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Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Karl August Möbius


Der erste Professor für Zoologie in Kiel lehrte von 1868 bis 1888 an der CAU. Er gründete das Zoologische Museum in der Hegewischstraße und war Rektor der Universität.


»Bemerkenswert an Karl August Möbius war vor allem seine anschauliche Art zu unterrichten«, erzählt Dr. Wolfgang Dreyer. Schon als Grundschullehrer sei er mit den Kindern immer nach draußen gegangen, da man nur durch Anschauung lernen könne. Die Kieler Universität verdankt dem vorausschauenden Wissenschaftler ihr Zoologisches Museum, berichtet der heutige Hausherr. Möbius wollte dort Wissenschaft mit neuen Methoden präsentieren. Die amerikanische Historikerin Dr. Lynn Nyhart von der Universität Wisconsin beschrieb dies mit den Worten »Biology takes form« (»Biologie nimmt Form an«). In ihrer Arbeit über das Naturverständnis und die Präsentation von Naturwissenschaft im 19. Jahrhundert nennt sie Möbius als entscheidenden Motor. Auch seine wissenschaftlichen Erkenntnisse sind heute noch gültig. Möbius hat als Erster erkannt, dass man ein ökologisches System als Ganzes begreifen muss. Er hat den Begriff der Lebensgemeinschaft, Biozönose, begründet. Seine Biozönose-Theorie etablierte sich als Basis für die allgemeine Ökologie.

Karl August Möbius wurde am 7. Februar 1825 in Eilenburg bei Leipzig geboren und besuchte dort bereits mit vier Jahren die Bergschule von Eilenburg. Ab dem 12. Lebensjahr ging er auf ein privates Lehrerseminar. 1844 legte er in Weißenfels das Lehrerexamen mit Auszeichnung ab und arbeitete anschließend in der Realschule von Seesen am Harz. 1849 begann er in Berlin das Studium der Naturwissenschaften und Philosophie. Nach Abschluss des Studiums unterrichtete er ab 1853 Naturwissenschaften (Zoologie, Botanik, Mineralogie, Geografie, Physik und Chemie) in einem Hamburger Gymnasium. »Von dort fuhr er regelmäßig an den Wochenenden nach Kiel und begann, sich mit den Muschelbänken der Kieler Förde zu beschäftigen«, so Dreyer. 1863 richtete er in Hamburg das erste Seewasseraquarium auf deutschem Boden ein. Die Universität zu Halle verlieh ihm die Ehrendoktorwürde.

1868 wurde Möbius zum ordentlichen Professor nach Kiel an den neu gegründeten Lehrstuhl für Zoologie berufen. Unter seiner Leitung entstand in Zusammenarbeit mit den bekannten Berliner Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden das Zoologische Museum. Dort widmete er sich besonders dem Studium der Seetiere. Mit seinen Forschungsarbeiten in der Kieler Bucht war Möbius zusammen mit dem Physiologen Victor Hensen ein Pionier der meereswissenschaftlichen Forschung in Kiel. Gemeinsam mit Heinrich Adolph Meyer gab er das zweibändige Werk »Die Fauna der Kieler Bucht« (1865/1872) heraus. Diese Veröffentlichung nimmt bereits Inhalte und Methoden der modernen Ökologie vorweg.

Im Auftrag der Regierung Preußens und des Fischereivereins begutachtete er künstliche Austernzuchten und bereiste zu diesem Zweck die französischen und englischen Küsten. In seiner Schrift »Die Auster und die Austernwirtschaft « (1877) stellte er das Wechselgefüge zwischen Austern und den anderen Tieren und Pflanzen einer Austernbank detailliert dar. Möbius hatte die wechselseitige Abhängigkeit zwischen den benachbarten Lebewesen erkannt und prägte hierfür erstmals den Begriff der Biozönose oder »Lebensgemeinde « »für eine den durchschnittlichen äußeren Lebensbedingungen entsprechende Auswahl und Zahl von Arten und Individuen, welche sich gegenseitig bedingen und durch Fortpflanzung in einem angemessenen Gebiet dauernd erhalten«. 1874 – 1875 nahm er als Zoologe an einer Forschungsreise nach Mauritius und zu den Seychellen teil.

Als Möbius 1879 Rektor der Universität Kiel wurde, nutzte er seinen Einfluss, um für den naturkundlichen Unterricht in Deutschland mehr Verständlichkeit und Komplexität zu fordern: »Wer schwer verständlich schreibt, hat keine klare Einsicht in das, was er anderen mitteilen will.«

1888 übernahm Möbius die Direktion des Museums für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin sowie die Professur für systematische und geographische Zoologie an der Universität. Im Museum trennte er die wissenschaftliche Hauptsammlung von der öffentlichen Schausammlung, um das Sammlungsmaterial einem größeren Publikum in angemessener Weise zugänglich zu machen. Er wurde Mitglied in der Berliner Akademie der Wissenschaften. Im Alter von 80 Jahren, am 30. Dezember 1905, beendete er seine wissenschaftliche Tätigkeit. Am 26. April 1908 starb er in Berlin.

Kerstin Nees



Geschichte des Zoologischen Museums


Als Karl August Möbius 1868 den ersten Lehrstuhl für Zoologie in Norddeutschland übernahm, setzte er sich gleichzeitig für ein Museum ein, das möglichst viele Tiere zeigen sollte. »Daraufhin hat ihm der Kaiser die beiden Stararchitekten Martin Gropius – den Großonkel vom späteren Bauhausgründer Walter Gropius – und Heino Schmieden geschickt«, berichtet der heutige Leiter des Museums Dr. Wolfgang Dreyer. »Sie entwarfen nicht nur ein Haus, sondern entwickelten das erste Hauskonzept eines wissenschaftlichen Museums. Das war ein Verkaufsschlager. Heute gibt es in der Welt mehrere Museen nach dem gleichen Muster etwa in Madrid oder Bamberg.«

1880 gelangten die Sammlungen in die Hegewischstraße, am 30. Juli 1881 wurde das Museum der Öffentlichkeit übergeben. Für Möbius war Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiges Anliegen. Sein Satz: »Es ist eine Dankespflicht des Gelehrten, an der Steigerung und Ausbreitung der wissenschaftlichen Freuden mitzuarbeiten«, steht für dieses Programm. So beschäftigten ihn bei der Ausstellungsgestaltung zum Beispiel die Lichtwirkung und Farbgebung der Untergründe, um die Objekte wirkungsvoll zur Geltung kommen zu lassen. Möbius unterrichtete an der Marineakademie, hielt Vorträge im Kieler Volksbildungsverein und veröffentlichte Artikel in Tageszeitungen. Mit diesen »Werbemaßnahmen« wollte er das Interesse an der Natur und ihren Lebewesen wecken.

Auch der heutige Museumsleiter hält an Möbius’ Grundsätzen fest: »Ich will klar verständlich die Erkenntnisse der Zoologie und Biologie weitertransportieren, gewissermaßen in den Fußspuren von Karl August Möbius.«

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