Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Pressemeldung Nr. 249/2017 vom 31.07.2017

Von ultrakalten Atomen bis zu warmer dichter Materie

Internationale Physiktagung feiert 40-jähriges Jubiläum an der Universität Kiel


Seit 1977 findet alle drei Jahre die Konferenzreihe „Strongly Coupled Coulomb Systems“ (SCCS) an verschiedenen Orten der Welt statt. Zum Jubiläum ihres 40-jährigen Bestehens kommt die hochkarätige internationale Physiktagung an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Damit ist sie überhaupt erst zum zweiten Mal in Deutschland zu Gast. Von heute (Montag, 31. Juli) bis Freitag diskutieren im Wissenschaftszentrum Kiel rund 140 Physiker und Physikerinnen aus 20 Ländern über neueste Erkenntnisse und Methoden aus der Plasmaphysik, Astrophysik und der Physik der kondensierten Materie. Organisiert wird die Konferenz von Professor Michael Bonitz und seinen Mitarbeitern Patrick Ludwig und Zhandos Moldabekov am Institut für Theoretische Physik und Astrophysik der CAU. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der CAU-Forschungsschwerpunkt Kiel Nano Surface and Interface Science (KiNSIS) fördern die Konferenz.

Mit Norddeutschland trifft die SCCS-Tagung in diesem Jahr auf einen Forschungsstandort, der traditionell sehr stark in den Bereichen Plasmaphysik und Festkörperphysik ist. Dazu tragen neben der CAU auch die Universitäten in Hamburg, Greifswald und Rostock sowie das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY bei. „Wir freuen uns sehr, dass wir die SCCS-Konferenz in diesem Jahr nach Kiel holen konnten. Das spiegelt auch die sehr erfolgreiche Forschung wider, die hier in den letzten Jahren geleistet wurde“, sagt Michael Bonitz.

Die Konferenzreihe bietet ein internationales Forum für den Austausch wissenschaftlicher Ideen und neuester Erkenntnisse über Fächergrenzen hinweg. Die Themen drehen sich dabei um heiße und kalte Plasmen sowie Flüssig- und Festkörpersysteme, die von starken elektrostatischen Wechselwirkungen (“Strongly Coupled Coulomb Systems”) dominiert werden. In den letzten Jahren wurden in diesen Feldern viele neue spannende Ergebnisse erzielt. Ähnliche Korrelationsphänomene wurden in vielen neuen Gebieten entdeckt. Dazu zählen die komplexen (staubigen) Plasmen, das exotische Quark-Gluon-Plasma oder ultrakalte Atome. Faszinierend dabei ist, dass dieselben Effekte in diesen Systemen bei völlig unterschiedlichen Temperaturen und Drücken beobachtet werden: bei den staubigen Plasmen bei Raumtemperatur, im Quark-Gluon-Plasma bei hunderten Millionen Grad und bei Atomen in Fallen nahe am absoluten Temperatur-Nullpunkt. Bei letzteren spielen zusätzlich auch Quanteneffekte eine große Rolle.

Zu den Hauptthemen der SCCS-Tagung gehört in diesem Jahr außerdem die Dynamik von korrelierten Quantensystemen und die Wechselwirkung zwischen Plasmen und Festkörper-Oberflächen – Themen, die in Kiel intensiv erforscht werden. „Plasma- und Festkörperphysik waren lange weitgehend unabhängige Fachgebiete. Viele moderne Fragen der Physik erfordern aber die enge Kooperation zwischen Expertinnen und Experten unterschiedlicher Gebiete, wie wir das gerade in Kiel praktizieren. Wir wollen besser verstehen, was passiert, wenn ein geladenes Teilchen aus einem Plasma in einen Festkörper übergeht und dort eine Vielzahl interessanter Prozesse auslöst, die auch wieder das Plasma beeinflussen“, erläutert Bonitz eines der Hauptthemen der Konferenz.

Zu den Keynote-Speakern der Tagung gehören führende Experten auf dem Gebiet der Vielteilchen-Physik wie Gordon Baym (Illinois, USA), der Physik warmer dichter Materie wie Siegfried Glenzer (Stanford, USA) und Stephane Mazevet vom Observatoire de Paris sowie Stefan Kuhr (Strathclyde, Großbritannien) für das Gebiet der ultrakalten fermionischen Atome. „Wir freuen uns, dass wir für die Tagung in Kiel ein überaus diverses und hochkarätiges internationales Teilnehmerfeld gewinnen konnten, von führenden Experten auf ihren Gebieten bis zur nächsten Generation von Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen. So konnten wir ein hoffentlich spannendes Programm aus exzellenten Vorträgen und Postern zusammenstellen. Im Wissenschaftspark bestehen optimale Bedingungen für einen inspirierenden Ideenaustausch“, sagte Bonitz zum Auftakt der Tagung am Montag. Unter den Teilnehmenden befindet sich außerdem Gabor Kalman, der 1977 die erste Tagung organisierte und aus Boston nach Kiel angereist ist. Neben hochrangigen Referenten war es den Organisatoren ein besonderes Anliegen, Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu gewinnen und ihre Teilnahme zu ermöglichen. Zum Beispiel wird während der Tagung eine Kinderbetreuung angeboten.

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Professor Michael Bonitz, Direktor am Institut für Theoretische Physik und Astrophysik und Organisator der Tagung, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Wissenschaftszentrum Kiel.
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Mit seinem Vortrag eröffnete Stephane Mazevet vom Observatoire de Paris die Tagung. Er sprach über aktuelle Erkenntnisse auf der Grundlage neuer Simulationsmodelle über die innere Beschaffenheit des Jupiters.
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Tagungsorganisator Michael Bonitz (Mitte) mit Keynote-Speaker Gordon Baym aus Illinois, USA (links), und Vladimir Fortov, Präsident der Russischen Akademie der Wissenschaften.
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Weitere Informationen:
www.uni-kiel.de/sccs2017

Kontakt:
Professor Michael Bonitz
Institut für Theoretische Physik und Astrophysik
Telefon: 0431 880-4122
E-Mail: bonitz@theo-physik.uni-kiel.de



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Text / Redaktion: ► Julia Siekmann