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Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Johann Gustav Droysen


Der Historiker, Publizist und Politiker war von 1840 bis 1851 Professor für Geschichte an der Kieler Universität und Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung.


Johann Gustav Droysen zählt zu den Großen der deutschen Geschichtswissenschaft. Seine Biographie Alexanders des Großen und seine Geschichte des Hellenismus gehören zu den historischen Texten des 19. Jahrhunderts, die immer wieder neu aufgelegt werden. Er prägte »Hellenismus« als Epochenbegriff für die Zeit zwischen Alexander und der römischen Kaiserzeit. Als Geschichtstheoretiker hat Droysen die Basis für die Methodik der modernen Geschichtswissenschaft gelegt.

Johann Gustav Droysen wurde am 6. Juli 1808 in Treptow an der Rega (Pommern) geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, weil der Vater früh gestorben war (1816). Sein Vater war lutherischer Militärpfarrer, später Superintendent in Treptow gewesen, seine Mutter war Tochter eines Eisenwarenhändlers. Nach dem Abitur in Stettin nahm er 1826 an der Universität Berlin das Studium der Philologie und Philosophie auf. Seine wichtigsten Lehrer waren der Altertumswissenschaftler August Boeckh und der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel. 1829 bestand Droysen das Oberlehrerexamen, wurde 1831 promoviert und im selben Jahr am Berliner Gymnasium »Zum Grauen Kloster« als Lehrer angestellt. 1833 habilitierte sich Droysen in Klassischer Philologie und begann zunächst als Privatdozent, ab 1835 auf einer außerordentlichen, unbezahlten Professur an der Berliner Universität in diesem Fach zu lehren. In diese Zeit fällt seine Übersetzung des Aischylos sowie sein erstes Hauptwerk »Die Geschichte Alexanders des Großen«, das in unmittelbarer Vorarbeit zu seiner zweibändigen »Geschichte des Hellenismus« steht.

Der Ruf als Ordinarius nach Kiel verschob 1840 seinen Arbeitsschwerpunkt in die Neuzeit und läutete die Hochphase seines politischen Engagements ein. Droysen trat insbesondere für die Unabhängigkeit Schleswig-Holsteins vom dänischen Einfluss ein. Er nahm an der Schleswig-Holsteinischen Erhebung vom März 1848 teil und vertrat die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins im Frankfurter Parlament; in der Nationalversammlung gehörte er dem Verfassungsausschuss an. Im Zuge der Parteienbildung schloss sich Droysen der gemäßigt-liberalen Kasino-Partei an. Seine Hoffnungen, die er auf Preußen als Garant der Einigung eines liberalen Deutschlands setzte, wurden jedoch enttäuscht, als Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone ablehnte, die ihm das Frankfurter Parlament anbot. Droysen zog sich daraufhin aus der Politik zurück.

Nach dem Scheitern der Schleswig-Holsteinischen Erhebung befürchtete er, seine Stelle zu verlieren. Aus diesem Grund folgte er 1851 einem Ruf nach Jena. In Kiel hatte Droysen zum ersten Mal 1846 quellenkritische Übungen – »Historisches Seminar« genannt – gehalten, die er seit 1857 als regelmäßige Vorlesung über »Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte« wiederholte. 1937 wurde sie als »Historik« erstmals vollständig herausgegeben und gilt als seine wohl wichtigste wissenschaftliche Hinterlassenschaft. Die Historik beschäftigt sich mit den Grundlagen des Faches, zum Beispiel der Methodik, Quellenkunde und Textkritik. Hierin ging es dem Historiker und Geschichtsphilosophen darum, Wege und Methoden zu finden, mit denen man eine historische Ansicht der Gegenwart liefern könnte. »Das Gegebene für die historische Forschung sind nicht die Vergangenheiten, denn diese sind vergangen, sondern das von ihnen in dem Jetzt und Hier noch Unvergangene, mögen es Erinnerungen von dem, was war und geschah, oder Überreste des Gewesenen und Geschehenen sein«, schrieb Droysen in »Grundriss der Historik« 1867. (Näheres zur Quellenkritik siehe auch unizeit 38, Biografie Georg Waitz).

1859 kehrte Droysen nach Berlin zurück, wo er bis zu seinem Tode an der Universität lehrte. Seine Verehrung für Preußen blieb trotz der Enttäuschung ungebrochen, und von 1855 an arbeitete er an einer Gesamtdarstellung der preußischen Geschichte, die im Jahr 1756 endet und 14 Bände umfasst. Hier entwickelte er am historischen Material seine Auffassung vom politischen Charakter der Geschichtswissenschaft. Er sah in der deutschen Politik der Hohenzollern eine Kontinuität vom 15. bis zum 19. Jahrhundert und war darum bemüht, dem deutschen nationalen Einigungsprozess durch Preußen eine historische Begründung, wenn nicht gar Legitimation zu geben. Am 19. Juni 1884 starb Johann Gustav Droysen in Berlin.

Kerstin Nees



Stichwort: Freundschaft mit dem Komponisten


Nach dem frühen Tod des Vaters (1816) und der Mutter (1828) bemühte sich Johann Gustav Droysen, seine drei jüngeren Schwestern zu versorgen, indem er Privatunterricht gab. Einer seiner Schüler war von 1827 bis 1829 der fast gleichaltrige Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847), mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Der junge Droysen beschäftigte sich intensiv mit Musik, schrieb sogar Texte zu Kompositionen von Felix und seiner Schwester Fanny und unterstützte durch Pressebeiträge die Bemühungen von Felix, 1829 die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach in Berlin aufzuführen. »Ein neunzehnjähriger Philologe mit aller Frische und lebendigen, tätigen Teilnahme seines Alters, einem Wissen über sein Alter hinaus und einem reinen, poetischen Sinn und gesundem liebenswürdigem Gemüt«, urteilte Fanny über den Freund ihres Bruders (zitiert nach Eberhard Fromm: Zwischen Emanzipation und Tradition. Johann Gustav Droysen. Berlinische Monatsschrift, 7/1998).

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