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Pressemeldung Nr. 413/2015 vom 11.11.2015 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Brauchen wir fliegende Toaster?

Podiumsdiskussion an der CAU zum Thema „Die kommende Universität“


Flying Toaster! by Kurt Nordstrom | Flickr: www.flickr.com/photos/afroswede/ | Lizenz: CC BY 2.0


Zuversichtliche, aber auch pessimistische Stimmen gab es am Dienstagabend (10. November) im Hebbel-Hörsaal der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zu hören. Dort hatten sich circa 120 Interessierte versammelt, um bei der Siegerehrung des studentischen Essaywettbewerbs zum Thema „Die kommende Universität“ dabei zu sein. Mit der gleichen Thematik befasste sich auch die anschließende Podiumsdiskussion zwischen Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, Thisbe Lindhorst, Professorin für Organische Chemie und Biologische Chemie an der CAU, Dirk Westerkamp, Professor am Philosophischen Seminar der CAU, und Esther Oluffa Pedersen, Professorin am Philosophischen Seminar der Universität Roskilde. Moderiert wurde die Diskussion von der Kieler Philosophieprofessorin Christine Blättler.

„Die kommende Universität“ – zu diesem Motto hatten das Philosophische Seminar und das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) im vergangenen Sommersemester einen Essaywettbewerb ausgeschrieben. Preisgekrönt wurde der Beitrag von Alfred Paschek, Master-Student der Philosophie, der den Anspruch der Universität, eine autonome, rein aus sich selbst sich verstehende Bildungszweckgemeinschaft zu sein, verteidigt, aber auch gefährdet sieht. Doch auch Maximilian Thieme, Bachelor-Student der Philosophie und Soziologie, beeindruckte die Jury mit seinem „Plädoyer für ein Wir“ und erhielt dafür den Nachwuchs-Preis.

Zwischen den Teilnehmenden der anschließenden Diskussionsrunde herrschte – bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Perspektiven – letztlich große Einigkeit hinsichtlich des Zustandes und der Zukunft der Universität. So sprach Dieter Lenzen beispielsweise von „drei Fehlern“: Die durch die Bologna-Reform angestrebte Anglifizierung und Verberuflichung aller universitären Strukturen in der EU, die „Perversion“, dass Lehrende eigens Anträge für die Erlaubnis zu wissenschaftlicher Forschung stellen müssten sowie die Output-Kontrolle, der heutige Universitäten unterlägen, und bei der der Erfolg der Lehrenden oft ausschließlich daran gemessen werde, wie viele Drittmittel sie einbringen.

Ähnlich argumentierte auch die Philosophin Esther Oluffa Pedersen, die einen Einblick in das dänische Universitäts-System gab: Dort sei in den letzten Jahren sehr viel mehr Bürokratie entstanden und Lehrkräfte würden, so die Wissenschaftlerin, mehr und mehr ihrer Autonomie beraubt. Und auch der Begriff der „Freiheit“ beschäftigte das Panel intensiv: Chemikerin Thisbe Lindhorst begründete darauf die Existenzberechtigung der Universität: „Wir müssen einen Raum haben, wo die wichtigen Fragen gestellt werden können. Es gibt keinen Beruf, der sich darum kümmert, aber die Universität tut das“, sagte die Naturwissenschaftlerin.

Dirk Westerkamp vom Philosophischen Seminar verwies auf die Veränderungen der Lehre angesichts neuer medialer Vermittlungsformen. Er gab zu bedenken, dass die zunehmende Vermassung der Studiengänge eine Individualisierung und Virtualisierung des Studiums nach sich ziehen werde, durch die der freie Dialog zwischen Lehrenden und Studierenden nicht zwangsläufig leichter werden wird. Dieter Lenzen brachte einen weiteren interessanten Aspekt auf den Tisch: den Unterschied zwischen Innovation und Fortschritt. Illustriert wurde dieser an einem bildhaften, aber gerade deswegen verständlichen Beispiel. Es müsse immer auch diskutiert werden, ob eine Innovation überhaupt sinnvoll und damit ein Fortschritt sei – würde jemand Toaster konzipieren, die fliegen können, müsse erst einmal die Frage gestellt werden, ob eine solche Erfindung überhaupt gebraucht werde. Diese Frage müsse normativ abgewogen werden, so Dieter Lenzen, und genau dies geschehe an Universitäten – und nur noch dort.

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Dirk Westerkamp (links) vom Philosophischen Seminar verwies auf die Veränderungen der Lehre angesichts neuer medialer Vermittlungsformen
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Die Preisträger des Essay-Wettbewerbs, Alfred Paschek (l,) und Maximilian Thieme.
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Text / Redaktion: Julia Beil