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Pressemeldung Nr. 230/2017 vom 11.07.2017 | RSS | zur Druckfassung | Suche

„Schlauer Fuchs“ oder „dumme Sau“? Ungleichheiten aus der Perspektive der Wissenschaft


Der Forschungstag 2017 der Philosophischen Fakultät zum Thema „Ungleichheiten“ fand vergangene Woche im Audimax der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel statt. Foto: Linda Sperling


Beim Forschungstag 2017 der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) präsentierten vergangene Woche (5. Juli) junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuelle Forschungsprojekte rund um das Thema Ungleichheiten. Warum gilt der Fuchs in unserer Gesellschaft als schlau, die Sau aber als dumm? Weshalb war ein Bischof des Hochmittelalters politisch erfolgreicher als sein Zeitgenosse? Wie kann die französische Sprache dazu beitragen, Ängste tunesischer Migranten abzubauen? Während sich der öffentliche Diskurs um Ungleichheiten überwiegend um die Verteilung von Ressourcen und ungleiche politische sowie soziale Teilhabe dreht, standen beim Forschungstag, der vom Collegium Philosophicum im Audimax der CAU organisiert und durchgeführt wurde, andere Schwerpunkte im Fokus – etwa die ungleichen Handlungsspielräume von Bischöfen im hochmittelalterlichen Reich oder die soziale Ordnung von Tiersymbolen. In kurzen Impulsvorträgen mit anschließender Diskussion berichteten sechs Doktorandinnen und Doktoranden sowie eine Habilitandin der Disziplinen Germanistik, Geschichte, Romanistik und Sozialwissenschaft über ihre Forschung an unterschiedlichen Phänomenen historischer, sprachlicher oder sozialer Ungleichheit.

Das Tagungsthema ergab sich zum einen aus inhaltlichen Parallelen zum Aktionsplan der CAU zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, den die Universität 2015 beschlossen hat. Auch in diesem Sinn legten Professorin Angelika Messner und Professor Dirk Nabers, die den Forschungstag organisiert hatten, Wert auf den barrierefreien Zugang zur Veranstaltung und boten beispielsweise eine simultane Übersetzung in Gebärdensprache an. Zum anderen legten aktuelle Entwicklungen in der Politik die Auseinandersetzung mit dem Thema Ungleichheiten nahe: „Im Wahlkampf wird derzeit häufig der Begriff ‚Gerechtigkeit‘ verwendet, jedoch ohne Erläuterung, was darunter eigentlich zu verstehen ist“, sagte Professorin Anja Pistor-Hatam, Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten, Internationales und Diversität der CAU, in ihrem Grußwort. Es sei demnach Aufgabe der Wissenschaft, Begriffe wie Gerechtigkeit oder eben Ungleichheit zu definieren. Angelika Messner kündigte in ihrer Einleitung ein „Kaleidoskop von Forschungsbeiträgen“ an, das die unterschiedlichen Facetten von Ungleichheit und die differenzierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen an der CAU widerspiegelt.

So untersucht beispielsweise Doktorandin Verena Sauer in ihrer Dissertation, inwieweit sich Sprache auf den beiden Seiten der früheren innerdeutschen Grenze unterschiedlich entwickelte. Für die ehemaligen Grenzgebiete Sonneberg in Thüringen und Coburg in Bayern kommt sie zu dem Schluss, dass in beiden Landkreisen dieselbe itzgründische Mundart gesprochen wird. Mit dem Ziel, Populismus wissenschaftlich zu erklären, analysiert Jan Zeemann Forderungen des Volkes, die aus dem subjektiven Gefühl von Ungleichheit heraus entstehen und von Populisten für ihre Zwecke eingesetzt werden. Im Verbundprojekt „Intersektionalität interdisziplinär“ liefern verschiedene Forschungsarbeiten neue Erkenntnisse über das Zusammenwirken mehrerer Ungleichheitskategorien wie Klasse, Ethnizität und Geschlecht in unterschiedlichen gesellschaftlichen sowie zeitlichen Kontexten. Koordinator Sebastian Schlund stellte das Projekt auf dem Forschungstag vor. Der Verbund strebt die Bildung eines Graduiertenkollegs in diesem Forschungsgebiet an und stellt einen Antrag auf Finanzierung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Parallel zur Tagung fand eine Posterausstellung statt, die einen Überblick über die Vielzahl aktueller Forschungsprojekte und Gleichstellungsaktivitäten der Philosophischen Fakultät gab.

Der Forschungstag 2017 endete mit der Preisverleihung des Collegiums Philosophicum für herausragende Abschlussarbeiten und der feierlichen Verabschiedung von 17 Promovierten sowie 92 Masterabsolventinnen und Masterabsolventen aus dem Sommersemester 2017. 30 von ihnen nahmen ihre Zeugnisse persönlich entgegen. Professor Elmar Eggert, Prodekan für Studium und Lehre der Philosophischen Fakultät, betonte in seiner Abschiedsrede die Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft – insbesondere in einer Zeit, in der es immer wichtiger werde, Meinungen von Fakten unterscheiden zu können. Ausgezeichnet wurden die Masterarbeiten von Anneke Balzer im Fach Deutsch und Kyrill Kobsar im Fach Geschichte sowie die Diplomarbeit von Timo Joshua Lorenzen im Fach Psychologie.

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Tobias Schlund, Koordinator des Verbundprojekts „Intersektionalität interdisziplinär“ mit der Organisatorin des Forschungstags, Professorin Angelika Messner, und Dr. Tatjana Niemsch aus dem Bereich Qualitätsmanagement in Studium und Lehre; Angelika Messner und Tatjana Niemsch leiten jeweils eine Arbeitsgruppe zur im Aktionsplan festgelegten Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an der CAU.
Foto: Linda Sperling

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Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Kira Seeler, Dr. Nina Kühnle, Verena Sauer, Antje Wienke, Tobias Schnell (v.l.n.r.) sowie Sebastian Schlund und Jan Zeeman präsentierten beim Forschungstag 2017 der Philosophischen Fakultät aktuelle Dissertations- und Forschungsprojekte zum Thema Ungleichheiten.
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Der Forschungstag endete mit einer Preisverleihung für herausragende Abschlussarbeiten. Ausgezeichnet wurden die Masterarbeiten von Anneke Balzer im Fach Deutsch und Kyrill Kobsar im Fach Geschichte sowie die Diplomarbeit von Timo Joshua Lorenzen im Fach Psychologie.
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Text / Redaktion: Linda Sperling