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Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Jens Immanuel Baggesen


Der dänische Schriftsteller setzte sich mit seinem zweisprachigen Werk für ein friedvolles Miteinander der Nationen ein. An der Kieler Universität war er von 1811 bis 1814 der erste Professor für dänische Literatur.


In Dänemark zählt Jens Immanuel Baggesen zu den großen Erzählern des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. In Deutschland ist sein Werk eher unbekannt, obwohl sich Baggesen stets mit aller Kraft für das friedvolle Miteinander und den kulturellen Austausch zwischen Deutschen und Dänen eingesetzt hat. Der 1764 in Korsør geborene Schriftsteller war glühender Verfechter der europäischen Aufklärung und übernahm aus Verehrung für den deutschen Philosophen Immanuel Kant dessen Vornamen.

Baggesen schrieb auf Dänisch und auf Deutsch. Sein bekanntestes Werk ist die Reiseerzählung »Das Labyrinth« (dänisch: »Labyrinten«), worin er seine Eindrücke während einer Reise von Kopenhagen nach Basel im Jahr der Französischen Revolution 1789 beschreibt: Seine Reise führt ihn unter anderem durch Kiel. Neben »Das Labyrinth« verfasste Baggesen diverse Versepen und einzelne Gedichte, machte sich aber auch als Literaturkritiker einen Namen.

Professor Lutz Rühling vom Nordischen Institut der Universität Kiel ist als Lehrstuhlinhaber für Neuere Skandinavische Literatur quasi Amtsnachfolger von Jens Immanuel Baggesen. Er würdigt den innovativen, teilweise parodistischen Stil Baggesens, aber auch seinen Einsatz als bedeutender Kulturvermittler: »Jens Immanuel Baggesen war von der Idee des Weltbürgertums begeistert, für ihn stand der tugendhafte Mensch im Mittelpunkt, nicht die eigene Nation. Er war damit häufig in Opposition zu den literarischen Größen in Dänemark. Seine Ansichten entsprachen nicht dem Zeitgeist des aufkommenden Nationalismus.

In Dänemark war man Ende des 18. Jahrhunderts sehr deutschfeindlich, nicht zuletzt wegen der Struensee-Affäre. Dieser deutsche Leibarzt des dänischen Königs hatte großen Einfluss in Dänemark, setzte Reformen durch, etwa die Abschaffung der Leibeigenschaft und der Zensur. Allerdings schaffte er sich auch viele Feinde, die schließlich unter anderem sein Verhältnis mit der Frau des Königs zum Anlass nahmen, ihn hinzurichten. Die Freundschaft zu den Deutschen kehrte sich daraufhin ins Gegenteil.«

Jens Immanuel Baggesen stand mit vielen literarischen Größen seiner Zeit im Briefwechsel. Seine Verehrung für Friedrich Schiller führte zu einer kuriosen Begebenheit: Baggesen kam das Gerücht zu Ohren, Schiller liege im Sterben. Er veranlasste eine Totenfeier für den deutschen Schriftsteller, die wiederum den dänischen König bewog, ein Stipendium für Schiller einzurichten. Dieser erholte sich und nahm, chronisch verarmt, die Unterstützung des Königs an. In dieser Zeit entstanden unter anderem Schillers Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen.

Die deutsche Sprache war in Dänemark damals sehr verbreitet. Baggesen nutzte seine Zweisprachigkeit wie viele andere dänische Schriftsteller, um sein Werk in den deutschen Ländern einem größeren Publikum nahe zu bringen. Trotzdem lebte er Zeit seines Lebens in bescheidenen Verhältnissen und war oft krank. Er starb 1826 in Hamburg, sein Grabstein befindet sich auf dem Kieler Eichhof-Friedhof.

Jörg Siebels



Stichwort: Das Labyrinth/Labyrinten


»Die Reiseschilderung« ist das bedeutendste Werk Jens Immanuel Baggesens. Die Erzählung entstand in den Jahren 1792 bis 1793 und beschreibt die Reise Baggesens von Kopenhagen nach Basel im Jahr 1789. Im Vorwort macht der Autor darauf aufmerksam, dass ihm die eigenen Aufzeichnungen der Reise abhanden gekommen sind. Die Schilderungen sind also rekonstruiert und haben teils romanhafte Züge. Das geistreich geschriebene und unterhaltsam zu lesende Buch beginnt mit einer komischen Begebenheit: Baggesen findet zu Beginn seiner Reise in Kopenhagen seinen Pass nicht. Nach verzweifelter Suche kann er sich aber doch auf den Weg machen. Seine erste Station auf deutschem Boden ist Kiel, das er aber schnell in Richtung Eutin durchfährt, wo er den bekannten Homer-Übersetzer und Philologen Johann Heinrich Voss trifft. Danach besucht er den Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock und andere Geistesgrößen in Hamburg.

Weiter geht es durch die Lüneburger Heide, nach Celle, Hannover und Kassel. Im hessischen Friedberg erfährt der Schriftsteller am 14. Juni 1789 vom Ausbruch der Französischen Revolution. Er begeistert sich für die Aussicht auf Freiheit und Recht, die Revolution bewegt ihn tief.

»Das Labyrinth« hatte eine große Resonanz und ist auch nach mehr als 200 Jahren noch sehr empfehlenswert. In Dänemark gehört es nach wie vor zur geläufigen Lektüre, in Deutschland wurde es seit 1986 nicht mehr aufgelegt, so dass man das Buch nur im Antiquariat finden kann.

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