Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Pressemeldung Nr. 185/2017 vom 08.06.2017

Wundheilung mit Bioglas-Strukturen

Materialwissenschaftler Aldo R. Boccaccini erhält Diels-Planck-Lecture 2017


Bereits zum vierten Mal verlieh gestern (Mittwoch, 7. Juni) der Forschungsschwerpunkt Kiel Nano Surface and Interface Science (KiNSIS) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) seinen Wissenschaftspreis, die Diels-Planck-Lecture. Der Schwerpunkt zeichnet damit international herausragende Wissenschaftler oder Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Oberflächenforschung aus. Preisträger 2017 ist Aldo R. Boccaccini, Professor für Biomaterialien an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und am Imperial College London. Er erhält den Preis für seine wegweisende Arbeit zu neuen Materialien für biomedizinische Anwendungen. In einem öffentlichen Fachvortrag im Rahmen der aktuell an der CAU stattfindenden Tagung „Euro Intelligent Materials“ stellte Boccaccini seine aktuelle Forschung vor und nahm den Preis entgegen.

„Aldo R. Boccaccini hat mit seiner Arbeit einen großen Beitrag zur materialwissenschaftlichen Forschung geleistet und viele Kolleginnen und Kollegen inspiriert“, sagte Professor Eckhard Quandt, Sprecher des im Forschungsschwerpunkt KiNSIS angesiedelten Sonderforschungsbereichs 1261 „Magnetoelectric Sensors: From Composite Materials to Biomagnetic Diagnostics“ in seiner Laudatio. CAU-Vizepräsidentin Professorin Ilka Parchmann betonte in ihrem Grußwort den Wert interdisziplinärer Forschung: „Wie fruchtbar die Arbeit über Disziplinen hinweg sein kann, zeigt die Forschung des Preisträgers Boccaccini ebenso wie die Zusammenarbeit in unserem Forschungsschwerpunkt zu Nanowissenschaften und Oberflächenforschung.“

Preisträger Boccaccini, Inhaber des Lehrstuhls für Biomaterialien an der FAU, forscht zu neuen, biokompatiblen Materialien, die bei der Regeneration von Gewebe und in der Wundheilung eingesetzt werden können. In seinem Vortrag zeigte er den Forschungsstand zu diesem Thema an der Schnittstelle von Materialwissenschaft und Life Sciences auf. Der Fokus seines Vortrags lag auf der Entwicklung und Nutzung bioaktiver Glasstrukturen. Verbunden mit biologisch abbaubaren Polymeren, die funktionalisierte Nanopartikel enthalten, kann die Regeneration von Gewebe und die Aufnahme von Medikamenten („drug delivery“) wirkungsvoll kombiniert werden, so Boccaccini. „Wir freuen uns, mit der Diels-Planck-Lecture den renommierten Materialwissenschaftler Boccaccini ehren zu können, der für die Entwicklung von Biomaterialien so viel getan hat“, sagte KiNSIS-Sprecher Professor Rainer Adelung an dem Abend.

Zum Preisträger
Aldo R. Boccaccini ist Leiter des Lehrstuhls Biomaterialien an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg (FAU) und gleichzeitig Gastprofessor am Imperial College London und an der Universidad Nacional de Cuyo (Argentina). Boccaccini ist Autor bzw. Co-Autor von mehr als 450 wissenschaftlichen Arbeiten (Hirsch-index: 63) und wurde 2014 sowohl zum „Thomas Reuters Highly Cited Researcher“ als auch in der Thomson Reuters‘ report „The World’s Most Influential Scientific Minds“ aufgenommen. Er ist Editor-in-Chief der Zeitschrift „Materials Letters“ und engagiert sich als Herausgeber in zahlreichen weiteren Zeitschriften (u.a. Journal of Tissue Engineering and Regenerative Medicine, Journal of Biomaterials Applications, Journal of Materials Science.)


Über die Diels-Planck-Lecture
Der Name der öffentlichen Vortragsreihe geht zurück auf die Begründer der Kieler Nanowissenschaften: die Nobelpreisträger Max Planck und Otto Diels. Max Planck wurde 1858 in Kiel geboren und 1897 auf eine Professur für theoretische Physik an die Universität Kiel berufen. 1918 wurde ihm der Nobelpreis für Physik für seine bahnbrechenden Arbeiten in der Quantenphysik verliehen, welche die Grundlagen für die Beschreibung von Nanostrukturen bildet. Otto Diels war von 1915 bis zu seiner Emeritierung 1945 Professor für Chemie an der Universität Kiel. Zusammen mit seinem Doktoranden Kurt Alder entdeckte und entwickelte er eine Klasse von chemischen Reaktionen, die später Diels-Alder-Reaktionen genannt wurden. Es handelt sich dabei um eine der wichtigsten und leistungsfähigsten Methoden, chemische Verbindungen und Nanomaterialien herzustellen. Otto Diels erhielt 1950 den Nobelpreis für Chemie.

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Aldo R. Boccaccini (Mitte), Professor für Biomaterialien an der FAU Erlangen-Nürnberg, erhielt die diesjährige Diels-Planck-Medaille von CAU-Vizepräsidentin Professor Ilka Parchmann und KiNSIS-Sprecher Professor Rainer Adelung.
Foto: Julia Siekmann/CAU

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In seinem Vortrag stellte Boccaccini seine aktuelle Forschung an der Schnittstelle von Materialwissenschaft und Life Sciences vor. Er entwickelt multifunktionale bioaktive Materialien für die regenerative Medizin.
Foto: Julia Siekmann/CAU

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In seiner Laudatio betonte Professor Eckhard Quandt, Sprecher des SFB 1261, die Bedeutung von Boccaccinis Arbeiten für die materialwissenschaftliche Forschung.
Foto: Julia Siekmann/CAU

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Die Diels Planck-Medaille wird aus einem Siliziumwafer im Reinraum der Technischen Fakultät an der Universität Kiel hergestellt.
Foto: Sebastian Maas/CAU

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Julia Siekmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit KiNSIS
jsiekmann@uv.uni-kiel.de
Tel.: 0431/880 - 4855

Details, die nur Millionstel Millimeter groß sind: Damit beschäftigt sich der Forschungsschwerpunkt „Nanowissenschaften und Oberflächenforschung“ (Kiel Nano, Surface and Interface Science – KiNSIS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Nanokosmos herrschen andere, nämlich quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und Life Sciences zielt der Schwerpunkt darauf ab, die Systeme in dieser Dimension zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsbezogen umzusetzen. Molekulare Maschinen, neuartige Sensoren, bionische Materialien, Quantencomputer, fortschrittliche Therapien und vieles mehr können daraus entstehen. Mehr Informationen unter www.kinsis.uni-kiel.de



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Text / Redaktion: ► Julia Siekmann