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Pressemeldung Nr. 206/2016 vom 13.06.2016 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Deutschland setzt nachhaltiges Entwicklungsziel zum Ozean am besten um

Neue Kieler Studie bewertet den Erfolg europäischer Küstenstaaten bei der Umsetzung von nachhaltigen Maßnahmen zum Schutz und Nutzen des Ozeans


Im September 2015 wurde auf dem UN-Nachhaltigkeitsgipfel die Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Seitdem bildet sie mit ihren 17 Entwicklungszielen und 169 Unterzielen den Rahmen für eines der ehrgeizigsten globalen Vorhaben. Doch wie lässt sich ein Fortschritt bei der Umsetzung überhaupt bewerten? Hunderte Messgrößen bilden dafür die Grundlage. Kieler Forscher haben jetzt mithilfe mathematischer Berechnungen diese Indikatoren zusammengefasst und europäische Küstenstaaten in Bezug auf das Ozeanziel bewertet. Deutschland nimmt demnach einen Spitzenplatz im EU-Vergleich ein. Die Studie ist kürzlich online in der internationalen Fachzeitschrift Earth’s Future erschienen.

Mit dem nachhaltigen Entwicklungsziel (Sustainable Development Goal, SDG) 14 erhalten zum ersten Mal die Ozeane und deren Erhalt und Nutzung sowie explizit die Meeresressourcen eine Stimme im Kanon so elementarer Ziele wie der Bekämpfung von Armut, Hunger oder dem Zugang zu Bildung. Gesunde Meeres- und Küstenökosysteme spielen für die Gesellschaft weltweit eine herausragende Rolle, ob als Klimapuffer, Nahrungsquelle, als Wirtschaftsfaktor für Tourismus oder als Transportweg. Auch Deutschland hat seine Nachhaltigkeitsstrategie diesem globalen Rahmen angepasst und einen ersten Entwurf am 1. Juni vorgestellt. Die Implementierung von geeigneten Maßnahmen innerhalb der einzelnen Staaten zur Erreichung der Ziele bis 2030 bleibt dabei komplex. Für die Umsetzung der 17 Entwicklungsziele und sich daraus ableitenden 169 Unterziele haben die Vereinten Nationen einen Katalog aus derzeit 300 Indikatoren vorgelegt, der die Modalitäten für die Bewertung festlegt. Diese Indikatoren sollen zur besseren Überprüfung der Erfüllung der Ziele herangezogen werden.

Kieler Ökonomen aus dem Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“, dem Institut für Weltwirtschaft (IfW), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben in einer neuen Studie zusammen mit Kollegen aus Heidelberg und Meeresforschern des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel die spezifischen Zielvorgaben zum Ozean-SDG 14 und ihre entsprechenden Indikatoren für europäische Küstenstaaten untersucht. Die große Anzahl von 300 Indikatoren kann es allerdings erschweren, geeignete Politikmaßnahmen zu identifizieren, so die Befürchtung der Kieler Meeresforscher.

Um den Rahmen der Erfolgsbewertung von nachhaltigen Entwicklungszielen zu vereinfachen und eine Gleichrangigkeit aller Zielgrößen zu erhalten, schlagen die Kieler Ökonomen und Meeresforscher in ihrer Studie daher zusammengesetzte Indikatoren für die Bewertung der Erfüllung von Nachhaltigkeitszielen vor und haben den zusammengesetzten Indikator am Beispiel des Ozeanziels 14 für europäischen Küstenstaaten berechnet. Ihr Ergebnis: Deutschland ist europäischer Spitzenreiter bei der Umsetzung der nachhaltigen Agenda zur Nutzung des Ozeans. „Die Kieler Methode trägt dazu bei, dass sich der Fortschritt der einzelnen Staaten in der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele leichter messen lässt und zu einer besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse führt“, sagt Dr. Wilfried Rickels, Ökonom am Institut für Weltwirtschaft (IfW) und Mitglied im Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“.

„Ziel unserer Studie ist, der Politik ein Werkzeug für die Erfolgsbewertung an die Hand zu geben, mit dem alle Indikatoren gleichermaßen in die Bewertung einfließen. Nur so können Synergien identifiziert werden und die Gefahr einer ungleichen Gewichtung fällt weg“, fasst Ökonom Rickels, der mit Volkswirtschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Meeresforschern des GEOMAR die Untersuchung durchgeführt hatte, die Zielsetzung der Studie zusammen. „Unser Ansatz kann daher zu einer effektiveren Bewertung der nachhaltigen Entwicklung beitragen“, so Rickels weiter.

Um das Abschneiden der einzelnen Staaten zu verstehen, bleibt es dennoch notwendig, die individuellen Indikatoren zu betrachten. So zeigt sich, dass Deutschland bei nahezu allen untersuchten Messgrößen wie beispielsweise der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Management von Fischbeständen oder der Vermeidung von Plastik in der Umwelt ein überdurchschnittliches Abschneiden erreicht. Eine Ausnahme bildet der Tourismus-Sektor, bei dem noch deutliches Verbesserungspotenzial hin zu einer nachhaltigen Strategie erkennbar ist. Die zusammengesetzten Indikatoren bilden aber einen wichtigen Beitrag für die Gesamtbewertung der marinen Entwicklung.

„Die Entwicklungsziele umzusetzen, bleibt eine Herausforderung, der sich alle Wissenschaftsdisziplinen, Politik und Gesellschaft gemeinsam stellen müssen“, betont Professor Martin Visbeck, Ozeanograph am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Sprecher des interdisziplinären Forschungsverbundes „Ozean der Zukunft“. „Auch unsere Studie zeigt deutlich, dass nur im Zusammenspiel der Natur- und Gesellschaftswissenschaften eine fundierte Bewertung der Umsetzung von nachhaltigen Entwicklungszielen und eine Transformation der Ergebnisse in die Gesellschaft gelingen kann.“

Bis zum Jahr 2030 haben sich die Staaten zur Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele verpflichtet. Die globale Entwicklung soll dabei sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig gestaltet werden. Für die Bewertung von oftmals regional geprägten politischen Maßnahmen entwickeln die Kieler Forscher in interdisziplinären Arbeitsgruppen im Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ derzeit wissenschaftlich nachvollziehbare Methoden.

Meere und Ozeane stehen in diesem und nächsten Jahr in Deutschland im besonderen Fokus. Das diesjährige Wissenschaftsjahr, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerufen wurde, beschäftigt sich in zahlreichen Veranstaltungen, Diskussionen und Aktivitäten mit den Meeren und Ozeanen unter dem Motto „Entdecken, Nutzen, Schützen“. Die Kieler Meereswissenschaftler beteiligen sich an einer Vielzahl an Aktionen. Darüber hinaus machen sie spannende Themen aus der Meeresforschung in einer neuen Online-Vorlesung, dem Ocean-MOOC, einem breiten Publikum zugänglich.

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Mit der 2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung hat sich die internationale Staatengemeinschaft verpflichtet, die Ozeane, Meere und marinen Ressourcen umweltverträglich zu nutzen.
Foto: Barbara Neumann, Future Ocean

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Links:
www.ifw-kiel.de/forschung/umwelt-und-naturliche-ressourcen (Arbeitsgruppe Umwelt und natürliche Ressourcen am Institut für Weltwirtschaft)
www.eree.uni-kiel.de/de (Arbeitsgruppe Umwelt-, Ressourcen- und Ökologische Ökonomik)
www.futureocean.org (Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“)
www.oceanmooc.org (über die Online-Vorlesung „One Planet – One Ocean“


Originalpublikation:
Rickels, W., Dovern, J., Hoffmann, J., Quaas, M. F., Schmidt, J. O. and Visbeck, M. (2016), Indicators for monitoring sustainable development goals: An application to oceanic development in the European Union. Earth's Future. doi:10.1002/2016EF000353

Kontakt:
Dr. Wilfried Rickels, Umwelt und natürliche Ressourcen, Institut für Weltwirtschaft (IfW),
E-Mail: wilfried.rickels@ifw-kiel.de
Prof. Dr. Martin Visbeck, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel,
E-Mail: mvisbeck@geomar.de
Friederike Balzereit, Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“, Öffentlichkeitsarbeit,
E-Mail: fbalzereit@uv.uni-kiel.de, Telefon: 0431 880-3032



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Text / Redaktion: Friederike Balzereit