CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePressePressemeldungenNr. 179 / 2016

Pressemeldung Nr. 179/2016 vom 27.05.2016 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Titanenwurz will wieder blühen

Zum dritten Mal entwickelt sich in Kiel die größte Blume des Pflanzenreiches


Foto/Copyright: Botanischer Garten

Foto zum Herunterladen:
www.uni-kiel.de/download/pm/2016/2016-179-1.jpg

Die Titanenwurz im Botanischen Garten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) wird in den nächsten Tagen wieder blühen. „Sie wächst mit einer Kraft und Schnelligkeit, die wir so noch nicht erlebt haben“, freut sich Gartenkustos Dr. Martin Nickol. Derzeit seien es bis zu knapp 20 Zentimeter täglich und sie ist noch längst nicht fertig, weiß Nickol. Voraussichtlich ab Anfang kommender Woche sei mit dem Erblühen der stinkenden Schönheit zu rechnen, so Nickol weiter. Dann wird sich das Hochblatt vom Rand her rot färben, der Kolben wird sich noch etwas weiter strecken. Die Blüte wird den Rüschenrock öffnen, der Kolben wird sich auf menschliche Körpertemperatur erhitzen und seinen Duft nach alten Fischbrötchen, verrottendem Fleisch und Tierkadavern aussenden. In der Hoffnung wie im Regenwald Sumatras, aus dem die 1883 entdeckte Pflanze stammt, Bestäuber anzulocken.

Oft steht erst am Mittag des in der Regel nächtlichen Ereignisses fest, dass die Titanenwurz jetzt zum prächtigsten Spektakel im gesamten Pflanzenreich bereit ist. Bei der letzten Blüte im Jahr 2014 kamen Tausende Besucherinnen und Besucher in den Botanischen Garten, um dieses Schauspiel zu sehen. Auch in diesem Jahr wird der Botanische Garten Kiel in den beiden entscheidenden Nächten geöffnet haben, denn das Blühereignis kann bis zu 36 Stunden andauern. „Das muss man gesehen haben“, meint Nickol, „man kann doch diese Kaiserin des Pflanzenreiches nicht einfach so alleine lassen, in ihrer Nacht der Nächte“!

Bereits jetzt können Gäste des Gartens die schnelle Entwicklung der Titanenwurz täglich zwischen 9.30 und 17.30 Uhr im Victoriahaus in der Schaugewächshausanlage (Am Botanischen Garten 1-9) besehen, wo sie über der größten Seerose der Welt thront. Live dabei sein können Interessierte zudem über eine Webcam unter www.uni-kiel.de/nickol/Garten/titancam.html.

Alle Informationen unter:
www.botanischer-garten-kiel.de

Hintergrundinformationen:


2012 erblühte die Amorphophallus titanum nach über 15-jähriger Wartezeit zum ersten Mal im Botanischen Garten Kiel. Eine Blüte pro Jahrzehnt war damals in der Fachwelt noch als regelhaft angesehen worden. Als die Kieler „Diva“ am Ostersonntag 2014 zum zweiten Mal einen gewaltigen Blütenstand schob, war das sensationell. Die Erkenntnisse aus anderen Blühereignissen rund um den Globus zeigen mittlerweile, dass die Blühfolge höchst unterschiedlich sein kann. „Ob das mit den Kulturbedingungen in den jeweiligen Botanischen Gärten zu tun hat, mit dem Zeitpunkt der zurückliegenden Blüte, die ja irgendwann im Jahr einsetzen kann und deshalb verschiedenen Licht- und Temperaturverläufen unterworfen ist, können wir noch immer nicht mit genügend Daten belegen“, so Nickol. Dafür sind die beobachteten und genau dokumentierten Blühereignisse, die sich weltweit zwar häufen, doch noch zu selten und verlaufen zudem stets individuell.

Die Knolle der Kieler Titanenwurz wog zuletzt 65 Kilogramm, ein stattlicher Zuwachs von den zuvor gemessenen 43 Kilo. Dazwischen lag die Entfaltung eines einzigen gewaltigen Blattes, das beinahe die Gewächshausdecke im Victoriahaus des Botanischen Gartens erreichte und vom Austrieb bis zum Einziehen rund 14 Monate lang für den Zuwachs an Speicherstoffen in der Knolle sorgte. Sonja Tobin, die für die Pflege der Titanenwurz zuständige Gärtnerin, war erfreut, wie gut die schwere Knolle diese Entwicklung verkraftet hat. „Es gab kaum Faulstellen, die durch den Druck des eigenen Gewichts immer wieder mal auftreten und zu einem bedrohlichen Einfallsloch für Krankheitserreger werden können.“ Diese Phase ist immer heikel, weil es zum Absterben der Pflanze kommen kann, wenn man bei der Behandlung Fehler macht.

Nach einer kurzen Ruhezeit kam die Titanenwurzknolle in einen eigens für sie beschafften neuen Riesenkübel, wo sie im zeitigen Frühjahr 2016 neue Wurzeln entwickelte und schließlich einige kleine Knospen zeigte. Vor 14 Tagen streckte sie sich etwa eine Handbreit über den Boden. Aus der mittlerweile über 160 Zentimeter hohen Knospe schob sich der Spadix, jener etwas unförmige Kolben, der der Pflanze ihren botanischen Namen „Amorphophallus“ verdankt. Das ist das untrügliche Zeichen für die Blütenentwicklung, mittlerweile bestätigt durch den sichtbaren Rand des „Rüschenrockes“. Dieser wird als sich ins rotfleischige umfärbende Hochblatt den Kolben umgeben und die vielen Hundert Einzelblüten in seinem Inneren beherbergen. Die Botanikerinnen und Botaniker, die auf neue Messergebnisse hoffen, halten alle benötigten Instrumente bereits bereit.

Kontakt:
Dr. Martin Nickol
Gartenkustos
Botanischer Garten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
E-Mail: mnickol@bot.uni-kiel.de



Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: ► presse@uv.uni-kiel.de, Internet: ► www.uni-kiel.de
Twitter: ► www.twitter.com/kieluni, Facebook: ► www.facebook.com/kieluni
Text / Redaktion: ► Claudia Eulitz