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Pressemeldung Nr. 405/2016 vom 30.11.2016 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Krokodilen und Elefanten ins Maul fassen

Bundesweit erste Ausstellung für seheingeschränkte und sehende Menschen im Zoologischen Museum der Uni Kiel


Foto/Copyright: Raissa Nickel, Uni Kiel


Was im Museum sonst tabu ist, gehört hier zum Konzept: In der bundesweit bislang einmaligen Inklusionsausstellung „Auf den Zahn gefühlt“ ist Anfassen ausdrücklich erwünscht. Der neue Teil der Dauerausstellung im Zoologischen Museum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist für sehende und nicht-sehende Besucherinnen und Besucher gleichermaßen spannend. Am Montag, 28. November, wurde sie als Pilotprojekt eröffnet und soll jetzt laufend weiterentwickelt werden.

„Wir betreten hiermit Neuland“, begrüßte Museumsleiter Dr. Dirk Brandis die Gäste zur Ausstellungseröffnung. Zum ersten Mal dürfen alle Besucherinnen und Besucher die Objekte nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Händen erfassen und untersuchen. Auf dem Boden weist ein Leitsystem aus Noppen den Weg, Tafeln mit Blindenschrift und Audioaufnahmen erläutern die Zähne, Schädel und Knochen. „Denn Inklusion im Museum heißt, Originalobjekte allen zugänglich zu machen“, betont Brandis. Das Thema passe dazu bestens: „Mit Zähnen verbindet jeder etwas. Ihre Vielfalt eignet sich außerdem sehr gut, um Inhalte zur Evolution zu darzustellen“, so der Zoologe.

„Diese Ausstellung ist neuartig, einfallsreich, phantasievoll und zukunftsweisend zugleich – in der Art der Herangehensweise an die ausgestellten Objekte, der Anschauung und der Vermittlung für Sehende und Nichtsehende“, sagte Anke Spoorendonk, Ministerin für Justiz, Kultur und Europa in ihrem Grußwort zur Eröffnung. Auch Professorin Anja Pistor-Hatam, Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten, Internationales und Diversität, lobte das Konzept: „Das Zoologische Museum schlägt damit einen neuen Weg der Vermittlung ein. Es zeigt, dass wir Chancengleichheit und Barrierefreiheit ernst nehmen und unterstützt unseren Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.“

Besonders bedankte Brandis sich vor den rund 80 Gästen bei Niels Luithardt. Der Physik- und Mathematikstudent hat selbst eine Seheinschränkung und beriet das Zoologische Museum bei der Entwicklung der Ausstellung. „Er hat uns geholfen, unseren Blickwinkel zu ändern. Denn vieles, was für uns Sehende selbstverständlich ist, ist es für Blinde nicht.“ So betonte auch Luithardt: „Es ist etwas anderes, über Krokodile zu hören oder selbst eines zu berühren und so eigene Bilder im Kopf entstehen zu lassen.“ Unterstützt wurde die Ausstellung von der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät unter Dekanin Professorin Natascha Oppelt und dem ehemaligen Dekan Professor Wolfgang J. Duschl, der als Astrophysiker selbst Inklusionsprojekte entwickelte.

Auf einem Rundgang konnten sich alle Eröffnungsgäste, darunter viele Nichtsehende, einen Eindruck von den Objekte verschaffen – von den nur wenige Millimeter großen Zähnen eines Heringshais bis zu den Stoßzähnen eines Elefanten. „Einen Elefantenschädel tatsächlich berühren zu können, bewirkt wirklich etwas. Ich hätte nicht gedacht, wie groß diese Zähne sind!“, zeigte sich Marion Malzahn, Leiterin der Bezirksgruppe Schleswig-Holstein des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf, beeindruckt. „Das hier ist gelebte Inklusion. Von dieser Ausstellung haben alle etwas, Blinde und Sehende.“ Den Mehrwert des Berührens empfindet auch eine sehende Besucherin: „Es ist zuerst eine Überwindung, Objekte in einem Museum zu berühren. Aber was man in der Hand hat, versteht man leichter und behält es besser in Erinnerung.“

Gefördert wurde die Ausstellung vom Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät unter Dekanin Professorin Natascha Oppelt und dem ehemaligen Dekan Professor Wolfgang J. Duschl, der als Astrophysiker selbst Inklusionsprojekte entwickelt.

Das Wichtigste in Kürze:
Was: Inklusionsausstellung „Auf den Zahn gefühlt“
Wann: Dienstags bis freitags von 9:00 – 17:00 Uhr, samstags von 10:00 – 17:00 Uhr und sonn- und feiertags von 12:00 – 16:00 Uhr (Öffnungszeiten des Zoologischen Museums)
Wo: Zoologisches Museum der CAU, Hegewischstraße 3, 24105 Kiel

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Ein Leitsystem auf dem Boden führt Nichtsehende Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung „Auf den Zahn gefühlt“.
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Sprachen bei der Ausstellungseröffnung ein Grußwort (von links): Museumsleiter PD Dr. Dirk Brandis, Dekanin Professorin Natascha Oppelt, Ministerin Anke Spoorendonk, Professor Wolfgang J. Duschl, Student Niels Luithardt, CAU-Vizepräsidentin Professorin Anja Pistor-Hatam.
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Zusätzliche Blindenschrift macht die Inhalte auf den Informationstafeln auch für Nichtsehende erfahrbar.
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Die Vielfalt der Zähne verdeutlicht Entwicklungen in der Evolution. Besucherinnen und Besucher können die Unterschiede nicht nur Ertasten, sondern auch Informationen über Audiogeräte hören.
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Berühren erlaubt! Der 9-jährigen Minna hat es vor allem der Schädel des Hirschebers angetan. „Ich glaube, der hat hier einen Wackelzahn…“
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„Das hier ist gelebte Inklusion", zeigt sich Marion Malzahn von der Ausstellung beeindruckt. Sie leitet die Bezirksgruppe Schleswig-Holstein des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf.
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Kontakt:
PD Dr. Dirk Brandis
Leiter des Zoologischen Museums der CAU
Tel.: 0431 / 880 5176
E-Mail: brandis@zoolmuseum.uni-kiel.de



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Text / Redaktion: ► Julia Siekmann