CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePressePressemeldungenNr. 401 / 2015

Pressemeldung Nr. 401/2015 vom 06.11.2015 | english version | RSS | zur Druckfassung | Suche

Alternative Konzepte in der Krebsforschung

Robert Gatenby vom Moffitt Cancer Center besuchte die Universität Kiel


Auf Einladung des Forschungsschwerpunkts “Kiel Life Science” besuchte der US-amerikanische Krebsforscher Robert A. Gatenby, M.D., Vorsitzender der Abteilung für Radiologie und Co-Direktor des „Cancer Biology and Evolution Program“ am Moffitt Cancer Center in Tampa jüngst die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Auf dem Programm des international renommierten Wissenschaftlers stand neben dem Gedankenaustausch mit zahlreichen Forschenden der CAU auch ein öffentlicher Abendvortrag vor gut 100 Zuhörerinnen und Zuhörern unter dem Titel „Cancer & Evolution“ am 5. November.

Darin vertrat Gatenby seine streitbare und zugleich revolutionäre Sicht auf die Krankheit Krebs: Auf der Suche nach neuen Behandlungsstrategien bringt Gatenby theoretische Evolutionsbiologie mit Tumorbiologie und klinischer Onkologie zusammen. Gemeinsam soll so eine neuartige Betrachtung von Krebserkrankungen als dynamische, evolutionäre Systeme gelingen. „Obwohl die evolutionäre Anpassung der Krebszellen ein entscheidender Grund für das Versagen bestehender Krebstherapien darstellt, wird die Rolle der Evolution in der Entwicklung neuer Behandlungsoptionen bisher kaum beachtet“, erklärte Gatenby die Bedeutung seines Forschungsansatzes.

Darauf aufbauend hat Gatenby neuartige Therapieansätze entwickelt, die nicht auf eine vollständige Eliminierung der Krebserkrankung abzielen, sondern auf ihre „Zähmung" beziehungsweise Tolerierung durch den Organismus. Auf diesem Weg kann die Entstehung aggressiver Krebsformen vermindert werden und so ein längeres Leben der Betroffenen ermöglicht werden - allerdings mit der Krankheit.

Gatenbys Krebsforschung spiegelt damit eine aktuelle Diskussion in Medizin und Evolutionsforschung wider, die die Evolution der Krankheit und Erreger bei der Entwicklung von Behandlungsstrategien in den Vordergrund stellt. Insbesondere als alternativer Weg zur künftigen Bekämpfung von Infektionskrankheiten angesichts der sich verschärfenden Antibiotika-Krise wird dieser Ansatz in der Wissenschaft lebhaft diskutiert.

Im medizinischen Alltag und insbesondere aus Sicht von Patientinnen und Patienten ist dieser sich abzeichnende Paradigmenwechsel brisant, da die Perspektive der Betroffenen dann nicht mehr Heilung, also die vollständige Beseitigung von Krankheit und Erreger, sondern eine länger währende bis dauerhafte Tolerierung der Erkrankung wäre. Mit Gatenbys Vortrag endete die diesjährige KLS-Vortragsreihe mit dem Schwerpunktthema „Evolutionäre Medizin“. 2016 werden die Ringvorlesungen dann mit neuen inhaltlichen Schwerpunkten fortgesetzt.

Es stehen Fotos/Materialien zum Download bereit:
Bitte beachten Sie dabei unsere ► Hinweise zur Verwendung

Zum Vergrößern anklicken

Robert Gatenby erläuterte in seinem Vortrag seine Auffassung der Krankheit Krebs als dynamisches, evolutionäres System.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Foto zum Herunterladen:
www.uni-kiel.de/download/pm/2015/2015-401-1.jpg

Zum Vergrößern anklicken

Prof. Hinrich Schulenburg hieß Gatenby im Namen von “Kiel Life Science” an der Universität Kiel willkommen.
Foto: Dr. Tebke Böschen, Universität Kiel

Foto zum Herunterladen:
www.uni-kiel.de/download/pm/2015/2015-401-2.jpg

Zum Vergrößern anklicken

Zu den rund 100 Gästen im Audimax der CAU zählten zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Kieler Medizin und Evolutionsforschung.
Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Foto zum Herunterladen:
www.uni-kiel.de/download/pm/2015/2015-401-3.jpg


Weitere Informationen:
Integrated Mathematical Oncology, Moffitt Cancer Center:
labpages.moffitt.org/imo/

Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“, CAU Kiel
www.kls.uni-kiel.de/



Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: ► presse@uv.uni-kiel.de, Internet: ► www.uni-kiel.de, Jubiläum: ► www.uni-kiel.de/cau350
Twitter: ► www.twitter.com/kieluni, Facebook: ► www.facebook.com/kieluni
Text / Redaktion: ► Christian Urban