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Pressemeldung Nr. 404/2015 vom 06.11.2015 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Der Beginn eines Diskurses: Die Medizinische Fakultät zur Zeit des Nationalsozialismus


Im Jubiläumsjahr der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) blickt auch ihre Medizinische Fakultät auf eine 350 Jahre dauernde Geschichte zurück und nutzt diesen Zeitpunkt für die Aufarbeitung der Vergangenheit. Am Freitag, 13. November, findet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die Medizinische Fakultät der CAU in der Zeit des Nationalsozialismus“ statt. „Die Veranstaltung ist der Auftakt für einen längeren Prozess der Auseinandersetzung mit Institutionen und Personen der Medizinischen Fakultät zur NS-Zeit“, sagt dazu Professor Dr. Ulrich Stephani, Dekan der Medizinischen Fakultät der CAU.

Moderiert wird die Gesprächsrunde von Professor Dr. Dr. h.c. Gerhard Fouquet, Historisches Seminar der CAU. „Für mich als Historiker heißt, nach der historischen Wahrheit in der NS-Zeit zu suchen, auch Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sich diese Geschehen in Deutschland nicht mehr wiederholen können“, sagt Fouquet. Die Teilnehmenden auf dem Podium führen zunächst mit kurzen Impulsvorträgen in die Thematik ein. Professor Dr. Christoph Cornelißen, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, referiert über den Weg der CAU in den Nationalsozialismus sowie den Einfluss und die Rolle der Medizinischen Fakultät zu dieser Zeit. Der Historiker stellt außerdem die Situation der Kieler Medizinischen Fakultät im nationalen Vergleich dar. „Die medizinischen Wissenschaften waren im Dritten Reich alles andere als ‚unschuldige Disziplinen'. Im Kern bezeichnen die Begriffe ‚Anfälligkeit' und ‚Resistenz' einen Spannungsbogen, unter dem sich wissenschaftliche Forschung und auch kuratives Handeln an der CAU vollzogen haben“, sagt Cornelißen.

Dr. Dr. Karl-Werner Ratschko, Mediziner und Historiker, zeigt die Entwicklung der Medizinischen Fakultät von 1933 bis 1945 auf. „Die Kieler Medizinische Fakultät war während des Nationalsozialismus tief in die Handlungen des NS-Regimes eingebunden. Ihre Professoren lehrten im Sinne der Machthaber, sie forschen für den Krieg, nicht wenige waren in der SS, einige waren sogar mit hohen Dienstgraden in dessen Sicherheitsdienst. Auch an Medizinverbrechen waren einige Mitglieder der Fakultät beteiligt.“

Über die Entnazifizierung und den personellen Wechsel an der Medizinischen Fakultät in Kiel nach 1945 berichtet Professor Dr. Dr. Christian Andree, Medizinhistorische Forschungsstelle, CAU: „Die meisten der Entscheidungen fielen nicht-abgestimmt in einem Geflecht von Institutionen, nicht immer zum Wohle der Fakultät, was an anderen Universitäten anders war.“

Die Medizinethikerin Professorin Dr. Alena Buyx, CAU, stellt das Menschenbild aus damaliger und heutiger Sicht vor. „Der Nürnberger Ärzteprozess 1946/1947 führte zu einer Rückbesinnung auf eine individuelle medizinische Ethik. Die Medizinethik als Fach ist aus der Medizin selbst entstanden, als direkte Reaktion auf das Geschehene.“ Ethische Grundsätze für die medizinische Forschung am Menschen, die auch heute noch Gültigkeit besitzen, wurden im Nürnberger Kodex und im Genfer Gelöbnis sowie später in der Deklaration von Helsinki festgelegt. Als ein grundlegender Wert gilt unter anderem das Recht auf Selbstbestimmung der Patienten.

Professor Dr. Dr. h.c. Michael Illert, Emeritus der Medizinischen Fakultät der CAU, eröffnet im Anschluss an die Vorträge die Podiumsdiskussion. Gewünscht ist eine breite öffentliche Diskussion, zu der Interessierte herzlich eingeladen sind. Der Eintritt ist frei.


Das Wichtigste in Kürze:
Was?: Podiumsdiskussion „Die Medizinische Fakultät der CAU in der Zeit des Nationalsozialismus“
Wann?: Freitag, 13. November 2015, 19:00 Uhr
Wo?: Norbert-Gansel-Hörsaal, Olshausenstraße 40, 24118 Kiel

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Text / Redaktion: Dr. Ann-Kathrin Wenke