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Pressemeldung Nr. 10/2017 vom 18.01.2017 | english version | RSS | zur Druckfassung | Suche

Kieler Forscher koordiniert millionenschweres Verbundprojekt in der Entzündungsforschung

Neues EU-Förderprogramm unterstützt Ansätze zur personalisierten Medizin


Mit knapp 15 Millionen Euro unterstützt die Europäische Kommission das neue Förderprojekt von Professor Philip Rosenstiel vom Institut für Klinische Molekularbiologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Für eine Laufzeit von fünf Jahren verteilen sich die Fördermittel auf 15 Projektpartner, knapp drei Millionen Euro gehen nach Kiel. Das internationale Projektkonsortium von SYSCID („A Systems medicine approach to chronic inflammatory disease“ - Systemmedizin für chronisch entzündliche Erkrankungen) beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit drei Erkrankungen: chronisch entzündliche Darmerkrankungen, systemischer Lupus erythematodes und rheumatoide Arthritis.

Chronische Entzündungskrankheiten betreffen zehn Prozent der Bevölkerung in Europa. Sie führen häufig zu einem erheblichen Leidensdruck und Verlust der Lebensqualität und sind ein wichtiges, ungelöstes Problem in der Medizin. Die Krankheiten sind derzeit nicht heilbar und nur bei etwa der Hälfte der Betroffenen kann die Krankheit mit einem Medikament langfristig unterdrückt werden. Welcher Mensch auf welche Behandlung anspricht, kann mit den bisherigen Untersuchungsmethoden nicht vorhergesagt werden. „Wir wollen in SYSCID molekulare Signaturen in Gewebe, Blut und Zellen finden, die schwere Krankheitsverläufe vorhersagen, so dass man die Therapie entsprechend frühzeitig auswählen und anpassen kann“, sagt Projektkoordinator Philip Rosenstiel, Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters Entzündungsforschung.

Das Projekt SYSCID startete Anfang diesen Jahres und baut auf den Arbeiten innerhalb des Deutschen Epigenom Programms (DEEP) auf. Hier wurden die grundlegenden Prozesse untersucht, die Gene in Zellen „an- und ausschalten“ und so die Spezialisierung der Zellen, bestimmte Funktionen oder auch die Entstehung von Krankheiten steuern. Diese Steuerung erfolgt mittels chemischer Veränderungen der DNA, sogenannter epigenetischer Markierungen.

Auch die Kieler Wissenschaftler Professor Andre Franke und Professor Stefan Schreiber, beide ebenfalls vom IKMB, sind Partner im Projekt SYSCID. Das Konsortium mit 15 Partnern aus neun Ländern untersucht neben den epigenetischen Veränderungen systematisch weitere molekulare Ebenen im betroffenen Gewebe oder Blut, auch die Zusammensetzung der Darmflora wird in den großen Patientenkohorten durch SYSCID untersucht. Ziel ist es, die zugrundeliegende individuelle „Fehl-Programmierung“ der Gene zu verstehen und daraus Nutzen für eine präzise Diagnose und Therapie der Erkrankungen zu ziehen.

„In Zukunft werden wir durch diese Innovation das richtige Medikament zur richtigen Zeit auswählen können. Damit sind wir dem Wunsch einer maßgeschneiderten, individualisierten Therapie entscheidend näher gekommen, “ sagt Professor Stefan Schreiber, Projektpartner aus der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, und Medizinische Fakultät an der CAU.

In der Studie kommen auch neue Methoden zum Einsatz, durch die molekulare Profile von über 10.000 einzelnen Zellen parallel analysiert werden können. Diese neuen Verfahren könnten aussagekräftiger sein als bisher betrachtete Entzündungsmarker im Blut. Denn diese sind auch bei kleineren Entzündungen, Erkältungen oder Fieber erhöht und können somit nicht zweifelsfrei zugeordnet werden.

In einem experimentellen Teil soll außerdem versucht werden, krankmachende epigenetische Veränderungen zu korrigieren. „Wir gehen heute davon aus, dass Krankheitsmanifestation und Krankheitsverlauf mit langfristigen epigenetischen Veränderungen zusammenhängen. Da liegt es nahe, den individuellen Krankheitsverlauf zu verändern, indem wir bei der Ursache ansetzen“, so Rosenstiel.

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Philip Rosenstiel, Exzellenzcluster Entzündungsforschung, Professor für Molekulare Medizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie, Medizinische Fakultät der CAU und Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel.
Foto: Dr. Tebke Böschen/Uni Kiel

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Kontakt:
Prof. Dr. Philip Rosenstiel
Institut für Klinische Molekularbiologie
Tel.: 0431/500 15111
p.rosenstiel@mucosa.de

Information für Medien:
Ein Interview mit Professor Philip Rosenstiel kann vermittelt werden. Kontakt: Dr. Tebke Böschen, tboeschen@uv.uni-kiel.de, Tel.: 0431/880-4682


Hintergrundinformationen:
„Horizon 2020“ ist das neue Rahmenprogramm der Europäischen Union zur Förderung von Forschung und Innovation. Mit seinem multidisziplinären, missionsorientierten Ansatz nimmt es den gesamten Innovationszyklus in den Blick und fördert so die Zusammenarbeit und den Austausch von Ideen. Das Ziel: Erkenntnisse in der Wissenschaft zu ermöglichen und die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft weiter zu verbessern. Mit einem Fördervolumen von rund 70 Milliarden Euro ist „Horizont 2020“ das weltweit größte, in sich geschlossene Forschungs- und Innovationsprogramm. „Horizont 2020“ deckt dabei sowohl die Grundlagenforschung als auch anwendungsnahe Forschungsfelder ab. Die Themenbreite reicht von der Gesundheitsforschung, alternden Gesellschaften, der Mobilität, der effizienten Energie und Ressourcennutzungen bis zu Schlüsseltechnologien und Sicherheitsfragen.

Projekttitel: SYSCID (A Systems medicine approach to chronic inflammatory disease - Systemmedizin für chronisch entzündliche Erkrankungen)
Förderbeginn: 1. Januar 2017
Förderdauer: 63 Monate
Budget: 14,4 Millionen Euro
Koordination: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Übersicht der SYSCID Projektpartner

Belgien
University of Leuven

Kroatien
Genos

Dänemark
University of Southern Denmark

Deutschland
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Comma Soft AG
European Research and Project Office GmbH
Universität des Saarlandes
Universität Bonn

Griechenland
Biomedical Research Foundation of the Academy of Athens

Italien
Humanitas University

Luxemburg
Universität Luxemburg

Schweiz
Universität Genf

Großbritannien
King´s College London
University of Cambridge



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Text / Redaktion: Dr. Tebke Böschen