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Pressemeldung Nr. 294/2016 vom 15.09.2016 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Internationaler Workshop zu memristiven Bauteilen an der Uni Kiel


Vom 5. bis 8. September 2016 fand an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) der erste internationale Workshop „Memristive Devices for neuronal Systems“ statt. Organisiert wurde er vom gleichnamigen überregionalen Verbundforschungsprojekt FOR 2093, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kiel, Europa und den USA diskutierten vier Tage lang, wie sich Lern- und Gedächtnisprozesse des menschlichen Gehirns technisch nachbilden lassen, um auf diese Weise mehr über sie zu erfahren.

Für die Gedächtnisbildung ist im Gehirn vor allem der Hippocampus zuständig. Um seinen trisynaptischen Schaltkreis elektronisch nachzubilden, entwickelt die FOR 2093 neuartige, memristive Bauteile. Sie sollen sich elektrischen Widerstand „merken“ können: Je nachdem, wie viele Ladungen in welche Richtungen durch sie geflossen sind, passen die Bauteile ihren Widerstand entsprechend an. Um neurobiologische Lernkonzepte in technische Systeme zu übertragen, stehen die Eigenschaften dieser Bauteile im Fokus der Forschenden. Flankierend zur Entwicklung der Bauelemente und Schaltungen, simulieren die Kieler Forscher die Informationspfade des Hippocampus. „Das Ziel dabei ist, die Informationsverarbeitung des Hippocampus zu verstehen und so wichtige Anhaltspunkte für die Entwicklung elektronischer Schaltungen zu erhalten“, so Dr. Martin Ziegler von der Arbeitsgruppe Nanoelektronik.

Ziel der Tagung war es, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen von Biologie, Neurologie bis hin zur Materialwissenschaft und Elektrotechnik zusammenzubringen und verschiedene Perspektiven zu diskutieren. Auch bot sie ein ideales Forum für den wissenschaftlichen Nachwuchs. „Wir konnten international sehr hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu unserem Workshop nach Kiel holen“, freut sich Hermann Kohlstedt, Professor für Nanoelektronik an der CAU und Mitorganisator der Tagung. „Für uns ist der fachliche Austausch wichtig, um zu sehen, wo wir mit unserer Arbeit international stehen und wie wir sie weiterentwickeln können.“

Am ersten Tagungstag stand die Arbeit der Mitglieder der FOR 2093 im Fokus. Im Anschluss an mehrere Vorträge führten sie die Gäste durch Labore der Technischen Fakultät und des Instituts für Physiologie. Unter anderem präsentierten sie den Kieler Reinraum und Experimente aus der Elektronenmikroskopie und Impedanzspektroskopie. „Mit dieser Tagung zeigen wir auch, wieviel in Kiel zu dem Thema memristive Bauteile geforscht wird“, sagt Dr. Jürgen Carstensen aus dem Institut für Materialwissenschaften.

Mit einer Postersession endete der erste Tagungstag. Hier zeigten auch Doktorandinnen und Doktoranden den aktuellen Stand ihrer Forschungen. „Es ist toll, so hochangesehenen Personen seine Arbeit präsentieren zu können und von ihnen Feedback zu bekommen“, beschreibt Marina Ignatov, Doktorandin der Elektrotechnik, welche Bedeutung die Tagung für die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler hat. „Der fachliche Austausch über den Tellerrand hinweg erweitert den Blick, sowohl auf der Tagung als auch in unserer interdisziplinären Forschergruppe“, erklärt Alexander Vahl, der in den Materialwissenschaften promoviert. „Ich konnte Probleme lösen, an die ich selbst noch gar nicht gedacht hatte.“ So kam ein Kollege aus Bochum für zwei Monate nach Kiel, um gemeinsam mit ihm an seinem Projekt zu arbeiten.

In der FOR 2093 arbeiten neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der CAU auch Forschende der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen Universität Hamburg-Harburg und des Helmholtz-Institutes Ulm. Der Workshop wurde über die FOR 2093 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell unterstützt.

Weitere Informationen:
www.tf.uni-kiel.de/etit/NANO/de
www.for2093.uni-kiel.de/de

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Rund 40 deutschsprachige und internationale Forschende aus der Biologie, Neurologie bis hin zur Materialwissenschaft und Elektrotechnik diskutierten über die technische Nachbildung von Gedächtnisprozessen.
Foto/Copyright: Julia Siekmann/CAU

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Auf einer Postersession konnten auch Nachwuchswissenschaftlerinnen und
-wissenschaftler mit international renommierten Expertinnen und Experten über ihre Forschungsprojekte diskutieren.
Foto/Copyright: Julia Siekmann/CAU

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Kontakt:
Prof. Dr. Hermann Kohlstedt
Arbeitsgruppe Nanoelektronik
Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Tel. +49 (0) 431/880-6075
E-Mail: hko@tf.uni-kiel.de

Prof. Dr. Thomas Mussenbrock
Theoretische Elektrotechnik
Ruhr-Universität Bochum
Tel. +49 (0) 234/32-26338
E-Mail: thomas.mussenbrock@rub.de



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Text / Redaktion: ► Julia Siekmann