Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Pressemeldung Nr. 288/2016 vom 09.09.2016

Von Quantenphysik bis Raketenbau

Schülerinnen aus ganz Schleswig-Holstein experimentieren an der Uni Kiel


Junge Frauen für Physik und Naturwissenschaften zu begeistern, das ist das Ziel der Physik-Projekt-Tage, die noch bis morgen, 10. September, an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) stattfinden. Das kostenlose Angebot richtet sich an Oberstufenschülerinnen der Schleswig-Holsteinischen Gymnasien und Gesamtschulen. Rund 60 junge Frauen nehmen seit Mittwoch an dem Workshop teil, der mittlerweile zum dritten Mal von den physikalischen Instituten der CAU organisiert wird. Als Beispiel für gelungene Gleichstellungsarbeit wurden die Physik-Projekt-Tage (PPT) in den Instrumentenkasten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgenommen.

„Physik kann man überall im Alltag wiederfinden, damit verstehe ich die Welt um mich herum besser“, erklärt Lea aus Reinbek, warum sie das Fach so spannend findet. „Wenn ich zwei Steine in einen Teich werfe, waren das früher nur Wellen – jetzt sehe ich dort Interferenzen!“ Bei den PPT widmet sich die 17-Jährige der Quantenphysik und untersucht anhand von Computer-Experimenten, wie sich kleinste Teilchen bewegen.

Ein paar Räume weiter bauen Penelope und Ciara aus Plastikflaschen, einem Tennisball und Teilen eines Gartenschlauchs eine Rakete. Mit einem Druck von sieben bis acht Bar soll sie mindestens 50 Meter in die Höhe geschossen werden. Nach einer theoretischen Einführung zu den Prozessen beim Raketenantrieb sind die beiden Schülerinnen aus Flensburg an der Reihe: „Anders als im Physikunterricht haben wir hier viel Zeit, um selbst auszuprobieren und auch zu konstruieren“, vergleicht die 17-jährige Ciara. Die gleichaltrige Penelope kann sich gut vorstellen, nach ihrem Abitur im nächsten Jahr ein naturwissenschaftliches Fach zu studieren: „Physik ist eine der Optionen. Und da ich die Uni in Kiel noch nicht kannte, wollte ich gerne bei den Physik-Projekt-Tagen mitmachen.“

Dietmar Block, Professor am Institut für Experimentelle und Angewandte Physik, betreut das Projekt zum Raketenbau. „Wie schon in den vergangenen Jahren freuen wir uns sehr über eine großartige Resonanz aus allen Landesteilen. Denn Chancengleichheit und Vielfalt sind sehr wichtig für eine kreative Gesellschaft und den wissenschaftlichen Fortschritt“, so der Mitorganisator der PPT. Bei den PPT arbeiten die Schülerinnen vier Tage lang in Kleingruppen an unterschiedlichen physikalischen Themen, programmieren Mikrocontroller, setzen sich mit Robotik auseinander oder führen selbst Experimente aus der Spektroskopie oder Plasmaphysik durch. Dabei lernen sie nicht nur etwas über physikalische Phänomene. Durch ihre eigenen Projekte bekommen sie auch direkt Einblick ins Studium und das wissenschaftliche Arbeiten. Wie echte Wissenschaftlerinnen präsentieren sie ihre Ergebnisse am Samstag in einem Abschluss-Kolloquium ihren Familien, Freunden und Lehrerinnen und Lehrern.

„Die jungen Frauen lernen hier, dass die Physik, wie andere Naturwissenschaften auch, nicht für Männer reserviert ist. Die Entwicklung einer Solarzelle oder die Erforschung des Flugs einer Rakete hat nichts mit dem Geschlecht zu tun – Frauen können dies mindestens genauso gut wie ihre männlichen Kollegen“, erläutert Dr. Franko Greiner, Gleichstellungsbeauftragter der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der CAU.

Jochen Wilms, der das Konzept der PPT maßgeblich mitentwickelt hat, ergänzt: „In der gesellschaftlichen Wahrnehmung ist die Physik noch immer eine Männerdomäne und das hat Auswirkungen auf die individuelle Wahrnehmung des Schulfachs Physik bei den Lernenden.“ Dies zeige sich zum Beispiel in der Selbsteinschätzung: Mädchen schätzen ihr Fachwissen in Physik trotz gleicher Schulnoten und Leistungen tendenziell schlechter ein als Jungen, so der Physiker und Mitarbeiter am Institut für Experimentelle und Angewandte Physik. „Deshalb möchten wir mit den PPT das Interesse speziell von Schülerinnen an physikalischen Fragestellungen fördern und das Vertrauen in ihre naturwissenschaftlichen Fähigkeiten stärken.“ Zum Organisationsteam gehören auch Anna Benecke, Anna Summers und Hanna Giese, selbst Studentinnen der Physik. Außerdem unterstützen viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Physikinstituten den Workshop durch ihr Engagement.

Finanziert werden die Projekttage durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Im Rahmen des Sonderforschungsbereiches TR24 „Grundlagen komplexer Plasmen“, einer Kooperation der Universitäten Greifswald und Kiel, stellt sie die Mittel für die Förderung der Gleichstellung zur Verfügung.

Weitere Informationen:
www.ppt2016.de
http://instrumentenkasten.dfg.de/modellbeispiel/562

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Julia (links) und Lea führen bei den Physik-Projekt-Tagen Computerexperimente zur Quantenphysik durch: Wie bewegen sich kleinste Teilchen?
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Raumfahrt ganz praktisch: Penelope (links) und Ciara aus Flensburg bauen sich aus einer Wasserflasche eine eigene Rakete und lernen dabei viel über Raketenantrieb.
Foto/Copyright: Julia Siekmann/CAU

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Frederike aus Kiel, 16, untersucht staubige Plasmen. "Ich wollte in das Projekt aus der Plasmaphysik, weil wir so etwas in der Schule nicht machen."
Foto/Copyright: Julia Siekmann/CAU

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Kontakt:
Jochen Wilms
Institut für Experimentelle und Angewandte Physik
Tel.: +49 - 431 - 880 3826
E-Mail: wilms@physik.uni-kiel.de



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Text / Redaktion: ► Julia Siekmann