Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Pressemeldung Nr. 238/2017 vom 21.07.2017

Jakobs-Kreuzkraut: Schmetterlings-Raupen sollen die gelbe Wildpflanze schwächen – neues Projekt misst ihren Fraß-Erfolg


Die orange-schwarz geringelten Raupen des Blutbär-Schmetterlings (Tyria jacobaeae) ernähren sich ausschließlich vom Jakobs-Kreuzkraut. Foto: Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein

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Ihr Aussehen erinnert an die Tigerente des bekannten Autors Janosch: Die Raupen des Blutbär-Schmetterlings (Tyria jacobaeae) sind orange-schwarz geringelt, aber nur wenige Zentimeter groß. Ihre Besonderheit: Sie ernähren sich ausschließlich vom Jakobs-Kreuzkraut (JKK). Zunächst knabbern sie an den Blütenkörbchen; sind die abgefressen, geht es mit den grünen Blättern weiter, bis schlussendlich nur noch der Pflanzenstrunk stehen bleibt. Dieses einseitige Fraßverhalten der kleinen Raupen macht der heimischen Wildpflanze so sehr zu schaffen, dass die meisten betroffenen Pflanzen kein zweites Mal austreiben, sondern absterben oder zumindest nicht mehr zur Aussamung gelangen.

Wie nachhaltig die Raupen das Jakobs-Kreuzkraut auch hierzulande schädigen können, wird jetzt von der Biologin Kathrin Schwarz im Rahmen des Projektes „Regulierung von Massenvorkommen des Jakobs-Greiskrautes (Senecio jacobaea L.) durch natürliche Antagonisten“ untersucht. Bisher liegen Erfahrungen zum Erfolg sogenannter natürlicher Antagonisten (Gegenspieler) des Jakobs-Kreuzkrautes vorwiegend aus Ländern vor, in denen die gelbe Wildpflanze und deren Gegenspieler nicht heimisch sind, wie beispielsweise Nordamerika, Australien und Neuseeland. Hierzulande erscheint der gezielte Einsatz der Raupen insbesondere auf Flächen sinnvoll, die aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht oder nur schwer mit landwirtschaftlichem Gerät befahrbar sind.

In den vergangenen 12 Monaten hat die Doktorandin dafür gesorgt, dass in diesen Tagen nach und nach 2.750 Raupen an zehn verschiedenen Standorten im ganzen Land ausgesetzt werden. Bei den Standorten handelt es sich um ausgewählte Flächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, auf denen es Massenbestände von Jakobs-Kreuzkraut gibt. Im zweiten Projektlaufjahr, also 2018, kommt zu den Blutbär-Raupen (Tyria jacobaeae) noch ein weiterer natürlicher Gegenspieler des Jakobs-Kreuzkrauts hinzu: der Flohkäfer (Longitarsus jacobaeae), der ebenfalls ausschließlich JKK auf seinem Speiseplan hat. Allerdings schädigt dieser natürliche Feind die heimische Wildpflanze vor allem unterirdisch, wo seine Larven in und von den Wurzeln des Kreuzkrautes leben. Die Kombination aus beiden Fraßfeinden könnte – wie im Ausland bereits beobachtet – auch bei uns effektiv zur Eindämmung des Jakobs-Kreuzkrautes beitragen. Kathrin Schwarz, Doktorandin der Abteilung Landschaftsökologie, Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), führt das Projekt durch; Projektleiter ist Dr. John Herrmann. Fachlich begleitet wird das Projekt von Dr. Aiko Huckauf, Leiter des JKK-Kompetenzzentrums der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Hintergrundinformation zur „Regulierung von Massenvorkommen des Jakobs-Kreuzkrautes (Senecio jacobaea L.) durch natürliche Antagonisten“
Untersucht wird der Fraßerfolg der Raupen des Blutbär-Schmetterlings (Tyria jacobaeae). Sie fressen ausschließlich die heimische Wildpflanze Jakobs-Kreuzkraut. Zuerst die Blüten, dann die Blätter. Das schwächt die gelb blühende Pflanze so sehr, dass sie abstirbt bzw. zumindest nicht zur Aussamung kommt. Im zweiten Projektjahr kommt dann noch ein weiterer natürlicher Gegenspieler des JKK hinzu, der Flohkäfer (Longitarsus jacobaeae). Er nagt unter der Erde an den Wurzeln seiner Wirtspflanze.

Ziele: Regulierung und Eindämmung von Massenvorkommen des Jakobs-Kreuzkrautes durch natürliche Antagonisten
Projektleitung: Dr. John Herrmann, Dr. Tobias Donath und Professor Tim Diekötter, Abteilung Landschaftsökologie, Institut für Natur- und Ressourcenschutz, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Projektpartner: Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
Laufzeit: 2017 bis 2020
Finanzierung: Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit einer Fördersumme in Höhe von 203.224 Euro gefördert.

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Die Raupen des Blutbär-Schmetterlings werden eingesammelt.
Foto: Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein

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