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Pressemeldung Nr. 318/2016 vom 07.10.2016 | english version | RSS | zur Druckfassung | Suche

Bessere Karrierechancen für Frauen in der Meeresforschung

Die Europäische Union fördert das Projekt „Baltic Gender“ mit 2,2 Millionen Euro


In vielen Bereichen der Meeresforschung arbeiten Männer und Frauen heute gleichberechtigt miteinander. In Führungspositionen sind Frauen allerdings noch immer unterrepräsentiert. Mit dem Projekt „Baltic Gender“ wollen acht wissenschaftliche Einrichtungen aus fünf Ostsee-Anrainerstaaten dies verändern und die Karrierechancen von Frauen in der Meeresforschung verbessern. Die Europäische Union fördert das Projekt mit 2,2 Millionen Euro, die Koordination liegt beim GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Mit der Teilnahme von 30 Vertreterinnen und Vertretern der Partnerinstitutionen findet das erste Treffen am 6. und 7. Oktober in Kiel statt.

Genauso wie die Seefahrt galt die Meeresforschung lange Zeit als ein stark von Männern dominierter Arbeitsbereich. Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Viele Expeditionsteams auf Forschungsschiffen bestehen gleichermaßen aus Frauen und Männern. Genauso sieht es in den Laboren der entsprechenden Institute an Land aus. „Diese erfreuliche Entwicklung spiegelt sich allerdings noch nicht in den Führungsebenen der Meeresforschung wider. Nach der Promotion und Postdoc-Phase sinkt der Frauenanteil spürbar. Diese Ungleichheit ist bei den Professuren und Führungspositionen in den technischen Abteilungen noch ausgeprägter“, sagt Prof. Dr. Katja Matthes, Meteorologin am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Vorsitzende des Women’s Executive Board am GEOMAR. Sie koordiniert das neue Projekt „Baltic Gender“, welches die Gleichstellung in den Meereswissenschaften verbessern möchte.

Insgesamt haben sich acht wissenschaftliche Einrichtungen aus fünf Ostsee-Anrainerstaaten in dem Projekt zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie in den kommenden vier Jahren Wege aufzeigen, um die Karrierechancen von Frauen in den Meereswissenschaften zu verbessern. Die Europäische Union fördert das Projekt als Teil des Rahmenprogramms Horizon2020 mit 2,2 Millionen Euro. Neben dem GEOMAR sind in Deutschland die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die Fachhochschule Kiel (FH) sowie das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) beteiligt. Weitere Partner kommen aus Estland, Finnland, Litauen und Schweden.

„Gerade der Ostseeraum ist für dieses Projekt eine spannende Region. Es gibt hier in enger Nachbarschaft sehr unterschiedliche Kulturen und Entwicklungen, wie mit dem Thema Gleichstellung umgegangen wird“, betont Sarah Braun, Gleichstellungsbeauftragte der FH Kiel. Die skandinavischen Länder gelten seit Jahrzehnten als weltweit führend bei der Gleichstellung von Männern und Frauen in der Forschung. Deutschland hat in den vergangenen Jahren nachgezogen, während die baltischen Staaten bisher nur wenige institutionelle Aktivitäten vorweisen können. „So können wir Erfahrungen aus der Praxis vergleichen und daraus lernen“, ergänzt Sarah Braun.

Die Projektpartnerinnen und Projektpartner erheben und vergleichen zunächst standardisierte geschlechtsbezogene Daten von allen beteiligten Institutionen. Basierend auf der Analyse von Langzeiterhebungen können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Trends in Richtung Gleichstellung oder Ungleichheiten erkennen und spezifische Ziele definieren, um die Situation zu verbessern. „Letztendlich geht es darum, die Einführung und vor allem die verbindliche Umsetzung von Gleichstellungsplänen in den einzelnen Partnerinstitutionen zu unterstützen“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte der CAU, Dr. Iris Werner, und ergänzt: „Diese Pläne sind wichtig, um Institutionen auf nachhaltige Ansätze, realistische Ziele und konkrete Maßnahmen zu Gleichstellung zu verpflichten. Nur so kommen wir zu den notwendigen strukturellen Veränderungen“.

„Baltic Gender“ wird vielfältige Gleichstellungsmaßnahmen in den Partnerinstitutionen fördern. Dazu gehören der Aufbau von Netzwerken, speziell auf Gleichstellung ausgerichtete Fortbildungs- und Mentoring-Programme, ein familienfreundliches Leitbild und geschlechtergerechte Lehre. Das Projekt wird außerdem untersuchen, wie sich Gleichstellungsaspekte in jeden Schritt des Forschungsprozesses integrieren lassen. „Erst wenn wir alle an der Forschung Beteiligten für Gleichstellungsthemen sensibilisieren und diese auch fest in der universitären Ausbildung verankern, werden wir eine Nachhaltigkeit in der Geschlechtergerechtigkeit erreichen. Deshalb ist uns die Ansprache auf allen Ebenen, von Studierenden über Doktorandinnen und Doktoranden bis hin zu etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, so wichtig“, sagt Prof. Dr. Joanna Waniek, physikalische Ozeanographin und Gleichstellungsbeauftragte am IOW.

Die Empfehlungen und Ergebnisse des Projekts werden unter anderem in Broschüren, Blogs und Handbücher einfließen, die sich auch an eine breitere Öffentlichkeit wenden. „Am Ende sollen auch andere Forschungsdisziplinen in der gesamten EU von unserer Arbeit profitieren“, so die Projektkoordinatorin Professorin Matthes.

Links:
www.geomar.de GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
www.io-warnemuende.de Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde
www.fh-kiel.de Fachhochschule Kiel

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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kickoff-Meetings in Kiel. Foto: Evelyn Renz-Kiefel

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Ähnlich wie die Seefahrt galt die Meeresforschung lange als ein von Männern dominierter Arbeitsbereich. Foto: Eduard Fabrizius, GEOMAR

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Das Projekt "Baltic Gender" will Wege aufzeigen, die zu gleichen Karrierechancen für Männer und Frauen in der Meeresforschung führen. Foto: Maike Nicolai, GEOMAR

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