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Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Bernhard Harms


Bernhard Harms war einer der ersten deutschen Ökonomen, die internationale Wirtschaftsbeziehungen erforschten. 1914 gründete er das heutige Institut für Weltwirtschaft in Kiel.


Das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW) ist eines der renommiertesten Wirtschaftsinstitute Deutschlands mit einem weltweit exzellenten Ruf. Sein Gründer, der Ökonom Bernhard Harms, ist weniger bekannt. Dabei legte er von 1911 bis 1933 die Grundlage für den Erfolg des Instituts, indem er sich unermüdlich für seine Vision einsetzte, die wissenschaftliche Disziplin einer »Weltwirtschaftslehre« zu begründen.

Die Biografie des 1876 im ostfriesischen Detern geborenen Bernhard Harms begann bodenständig: Er absolvierte vor seinem Studium eine Ausbildung zum Buchbinder in Celle. Dann studierte und lehrte er von 1900 bis 1906 Volkswirtschaftslehre in Tübingen. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität unternahm Harms mehrere Forschungsreisen in alle Welt, die sein Interesse an internationalen Wirtschaftsbeziehungen verstärkten. 1908 folgte er einem Ruf als Ordinarius an das Staatswissenschaftliche Seminar nach Kiel. Drei Jahre nach Aufnahme seiner Tätigkeit in Kiel richtete Harms mit Erlaubnis des damals zuständigen preußischen Kultusministeriums am Staatswissenschaftlichen Seminar eine besondere Abteilung für Seeverkehr und Weltwirtschaft ein. Weitere drei Jahre später, im Februar 1914, genehmigte ihm dasselbe Ministerium, das »Königliche Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft« zu eröffnen, das 1933 in »Institut für Weltwirtschaft« umbenannt wurde. Es war damals weltweit die erste Forschungs-einrichtung für internationale Wirtschaftsbeziehungen.

In seiner Zeit am Institut arbeitete Harms daran, eine Weltwirtschaftslehre zu begründen. Er machte sich bald einen Namen und holte zahlreiche berühmte Ökonomen nach Kiel, etwa Adolph Löwe, Gerhard Colm oder Hans Philipp Neisser. In den zwanziger Jahren entwickelten sie Grundlagen der Konjunkturforschung, die auch heute noch von Bedeutung sind.

Der Wirtschaftswissenschaftler vertrat liberale Auffassungen und setzte sich für den freien Handel zwischen den Nationen ein. Damit eckte er Anfang der dreißiger Jahre ebenso bei den Nationalsozialisten an wie mit der Tatsache, dass zahlreiche jüdische Wissenschaftler am Institut arbeiteten. Harms musste 1933 seinen Posten räumen und zog nach Berlin, wo er 1939 verstarb. Bestattet wurde der Gründer des heutigen IfW auf dem Institutsgelände. Sein Grab liegt vor dem alten Hauptgebäude am Düsternbrooker Weg in Kiel.

Doch viel von dem Geist des Gründers ist erhalten geblieben, sagt Bernhard Klein, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit am heutigen IfW: »Harms hat dem Institut einen besonderen Charakter gegeben, der auch heute noch zu spüren ist. Damals herrschte eine Atmosphäre, die der in einem Kloster ähnelte, in dem Wissenschaftler aus der gan-zen Welt unermüdlich sehr kreativ gearbeitet haben. Man hat sich der Idee des Instituts verpflichtet gefühlt, es war eine Ehre, hier zu arbeiten. Das Institut spielte eine zentrale Rolle im Leben der Mitarbeiter. Es gab viele Diskussionen und ein enges soziales Netzwerk, das bis ins Privatleben hinein ging. Auch heute noch ist es etwas Besonderes, für das IfW zu arbeiten. Wir wissen, dass wir in einer großen Tradition stehen und weltweit wahrgenommen werden. Diesem Ruf wollen wir mit besonders guter Arbeit gerecht werden.«

Jörg Siebels



Das Institut für Weltwirtschaft


Das IfW ist mit rund 270 Mitarbeitern eines der großen Zentren weltwirtschaftlicher Forschung und Dokumentation. Es sieht seine Hauptaufgabe in der anwendungsorientierten Wirtschaftsforschung. Dazu zählen die empirische wirtschaftspolitische Analyse, das Herausarbeiten möglicher künftiger Problemstellungen sowie denkbarer wirtschaftspolitischer Lösungen und die wissenschaftliche Innovation.

Das Institut verfügt mit der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften über die weltweit größte Wirtschaftsbibliothek, die auf rund 49 Kilometer Regallänge mehr als 2,7 Millionen Bände beherbergt.

Auf Anregung des IfW entstand 1964 eine wichtige Instanz in Deutschland: der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auch als die »Wirtschaftsweisen« bekannt.

An den Gründer des Instituts erinnert heute noch der Bernhard-Harms-Preis, der seit 1964 alle zwei Jahre an Wissenschaftler verliehen wird, die sich durch hervorragende Leistungen auf dem Gebiet weltwirtschaftlicher Forschung ausgezeichnet haben. Der von der Förderungsgesellschaft des Instituts gestiftete Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

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