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Pressemeldung Nr. 318/2014 vom 15.10.2014 | zur Druckfassung | Suche

Nachhaltige Fischerei: Neuer Management-Ansatz entschärft Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie

Interdisziplinäre Forschungsgruppe des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ schafft neue Grundlage für politische Handlungsempfehlungen


Das Gleichgewicht zwischen Gewinnmaximierung und nachhaltigem Schutz von Fischbeständen zu halten, ist für Fischer und Fischerinnen wie für die Politik gleichermaßen schwierig. Zählt nur der Gewinn, leiden die Bestände. Werden nur einzelne Fischarten beispielsweise per Quote geschützt, gerät das ökologische Gleichgewicht aus dem Ruder. Die Kieler Forscher Dr. Rudi Voss, Dr. Jörn Schmidt und Prof. Martin Quaas aus der interdisziplinären Arbeitsgruppe zur nachhaltigen Fischerei des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und Kolleginnen und Kollegen aus den USA, Hamburg und Finnland zeigen nun in neuen Veröffentlichungen in den Fachmagazinen Plos One und Marine Ecology Progress Series, wie nachhaltiges Fischereimanagement funktionieren kann. Die Forschenden haben in ihrer Studie nicht nur die Entwicklung einzelner Fischarten untersucht, sondern sie auch in Beziehung zu ihren Fressfeinden und Beutefischen gesetzt. Dabei wenden sie den so genannten Ökosystem-basierten Ansatz an, eine gleichrangige Abwägung von sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten. Damit schaffen die Forschenden eine Grundlage für Handlungsempfehlungen an die europäische Fischereipolitik, die Zielkonflikte und deren Auswirkungen unmissverständlich visualisiert.

Wie wirkt sich Profitmaximierung in der Fischerei auf die Bestandsgrößen der Fischarten aus? Welche Folgen hat der Schutz einzelner Fischarten auf das Zusammenleben aller Lebewesen im marinen Ökosystem? Wie kann man die Bestände verschiedener Organismen im Meer auf einem existenzsichernden Niveau halten und gleichzeitig die Lebensgrundlage der Fischer und Fischerinnen bewahren? Modernes Fischereimanagement bedeutet, diese oft widerstrebenden Interessen und ihre Auswirkungen gegeneinander abzuwägen und einen bestmöglichen Kompromiss zu finden. Während die Fischereipolitik bisher vor allem zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen vermittelte, verlangt der von den Vereinten Nationen geforderte sogenannte „Ecosystem Approach to Fisheries Management“, Ökosystem-basierter Ansatz im Fischereimanagement, eine gleichwertige Abwägung von sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten im Sinne eines nachhaltigen Ressourcenmanagements.

Die Veröffentlichungen der Kieler Forschenden in den Fachmagazinen PLOS ONE und Marine Ecology Progress Series heben insbesondere hervor, welche Kompromisse modernes Ressourcenmanagement eingehen muss, um eine nachhaltige Nutzung von Ökosystemdienstleistungen durch den Menschen sicherzustellen. Am Beispiel des Fischereimanagements in der Ostsee demonstriert die Forschungsgruppe diesen Ansatz: In einem wirtschaftliche und ökologische Faktoren berücksichtigenden Mehrarten-Optimierungsmodell wird erprobt, wie eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Erholung der zusammengebrochenen Dorschbestände zu erzielen ist. Eine auf reiner Gewinnmaximierung basierende Strategie zum Wiederaufbau der Dorschbestände könnte zum Beispiel zum Zusammenbruch der finanziell weniger wertvollen Bestände der Sprotte führen: Beide Arten sind nämlich durch starke Räuber-Beute-Interaktionen verbunden, so dass Management-Maßnahmen für eine Art automatisch auch die andere Art beeinflussen. Von Schutzmaßnahmen zur Sicherung der Sprotte wiederum würden nur die darauf spezialisierten Fischer und Fischerinnen profitieren, was die Gerechtigkeit in der Ressourcennutzung in Frage stellen würde. Die Arbeit zeigt jedoch einen Weg auf, der zwar wirtschaftlich nicht optimal ist, aber möglicherweise für eine akzeptable Balance zwischen Profit, Artenschutz und sozialer Gleichheit sorgt. Damit demonstriert diese Fallstudie, welche gesellschaftlichen Handlungsoptionen zur Lösung von Interessenkonflikten in der Nutzung von natürlichen Ressourcen zur Verfügung stehen und dass solche Managementempfehlungen einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der globalen Fischbestände leisten können.

Originalarbeiten:
Voss, R, Quaas, MF, Schmidt, JO, Tahvonen, O, Lindegren, M, Möllmann, C. Assessing social – ecological trade-offs to advance ecosystem-based fisheries management. www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0107811

Voss R, Quaas MF, Schmidt JO, and Hoffmann J. Regional trade-offs from multispecies maximum sustainable yield (MMSY) management options. Marine Ecology Progress Series 498:1-12.
www.int-res.com/articles/feature/m498p001.pdf

Links:
www.ozean-der-zukunft.de
www.eree.uni-kiel.de/de

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Fischereimanagement im Spannungsfeld von Profit, Naturschutz und Verteilungsgerechtigkeit, Fotos: Imme Schmidt

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Ökologische, ökonomische und soziale Faktoren fließen in das mehrere Fischarten berücksichtigende Optimierungsmodell ein, Grafik: Voss et al.

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Kontakt und Ansprechpartner für die Medien
Dr. Rüdiger Voss, Institut für Volkswirtschaftslehre, CAU Kiel,
voss@economics.uni-kiel.de, Telefon 0431-880-5634

Christian Urban, Öffentlichkeitsarbeit Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“,
curban@uv.uni-kiel.de, Telefon 0431-880-5627