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Pressemeldung Nr. 154/2016 vom 12.05.2016 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Akademischer Senat entzieht Alfred Schittenhelm Ehrensenatorenwürde


Der Akademische Senat der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat dem Internisten und Professor Alfred Schittenhelm mit sofortiger Wirkung die Würde eines Ehrensenators entzogen. „Diese Entscheidung fiel einstimmig“, erklärte die Vorsitzende des Senats der CAU, Professorin Silke Göttsch-Elten, am Donnerstag, 12. Mai, in Kiel. Neuere Untersuchungen von Historikern hätten gezeigt, dass Alfred Schittenhelm sich nachweislich während der Zeit des Nationalsozialismus als Wissenschaftler, Funktionär und aktives NSDAP- und SS-Mitglied schuldig gemacht habe. „Aus diesen Gründen ist die Ernennung Schittenhelms zum Ehrensenator der Kieler Universität im Jahre 1951 für den Senat nicht mehr nachvollziehbar“, sagte Göttsch-Elten. Sein persönliches und politisches Wirken in der Zeit vor und nach der ‚Machtergreifung‘ der Nationalsozialisten in Kiel und München sei unvereinbar mit den Prinzipien, für die die Kieler Universität stehe, betonte die Senatsvorsitzende weiter.

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Senats waren neuere Forschungen zu Schittenhelms Verstrickungen in die NS-Diktatur. Neben der Promotion Kieler Hochschulmediziner in der Zeit des Nationalsozialismus von Dr. Karl-Werner Ratschko (2013) arbeitete eine Gruppe um die Professoren Oliver Auge und Norbert Luttenberger im Projekt „Kieler Gelehrtenverzeichnis“ die Lebensläufe von Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf, darunter auch den Schittenhelms. Sie suchten dabei nach objektiven Daten und Kriterien, die die Verstrickung der Betroffenen in das NS-Regime belegten. Die Medizin-Historiker Professor Dr. Hans-Georg Hofer und PD Dr. Ralf Forsbach (beide Münster) haben dann die Einschätzung der Belastung Schittenhelms im Zuge ihrer Untersuchungen über die NS-Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) bestätigt.

Professor Alfred Schittenhelm gehört demnach zu den politisch am stärksten belasteten deutschen Internisten überhaupt. Er betrieb 1933 die Absetzung des gewählten Vorsitzenden der DGIM, Leopold Lichtwitz, aufgrund von dessen jüdischem Hintergrund und profitierte von dessen erzwungenem „Rücktritt“. Als gewählter DGIM-Vorsitzender für 1934 übernahm er ein Jahr früher diese Position und brachte die DGIM schnell auf einen Kurs der „Selbstgleichschaltung“. Statt etwaige Handlungsspielräume auszuloten, holte er bei den neuen Machthabern in Berlin Handlungsanweisungen ein. Seine gesellschaftsinterne Politik war antisemitisch und völkisch. Entsprechend lagen die von ihm gesetzten Kongressschwerpunkte auf den Feldern Rassenhygiene und Erbbiologie. 1945 wurde Alfred Schittenhelm von der Militärregierung aus dem Hochschuldienst entlassen. Die Ehrensenatorenwürde der CAU wurde ihm 1951 verliehen. Das Beispiel zeige, so Göttsch-Elten, dass die Aufarbeitung der universitären NS-Vergangenheit und ihrer Nachwirkungen weitergehen müsse: „Wir halten die Fortschreibung des Kieler Gelehrtenverzeichnisses für ein geeignetes Instrument, um diese wichtige Arbeit auf der Basis solider Quellen- und Archivarbeit fortzusetzen.“

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Der Internist und Professor Alfred Schittenhelm war tief in die Strukturen des NS-Regimes verstrickt. Dies haben neuere Nachforschungen bestätigt.
Foto: Königliche Bibliothek zu Kopenhagen, Porträtsammlung Wissenschaftler

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