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Pressemeldung Nr. 148/2016 vom 06.05.2016 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Das Glücksschwein: Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen Emotionen von Schweinen

Staatssekretärin Maria Flachsbarth gibt Startschuss für Forschungsprojekt „FeelGood“


Die Chemie stimmt schon lange nicht mehr: Verbraucherinnen und Verbraucher kritisieren immer schärfer die Bedingungen, unter denen Schlachttiere gehalten werden, Erzeugerinnen und Erzeuger fühlen dich dagegen an den Pranger gestellt und verweisen unter anderem auf den ständigen Preisdruck. Tierwohl ist in den letzten Jahren Gegenstand einer sehr emotional geführten öffentlichen und politischen Diskussion geworden. Um diese Diskussion zu versachlichen, ist es ein Ziel der Wissenschaft geworden, Tierwohl objektiv messbar zu machen. Das Forschungsprojekt „FeelGood – Erfassung positiver Emotionen beim Schwein“, das im Sommer dieses Jahres am Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) starten wird, soll dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das dreijährige Forschungsvorhaben mit 215.000 Euro und übergab heute (Freitag, 6. Mai) den Zuwendungsbescheid.

Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin im BMEL sagte anlässlich der Bescheidübergabe: „Deutschland soll zum Vorreiter in Sachen Tierwohl werden. Zu diesem Zweck wurde im September 2014 die BMEL-Initiative ‚Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl‘ gestartet. Forschung ist ein zentraler Bestandteil der Tierwohl-Initiative. Deshalb freue ich mich, heute den Startschuss für das Projekt „FeelGood“ zu geben. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden dabei helfen, die Beurteilung der Tiergerechtheit von Haltungssystemen weiter zu verbessern.“

„Ziel unseres Forschungsprojektes ist es, ein umfassendes Verständnis des Gemütszustandes beim Schwein zu erlangen, um im zweiten Schritt geeignete Parameter zu deren Erfassung zu identifizieren“, erklärt Professor Joachim Krieter, Institutsleiter und geschäftsführender Vorstand am Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität. Tierwohl umfasse, so Krieter, zum einen Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Tieres und zum anderen dessen Gemütszustand. Letzterer soll durch das Kieler Forschungsprojekt genauer untersucht werden. Denn während für körperliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit in jüngerer Vergangenheit praktikable Parameter gefunden werden konnten, stellt die Messung des Gemütszustandes immer noch eine große Herausforderung für die Nutztierwissenschaft dar.

„Der Gemütszustand eines Tieres setzt sich zusammen aus den erlebten positiven wie negativen Emotionen. Im Sinne des Tierwohls sollten die positiven Emotionen überwiegen“, erläutert Tierärztin Dr. Irena Czycholl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierzucht und Tierhaltung. Dass Tiere zumindest Basisemotionen wie Freude und Angst empfinden können, gilt als erwiesen. Diese abstrakte Ebene soll nun objektiv und wissenschaftlich korrekt dargestellt werden. Dazu wollen sich die Kieler Forschenden Methoden aus der Humanpsychologie zunutze machen. Zwar sind Befragungen und direkte Mitarbeit natürlich nur schwer auf Schweine übertragbar. Es gibt jedoch Modellannäherungen, um latente Ebenen (d.h. Ebenen, die nicht direkt messbar sind), darstellen zu können. Diese Methoden wollen die Forscherinnen und Forscher nun nutzen, um Emotionen als latente Ebene beim Schwein zu verstehen und messbar zu machen. Dazu sollen in zwei Haltungsumwelten zunächst diverse Verhaltensbeobachtungen durchgeführt werden. Zum Beispiel werden Tiersignale wie die Körpersprache analysiert oder die Reaktionen auf neue Gegenstände (Novel Object Test) oder Nähe zu Menschen (Human Approach Test) untersucht. Darüber hinaus werden physiologische Parameter erhoben. Nach der Schlachtung der Tiere werden zudem die Gehirnstrukturen histopathologisch untersucht. „Es ist erwiesen, dass negative Emotionen wie Angst und anhaltender Stress zu Veränderungen wie dem Verlust von einer bestimmten Zellart im Gehirn führen“, erklärt Frau Dr. Irena Czycholl.

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Übergabe des Zuwendungsbescheides (von links): Dr. Irena Czycholl (Institut für Tierzucht und Tierhaltung), Ulf Holst (Kanzler der CAU), Dr. Maria Flachsbarth (Parlamentarische Staatssekretärin im BMEL) und Prof. Joachim Krieter (Institut für Tierzucht und Tierhaltung).
Foto/Copyright: Claudia Eulitz/CAU

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Kontakt:
Prof. Dr. Joachim Krieter
Institut für Tierzucht und Tierhaltung
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Tel +49 (0)431 880 2585
E-Mail: jkrieter@tierzucht.uni-kiel.de



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