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Pressemeldung Nr. 358/2014 vom 07.11.2014 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Ausgezeichnete Gewinner – Ideenwettbewerb 2014:

Geistesblitze von Analyseverfahren bis Projektionstechnologie


Bereits zum sechsten Mal wurden heute (06.11.2014) im Rahmen des Ideenwettbewerbs Schleswig-Holstein im Wissenschaftszentrum Kiel herausragende Ideen mit wirtschaftlichem Potenzial aus Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Den ersten Preis erhielten die Biologin Nadine Sydow und der Materialwissenschaftler Sandro Böhm von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Ihre Entwicklung des Schneckenschutz-Oberflächenmaterials „Schnexagon“ belohnte die Jury mit dem ersten Platz und 5.000 Euro Preisgeld. Über den zweiten Platz für die Projektionstechnologie „EDGE“ freute sich mit Martin Fischbock, Kay Sörensen und Jonas Häutle ein Team von Absolventen aller drei Kieler Hochschulen. Der dritte Platz ging an Dr. Yousef Nazirizadeh, Prof. Dr. Martina Gerken, Dr. Pia Glorius, Sebastian Metz und Volker Behrends von der CAU für ihr mobiles Analyseinstrument für zelluläre und biochemische Untersuchungen. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 12.500 Euro ausgeschüttet.

Der Ideenwettbewerb wurde in diesem Jahr vom Dr. Werner Jackstädt-Zentrum für Unternehmertum und Mittelstand Flensburg in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) organisiert. Gesucht wurden innovative und zukunftsweisende Ideen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die in Form von Produkten, Dienstleistungen oder Verfahren das Potenzial für wirtschaftlichen Erfolg haben. Eine Expertenjury aus erfahrenen und hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Fördereinrichtungen bewertete unter anderem die Einzigartigkeit, den Kundennutzen und das Marktpotenzial der jeweiligen Idee sowie deren Bedeutung für Schleswig-Holstein. Staatssekretär Dr. Frank Nägele beglückwünschte die Siegerinnen und Sieger zu ihrem Erfolg: „Die Landesregierung schafft Voraussetzungen und Instrumente, um frische Ideen zu fördern und zu unterstützen“, richtete sich Nägele an die Preisträgerinnen und Preisträger. „Deshalb freut es mich jedes Mal besonders, wenn das riesige Gründungspotenzial in unserem Land sichtbar wird. So wie heute.“ Der Ideenwettbewerb sei nicht nur eine zentrale Plattform, um auf die große Bedeutung des Technologietransfers in Schleswig-Holstein aufmerksam zu machen, sondern habe gleichzeitig eine wichtige Netzwerkfunktion. „Wir wollen Gründerinnen und Gründer, Gründungshelferinnen und -helfer sowie Fördereinrichtungen auch in Zukunft auf möglichst direktem Weg zusammenbringen“, sagte der Staatssekretär.

Die Bedeutung eines starken Gründungsnetzwerks betonte auch Dr. Meeno Schrader, Gründer der WetterWelt GmbH. Darüber hinaus ermutigte der Key Note Speaker die Preisträgerinnen und Preisträger, an sich und ihre Idee zu glauben und sich auch von eventuellen Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen: „Die gute Idee ist nur der erste kleine Schritt zu unternehmerischem Erfolg“, sagte der Wetter-Experte. „Bis Ihr Unternehmen erfolgreich am Markt etabliert ist, brauchen Sie vor allem Durchhaltevermögen und gute Wegbegleiter wie die WTSH."

„Ich bin überwältigt von den Ideen, die aus den Hochschulen unseres Landes kommen“, sagte Prof. Dr. Herbert Zickfeld, Präsident der Fachhochschule Flensburg. Um die Potentiale bestmöglich nutzen zu können, sei dieser Wettbewerb, der gleichzeitig die Möglichkeit der Vernetzung biete, die optimale Plattform, so Zickfeld. Der Präsident lobte gleichzeitig die Nachhaltigkeit der Projekte: „Wir haben es hier mit Produkten zu tun, die am Markt bestehen können, die einen praktischen Nutzen haben.“

Prof. Dr. Dirk Ludewig vom Dr. Werner Jackstädt-Zentrum sieht den Erfolg des Wettbewerbs auch teilweise als Ergebnis der engagierten Arbeit der Gründungsunterstützungszentren an den Schleswig-Holsteiner Hochschulen: „Das Gründungsinteresse wächst an unseren Hochschulen, die Gründungszahlen steigen ebenfalls und mit Blick auf die Wettbewerbseinreichungen in diesem Jahr auch ganz klar die Reife der Gründungsideen.“
Das hohe Niveau der diesjährigen Einreichungen lobte Dr. Dirk Müller, bei der WTSH verantwortlich für die Ausgründungsförderung. „Die Leistungsdichte in der Spitze war in diesem Jahr außergewöhnlich hoch“, sagte Müller. „Zu dieser Qualitätssteigerung haben sicher auch die verbesserten Angebote zur Gründungsunterstützung an den Hochschulstandorten beigetragen.“

Unabhängig von ihrer Platzierung im Ideenwettbewerb können Einreichungen mit wirtschaftlicher Perspektive mit Mitteln des EFRE Seed- und StartUp-Fonds Schleswig-Holstein gefördert werden. In dem Fonds stellt das Land Schleswig-Holstein in Kooperation mit seinen Förderinstituten Risikokapital in Höhe von sechs Millionen Euro für technologieorientierte und wissensintensive Ausgründungen aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit forschungs- und wissenschaftsbasierten Aktivitäten zur Verfügung. Der aktuelle Fonds läuft 2015 aus, aber ein Fonds mit doppeltem Volumen sei bereits in Vorbereitung, so Müller. „Der EFRE-Fonds ist ein wichtiger Baustein, um jungen Forscherinnen und Forschern den Weg in den Markt zu ebnen. Darüber hinaus wollen wir die Zusammenarbeit mit den Hochschulen in Zukunft weiter intensivieren und zusätzliche Maßnahmen etablieren, mit denen wir potenzielle Gründer in der PreSeed Phase noch früher und effektiver unterstützen können.“

Sieger-Projekte
1. Preis (5.000 Euro, gestiftet von der Investitionsbank Schleswig-Holstein)
Ein zuverlässiges, dauerhaft wirksames und ökologisch unbedenkliches Antihaft-Mittel gegen Schnecken haben die Biologin Nadine Sydow und der Materialwissenschaftler Sandro Böhm entwickelt. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe für Funktionelle Morphologie und Biomechanik am Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel entstand ein neuartiges Material, das in flüssiger Form auf so gut wie jeden Untergrund aufgetragen werden kann – zum Beispiel auf Pflanzgefäßen, Terrassenstufen oder Beetumrandungen. Ist es getrocknet, können Schnecken auf der entstehenden Oberfläche nicht haften, so dass auch besonders hartnäckige Schneckenarten ferngehalten werden, die bisher nur durch den Einsatz von Giftstoffen wirkungsvoll bekämpft werden konnten. Der Anstrich enthält keine Giftstoffe, ist kostengünstig in der Herstellung und langlebig, sodass die behandelten Flächen monatelang schneckenfrei bleiben. Das Patentierungsverfahren läuft, und das Produkt „Schnexagon“ soll ab 2015 zunächst über einen Fremdhersteller abgepackt und vertrieben werden.

2. Preis (3.000 Euro, gestiftet von der MBG Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein)
Auf dem zweiten Platz landete ein dreiköpfiges Team von Absolventen aller drei Kieler Hochschulen, die für eine neuartige Anwendung im Bereich Projection Mapping ausgezeichnet wurden – der gezielten Projektion von 2D- oder 3D-Objekten. Mit EDGE haben Elektrotechniker Martin Fischbock (FH Kiel), Wirtschaftsingenieur Kay Sörensen (CAU Kiel) und Industriedesigner Jonas Häutle (Muthesius Kunsthochschule) einen interaktiven Videoserver entwickelt, der über einen Beamer Videos, Bilder und Grafiken in beliebiger Anordnung auf so gut wie jede Fläche projizieren kann. Dabei wird der EDGE-Server über ein neuartiges und besonders intuitiv und leicht zu bedienendes Interface per Tablet gesteuert. Hauptzielgruppe des Produkts sind Lichttechnikerinnen und -techniker, Designerinnen und Designer sowie Künstlerinnen und Künstler, die diese Technik für Werbemaßnahmen, Promotion und auf Veranstaltung einsetzen. Dabei halten patentierte Verfahren und automatisierte Prozesse den technischen Aufwand so gering, dass EDGE erstmals auch Laien einen kostengünstigen Zugang zu modernem Projection Mapping bietet.

3. Preis (1.500 Euro, gestiftet von „Nordzentren“ – Ideen.Räume.Schleswig-Holstein.)
Den dritten Platz belegten Dr. Yousef Nazirizadeh, Prof. Dr. Martina Gerken, Dr. Pia Glorius, Sebastian Metz und Volker Behrends. Das Team aus der Arbeitsgruppe Integrierte Systeme und Photonik am Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel entwickelt ein kompaktes, mobiles und kostengünstiges Analyseinstrument, mit dem zelluläre und biochemische Untersuchungen ohne den Einsatz von fluoreszierenden oder radioaktiven Markern durchgeführt werden können. Stattdessen kommt eine hochpräzise optische Messtechnik zum Einsatz, die Fehlerquellen und Dauer der Untersuchung reduziert. Mit der Produktentwicklung startete das Team 2013 und wurde bereits als herausragendes forschungsbasiertes Gründungsvorhaben durch den EXIST Forschungstransfer gefördert, ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Die Marktreife des Produkts und die Unternehmensgründung am Standort Kiel sind für 2015 geplant.

Zusätzlich wurden drei Sonderpreise in den Kategorien „BioMed“, „IT“ und „Green Economy“ sowie ein Sachpreis vergeben:

Sonderpreis „BioMed“ (1.000 Euro, gestiftet von der EUROIMMUN AG)
Der Sonderpreis in der Kategorie „BioMed“ ging an ein Team der Universität zu Lübeck. Prof. Dr. Kerstin Oltmanns ist Leiterin der Sektion Psychoneurobiologie, Prof. Thomas Martinez ist Direktor des Instituts für Neuro- und Bioinformatik und Alina Kistenmacher ist Ökotrophologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion für Psychoneurobiologie. Nach 13 Jahren auf dem Gebiet der Adipositas- und Diabetes-Forschung arbeitet das Team an einer Methode zur Appetitreduktion durch elektrische Gehirnstimulation. Während Diäten häufig mit dem Jojo-Effekt enden und Appetithemmer unerwünschte Nebenwirkungen haben, ist die präventive und therapeutische Unterdrückung von Hungergefühlen direkt im Gehirn nicht nur ein völlig neuer Ansatz, sondern auch die optimale Strategie, um Patientinnen und Patienten mit Übergewicht, Bluthochdruck oder Typ 2 Diabetes langfristig zu helfen. Die Entwicklung einer Software, die individualisierte Protokolle zur elektrischen Hirnstimulation errechnet, ist in Planung.

Sonderpreis „IT“ (1.000 Euro, gestiftet von der assono GmbH)
Den Sonderpreis in der Kategorie „IT“ erhielt ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie und Studierenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, das ein Verfahren zur automatischen Erkennung von Fehlern in sicherheitskritischer Software entwickelt. Technische Innovationen basieren zunehmend auf Informationstechnik, die besonders in eingebetteten Systemen nach einem hohen Maß an Softwarequalität verlangen. So basieren im Automobilbereich mittlerweile 90 Prozent der Innovationen wie beispielsweise Brems- und Spurhalteassistenten oder Einparkhilfen auf Software, die immer komplexere Aufgaben wahrnimmt. Bisherige Methoden der Qualitätssicherung stoßen dabei an ihre Grenzen. „RaceGuard“ hat eine neuartige Methode entwickelt, mit der auch große und komplexe Systeme mit reduziertem Aufwand analysiert werden können. Die Informatiker Thorsten Ehlers und Philipp Sieweck arbeiten als Doktoranden am ARAMiS-Projekt (Automotive, Railway and Avionics Multicore Systems), einem Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Julian Göller studiert an der CAU Kiel Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Entrepreneurship und Innovationsmanagement.

Sonderpreis „Green Economy“ (1.000 Euro, gestiftet von Rail & Road Protec GmbH)
Der Sonderpreis in der Kategorie „Green Economy“ geht an Aline Hock und Dr. Biniam Samuel Fitwi. Mit ihrem unabhängigen Forschungs- und Dienstleistungsunternehmen „Sustainable Food“ beraten die Umweltwissenschaftlerin und der Meeresbiologe Fischerei- und Aquakulturbetriebe bei der Entwicklung nachhaltiger Fischproduktion. Dabei gehen sie nach dem ganzheitlichen Cradle-to-Grave-Prinzip vor, das den gesamten Lebenszyklus eines Produkts berücksichtigt. Die Idee zu ihrer Unternehmung entstand im Rahmen ihrer Promotion bzw. Masterarbeit an der Gesellschaft für Marine Aquakultur mbH in Büsum bzw. der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. „Sustainable Food“ analysiert unter anderem Umwelt- und Ressourceneffizienz einzelner Produkte, berät zu Produktoptimierung und unterstützt bei der Entwicklung ökologischer Produktionssysteme – zum Beispiel durch neue Konzepte für bestehende Aquakulturanlagen. Nach ersten erfolgreichen Projekten mit namhaften Fischproduzenten und Supermarkt-Ketten laufen aktuell Verhandlungen zur langfristigen Zusammenarbeit. Die Gründung einer GmbH ist bis zum Jahresende geplant.

Sachpreis (Schutzrechtsberatung)
Ein Sachpreis ging an die Entwicklung der Studenten Christoph Hanke (Interfacedesign), Christian Fontius (BWL) und Felix Dubrownik (Informatik). „Pianomotion“ entwickelt Software, mit der man in Kombination mit einer Datenbrille Klavierspielen einfacher und schneller erlernen kann. Dieses Augmented Reality Konzept basiert auf Forschungsergebnissen zur Lerndidaktik und richtet sich sowohl an Musikschulen als auch an Autodidakten. Geplant ist ein Serviceangebot, das aus einer Datenbrille und einem Softwarepaket besteht,

Mehr zum Ideenwettbewerb 2014 und zur Finanzierung von Ausgründungen im Internet unter:
www.seedfonds-sh.de

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Die Gewinner des 1. Preises: Nadine Sydow und Sandro Böhm (Kooperation mit der AG Funktionelle Morphologie und Biodynamik, CAU).
Foto: Claudia Becker, WT.SH

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Alle Sieger des Ideenwettbewerbs 2014.
Foto: Claudia Becker, WT.SH

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Verantwortlich für diesen Pressetext: Ute Leinigen | WTSH Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig Holstein GmbH | Lorentzendamm 24, 24103 Kiel | Telefon 0431 66666 820 | Telefax 0431 66 66 6 769 | E-Mail: leinigen@wtsh.de | www.wtsh.de
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