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Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Georg Waitz


Der gebürtige Flensburger war von 1842 bis 1848 Professor für Geschichte an der CAU. Wie einer seiner Vorgänger am Lehrstuhl – Friedrich Christoph Dahlmann – war er aktiv in der Nationalbewegung.


Bekannt ist Georg Waitz unter anderem als Mitherausgeber eines großen bibliographischen Werkes zur deutschen Geschichte – des Dahlmann-Waitz. Die zunächst von Friedrich Christoph Dahlmann (1785 – 1860) begonnene, 1830 erstmals publizierte »Quellenkunde der deutschen Geschichte« führte Waitz nach dessen Tod fort. Heute umfasst das Standardwerk der Geschichtsforschung zwölf Bände. Waitz edierte zahlreiche mittelalterliche Texte und schrieb außerdem ein achtbändiges Werk zur Deutschen Verfassungsgeschichte (1844 – 78), die bis ins 12. Jahrhundert zurückreichte, sowie ein zweibändiges Werk über die Schleswig-Holsteinische Geschichte (1851– 52). Beachtenswert, aber hierzulande kaum bekannt ist laut Professor Thomas Riis vom Historischen Seminar sein Werk über den Bürgermeister von Lübeck Jürgen Wullenwever und dessen Engagement im dänischen Bürgerkrieg 1534 – 1536) 1).

Georg Waitz wurde am 9. Oktober 1813 in Flensburg im Herzogtum Schleswig geboren und verbrachte dort seine Jugend. »Meine Familie stammt aber aus Hessen und weiter zurück aus Thüringen«, wie Waitz in seiner kurzen Autobiografie in seinem Werk »Deutsche Kaiser von Karl dem Großen bis Maximilian (1862)« schrieb. Bereits während seiner Zeit am Gymnasium entdeckte Waitz seine Liebe zur Geschichtsforschung. Er studierte von 1832 bis 1836 an den Universitäten Kiel und Berlin Geschichte, Rechtswissenschaften, Philosophie und Evangelische Theologie. Waitz ist einer der ersten Historiker, die eine moderne Historikerausbildung erhielten. Seit 1824 bot Leopold von Ranke (dt. Historiker 1795 –1886) seine revolutionierenden Übungen über Quellenkritik an, und durch seine Mitarbeit an den Monumenta Germaniae Historica lernte Waitz das Handwerk der Editionstechnik. Nach erfolgreich abgeschlossener Promotion verließ er 1836 Berlin, um in Hannover als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Georg Heinrich Pertz (dt. Historiker, 1795 – 1876) bei der zentralen Sammlung deutscher Quellen aus dem Mittelalter, den Monumenta Germaniae Historica, mitzuarbeiten. »Hier habe ich, mit Einschluß der auf längere Reisen verwandten Zeit, 5 1/2 Jahr verlebt, die mir höchst angenehm und förderlich gewesen sind.«

An den Verfassungskämpfen, die 1837 mit dem Regierungseintritt des hannoverschen Königs Ernst August II begannen, wirkte er nach eigenen Angaben mit. »Diese Jahre sind mir auch für die Bildung meiner politischen Ansichten in vieler Beziehung bedeutend gewesen.« Bei Reisen nach Göttingen lernte er Dahlmann sowie die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm kennen.

1842 wurde Waitz von der Universität Kiel zum ordentlichen Professor für Geschichte ernannt. Sein Amt an der CAU trat er im Oktober an. Kurz zuvor heiratete er Clara Schelling, eine Tochter des Philosophen Friedrich Wilhelm Schelling (1775 – 1854). In Kiel begann er, die ältere deutsche Verfassungsgeschichte zu untersuchen. 1844 erschien der erste, 1847 der zweite Band der »deutschen Verfassungsgeschichte «. Neben seinen Vorlesungen und literarischen Arbeiten übernahm Waitz wie seine Vorgänger und Nachfolger das Sekretariat der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte.

1846 wurde er Mitglied der Holsteinischen Ständeversammlung. Im selben Jahr war er Mitunterzeichner einer Erklärung an Christian VIII zur schleswigschen Erbfolgefrage, was ihm einen Verweis der dänischen Regierung einbrachte. Auch weiterhin setzte er sich für die Unteilbarkeit Schleswig-Holsteins und die Zugehörigkeit Schleswigs zum Deutschen Bund ein. Vom 18. Mai 1848 bis zum 20. Mai 1849 war Waitz für den Wahlkreis Kiel Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche, dort war er Mitglied des Verfassungsausschusses. Riis: »Waitz gehörte aber nicht zur ersten Reihe der politischen Bewegung wie etwa Dahlmann.«

Im Sommer 1847 erhielt er einen Ruf nach Göttingen; die Kieler Universität versuchte, ihn durch eine Gehaltserhöhung in Kiel zu halten, dieser Antrag wurde jedoch von der Regierung abgelehnt. Ostern 1848 verließ Waitz Kiel. Unter seiner Leitung erlangte das Historische Seminar an der Universität Göttingen weltweit eine hohe Anerkennung als »Göttinger historische Schule«, so hatte zum Beispiel der Gründer der französischen Revue Historique Gabriel Monod bei Waitz in Göttingen studiert. 1875 wurde Waitz Präsident der Monumenta Germaniae Historica. Am 24. Mai 1886 starb er in Berlin.

Kerstin Nees



1) Georg Waitz: Lübeck unter Jürgen Wullenwever und die europäische Politik, I-III, Berlin 1855 – 1856

Weitere Informationen: Stichwort Quellenkritik

Stichwort Quellenkritik


Traditionell unterscheidet sich die wissenschaftliche Geschichtsschreibung von ihren Vorläufern durch die Prinzipien der Quellenkritik, die zuerst von den Historikern Ranke und Niebuhr bewusst praktiziert wurden. Später haben andere Autoren, darunter Georg Waitz, diese Prinzipien weiter verfeinert. Unter Quellenkritik versteht man Methoden, mit deren Hilfe der jeweilige Erkenntniswert historischer Zeugnisse aufgedeckt werden soll. Sie zielt darauf ab, die Entstehung des historischen Quellenmaterials zu rekonstruieren. Nach dem Motto: Texte versteht man, indem man sie in ihre Kontexte zurückversetzt.

In die Geschichtsschreibung sollten nur Quellen übernommen werden, deren Aussagen mit den Prinzipien der Quellenkritik geprüft wurden. Bewährt hat sich dabei auch die gegenseitige, vergleichende Kontrolle der Quellen untereinander. Wenn verschiedene Quellen unabhängig voneinander dieselben Tatsachen berichten, so gelten diese als gesichert.

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