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Pressemeldung Nr. 220/2017 vom 04.07.2017 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Erste Kantorowicz-Vorlesung an der Uni Kiel

Professor Stanley L. Paulson spricht über Hermann Kantorowicz’ ideengeschichtliche Entwicklung


Ohne Rechtsgeschichte kann der Jurist nicht wissen, warum das Recht so geworden ist, wie es ist. Ohne Rechtsphilosophie kann er nicht begründen, wie es weiter entwickelt werden sollte. Um diesen wichtigen Zusammenhang geht es in den neuen „Kantorowicz-Lectures“ des Hermann Kantorowicz-Institutes für juristische Grundlagenforschung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Den Auftakt macht am Montag, 10. Juli, um 18.00 Uhr im Hörsaal 4 in der Olshausenstraße 75 der Rechtsphilosoph und Rechtstheoretiker Professor Stanley L. Paulson. Vortragssprache ist Deutsch. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei.

Paulson, Jahrgang 1941, studierte Philosophie und Rechtswissenschaften. Bis 2011 forschte und lehrte er an der Washington University, St. Louis (USA). Zurzeit ist der Rechtsphilosoph am Kieler Hermann Kantorowicz-Institut zu Gast. In seinem Vortrag beleuchtet Paulson die ideengeschichtliche Entwicklung Kantorowicz’: „In seiner im Jahre 1906 erschienenen, gut bekannten Schrift ‚Der Kampf um die Rechtswissenschaft‘ erweckt Hermann Kantorowicz den Eindruck, dass er so gut wie alles in der rechtswissenschaftlichen Tradition über Bord werfen will. Im Gegensatz dazu ist seine rechtstheoretische Position in den 1920er Jahren kaum bekannt. Sie besteht zum größten Teil aus neukantianischen Elementen, welche die Wandlung seiner Position zum Ausdruck bringen.“

Die Kantorowicz-Vorlesung soll künftig einmal im Jahr stattfinden. „Wir möchten damit als Institut auf das Werk und Wirken unseres Namensgebers aufmerksam machen, der als Nachfolger von Gustav Radbruch unter anderem der Rechtssoziologie an der Universität Kiel den Weg geebnet hat“, begründet Organisator Professor Ino Augsberg die neue Vorlesungsreihe.


Das Wichtigste in Kürze:
Was: 1. Hermann Kantorowicz-Lecture
Wann: Montag, 10. Juli, 18.00 Uhr
Wo: Christian-Albrechts-Universität, Olshausenstraße 75, Hörsaal 4

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Hermann Kantorowicz (1877-1940, Professor in Kiel 1929-1933) zählt zu den bedeutendsten Rechtswissenschaftlern des 20. Jahrhunderts.
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Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Ino Augsberg
Lehrstuhl für Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Tel.: +49 431 880-5494
Fax: +49 431 880-3745
E-Mail: augsberg@law.uni-kiel.de


Hermann Kantorowicz
Hermann Kantorowicz (1877-1940, Professor in Kiel 1929-1933) gilt als bedeutender Vertreter der Rechtssoziologie, die von Max Weber und Eugen Ehrlich begründet und von Kantorowicz weiterentwickelt wurde. Er zählt zu den bedeutendsten Rechtswissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Auf den Gebieten der Rechtstheorie, der Rechtsgeschichte und des Strafrechts leistete er bahnbrechende Beiträge, die teilweise bis heute fortwirken. 1929 wurde Kantorowicz nach Kiel berufen, was dort nicht unumstritten war. Zuvor war er von 1923 bis 1929 Mitglied des Untersuchungsausschusses des Deutschen Reichstags über die Ursachen des Ersten Weltkriegs gewesen. Ein Gutachten über die Kriegsschuldfrage mit kritischer Einschätzung der Rolle Deutschlands und die Einstufung als „Jude“ durch das Erziehungsministerium führten im September 1933 dazu, dass er aus politischen Gründen aus seinem Amt als Universitätsprofessor entlassen wurde. Der Emigration nach Amerika folgten Lehrtätigkeiten an der New York School of Social Research in New York (1933/34) und am dortigen City College (1934/35). 1935 zog er nach England, wo er zunächst am All Soul's College, Oxford, unterrichtete. Zwei Jahre später wurde er stellvertretender Direktor der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Cambridge, wo er bis zu seinem Tode blieb. Das im Jahre 2012 gegründete Institut für juristische Grundlagenforschung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel trägt seinen Namen.



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