Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Pressemeldung Nr. 157/2017 vom 18.05.2017

21. Theologischer Hochschultag erinnert an die interreligiöse Dimension der Reformation

Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu berichtete von einem Gespräch Martin Luthers mit einem Türken


Am Mittwoch, 17. Mai, feierte die Theologische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zusammen mit rund 150 Gästen ihren 21. „Dies Theologicus“. Unter ihnen war auch der Kieler Schriftsteller Feridun Zaimoglu. Im Zentrum des Theologischen Hochschultages stand das Jubiläumsjahr der Reformation.

„Die Reformation ist ein Ereignis, das keineswegs nur seine theologischen Spuren hinterlassen hat, sondern in ganz unterschiedlicher Weise auch auf die Gesellschaft einwirkte“, sagte der Dekan der Theologischen Fakultät Professor Andreas Müller. 1517, vor 500 Jahren, veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen, was schließlich die Reformation auslöste. Beim diesjährigen Hochschultag wurde nicht nur dieser Verdienst Luthers gewürdigt, sondern auch an die Schattenseiten der Reformation erinnert. Dabei wurde unter anderem die Beziehung Martin Luthers zum Islam diskutiert. „Die Äußerungen der Reformatoren, auch die Äußerungen Luthers zu den Türken oder den Muslimen sind keineswegs in erster Linie positiv gewesen. Allerdings lehnte der junge Luther wohl den Krieg gegen die Türken deutlich ab“, so Müller.

Über die Beziehung eines Türken zu Luther berichtete der im anatolischen Bolu gebürtige Kieler Schriftsteller Feridun Zaimoglu in einem Festvortrag. „Es sei verkehrt ein anderes Christentum zu haben als Christus“, lautete eine Zeile aus Zaimoglus Lesung. In der Erzählung begegnet Luther bei Leipzig einem türkischen Händler, mit dem er Gespräche über Gott und die Welt führt. Zaimoglu schlüpfte sowohl in die Rolle des osmanischen Türken als auch Luthers. „Ich bin seit 38 Jahren mit dem Christentum vertraut und ich habe alle heiligen Schriften und die Texte von Luther intensiv gelesen, um letztlich die Distanz zwischen Autor und Figur zu schmelzen, dennoch ist es reine Fiktion, doch trotzdem so nah“, ergänzte der Kieler Schriftsteller.

Darüber hinaus hielt der 21. „Dies Theologicus“ eine besondere Ehrung für den ehemaligen Präsidenten des Landeskirchenamtes Professor Klaus Blaschke bereit, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte und sich noch immer am Geschehen in der Fakultät durch Lehraufträge im Kirchenrecht und als Vorsitzender des Fördervereins der Theologischen Fakultät „S.T.O.A.“ beteiligt. Weiteren Anlass zum Feiern hatte die Fakultät aufgrund ihrer Studierendenzahlen. Erstmals wurde die Marke von 500 Studierenden Studentinnen und Studenten überschritten. Für ihre weitere Entwicklung setzt die Fakultät stark um ihre Internationalisierung unter anderem durch die Gestaltung von Konferenzen im Ausland und durch den Abschluss neuer Erasmus-Verträge. So konnten bereits ökumenische Begegnungen zwischen polnischen Katholiken und norddeutschen Lutheranerinnen und Lutheranern gefördert werden.

Promoviert wurde Dr. Anna Marie Düring, die eine Doktorarbeit in der Alttestamentlichen Wissenschaft geschrieben hat. Für die musikalische Unterhaltung war die Theologiestudentin Rebekka Ulrich mit Band verantwortlich.

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Der Dekan der Theologischen Fakultät Andreas Müller beglückwünschte Anna Marie Düring zur Promotionsurkunde. Foto/Copyright: Maik Brockstedt, Uni Kiel

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„Evangelio“ ist das neuste Werk Feridun Zaimoglus, für das er sich in die Rolle von Martin Luther begab. Foto/Copyright: Maik Brockstedt, Uni Kiel

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Text / Redaktion: Maik Brockstedt