firma die Muscheln und verkauft sie zwischen September und März zweimal wöchentlich direkt von Bord.

Die Meeresfarm startete 2009 mit einer Pilotanlage, die durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gefördert wurde. Bei der ersten Muschelernte 2011 fraßen Eiderenten den gesamten Bestand auf und ließen das Projekt beinahe scheitern. Heute werden die Muscheln nicht wie im 19. Jahrhundert an Pfählen gezüchtet, sondern an Langleinen. Diese sind 100 Meter lang. An ihnen hängen die Muscheln an speziellen Muschelsocken bis in drei Meter Wassertiefe senkrecht hinab. Bojen sorgen für den notwendigen Auftrieb, denn im Schlick lauert ein natürlicher Fressfeind der Muscheln: Seesterne klettern auf die Leinen, wenn diese zu tief herab hängen und lassen sich die Muscheln schmecken. Deswegen müssen die Bojen immer wieder neu gesetzt werden, wenn das Gewicht der Muscheln die Leinen zu weit in Richtung Schlick zieht.

Muschelzucht hat in der Kieler Bucht Tradition. Bis vor etwa 120 Jahren bildeten Miesmuscheln während des Winters die Erwerbsgrundlage der Kieler Sprottenfischer. Die Stadtentwicklung und die zunehmende Industrialisierung raubten den Fischern jedoch bald ihre Fangplätze und verschlechterten außerdem die Wasserqualität. So geriet diese Branche beinahe in Vergessenheit. Bis drei Biologen 1993 die Firma „Coastal Research & Management“ gründeten. Aus dieser Firma, die ursprünglich umweltfreundliches Küstenmanagement betrieb und marine Naturstoffe erforschte, wurde im Juni dieses Jahres die „Kieler Meeresfarm“ ausgegründet.

Der Meeresbiologe und Firmengründer Tim Staufenberger schätzt die Arbeit auf der Muschelfarm, wie er die langen Leinen nennt an denen die Muscheln wachsen: „Während der Erntesaison sind wir bis zu acht Stunden mit dem Boot draußen. Das ist körperlich sehr anspruchsvolle Arbeit, insbesondere wenn sich das Wetter von seiner ungemütlichen Seite zeigt.“ Der Kran auf der schwimmenden Arbeitsplattform „Pontylus“ hievt die Langleinen hoch. Drei bis fünf Tonnen der schmackhaften Meerestiere hängen an jeder Leine, davon ist etwa eine Tonne größer als sechs Zentimeter und somit erntereif. Die Muscheln werden an Bord maschinell vorsortiert und anschließend in Handarbeit einzeln überprüft. Entsprechend der vorbestellten Mengen werden sie verpackt und direkt am Tiessenkai verkauft. Ständige Kontrollen durch das Veterinär- und das Gesundheitsamt garantieren eine hohe Qualität der Muscheln, die eine sehr geringe Schadstoffbelastung aufweisen.

Nachwuchssorgen hat die Kieler Meeresfarm übrigens nicht, betont Staufenberger: „Im Mai und Juni pflanzen sich die Muscheln fort und etwa ein- bis zweitausend Larven werden pro Muschel freigesetzt. Die Muschellarven benötigen einen Untergrund in unmittelbarer Umgebung, an den sie sich anhaften können. Die Leinen unserer Muschelfarm bieten genau diesen Untergrund.“ Auf diese Weise nutzt die Muschelfarm ihren eigenen Nachwuchs für die Zucht.

Weitere Informationen:
www.kieler-meeresfarm.de/
www.meeresgarten.com
www.oceanbasis.de

Kontakt:
Dr. Tim Staufenberger
Kieler Meeresfarm
Telefon: (0431) 3645-884
E-Mail: info@kieler-meeresfarm.de

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Mit dem Kran auf der schwimmenden Arbeitsplattform wird eine dichtbewachsene Langleine heraufgeholt.
Foto: Jürgen Haacks, Uni Kiel

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Der Seestern, ein natürlicher Fressfeind der Miesmuscheln.
Foto: Jürgen Haacks, Uni Kiel

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Langleine mit Muscheln und eine mit Seepocken bewachsene Auftriebsboje.
Foto: Jürgen Haacks, Uni Kiel

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Unter diesen unscheinbaren Bojen erstreckt sich vor Holtenau die Kieler Meeresfarm.
Foto: Jürgen Haacks, Uni Kiel

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Text / Redaktion: Dr. Tebke Böschen