Christian-Albrechts-Universität zu Kiel


Große Forscher und Forscherinnen von der Förde:

Max Planck


Vier Jahre lehrte der Physik-Nobelpreisträger Max Planck als außerordentlicher Professor für Theoretische Physik an der Landesuniversität.


Hätte der hochbegabte Abiturient Max Planck 1874 auf den Münchner Physik-Professor Philipp von Jolly gehört, dann wäre ihm 44 Jahre später sicher nicht der Nobelpreis für Physik übergeben worden. Denn von Jolly riet dem damals 16-jährigen Planck, sich einem anderen Fach zuzuwenden, weil es in der Physik angeblich nur noch Detailarbeit für Geister zweiter Ordnung zu erledigen gebe. In der Küterstraße 17 in Kiel, gleich neben der Landesbank, steht ein Gedenkstein für Max Planck, den Begründer der Quantentheorie. Dort befand sich sein Geburtshaus. Max Karl Ernst Ludwig Planck wurde am 23. April 1858 in Kiel geboren. Sein Vater war Universitätsprofessor in der dritten Generation und lehrte Zivilrecht an der hiesigen Universität. 1866 trat Max Planck in die Sexta der Kieler Gelehrten-Schule ein. Doch schon bald verließ die Familie die Stadt, der Vater folgte einem Ruf nach München.

Wäre Planck nicht als Physiker berühmt geworden, dann vielleicht als Musiker. Als Schüler sang er in großen Oratorien Sopran, daneben spielte der Zeit seines Lebens tief religiöse Planck in Gottesdiensten Orgel. Er soll erwogen haben, Musik zu studieren. Doch Planck entschied sich für das Physikstudium in München und Berlin. 21-jährig legte er in München seine Dissertation »Über den zweiten Hauptsatz der Wärmetheorie« vor. Bereits ein Jahr später folgte die Habilitation.

Seine erste Professorenstelle erhielt er im Winter 1885/86 – in Kiel. Für 2000 Reichsmark im Jahr lehrte er Theoretische Physik. In den Berufungsakten äußert sich der damalige Ministerialdirektor Althoff: »Herr Planck hat auf mich einen äußerst günstigen Eindruck gemacht, sowohl durch sein bescheidenes Wesen wie durch seine Klarheit und Bestimmtheit in der Erörterung wissenschaftlicher Probleme.«

In Berlin wurde Planck 1889 ordentlicher Professor, wo er bis zu seiner Emeritierung 1926 verblieb. Während des Nationalsozialismus' organisierte Planck als Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft sowie als Vorsitzender »Sekretar« der Preußischen Akademie der Wissenschaften die Wissenschaftsgelder. Das Regime der Nationalsozialisten betrachtete er als ein vorübergehendes Phänomen. Offene Konfrontationen mit der Partei und Regierung vermied er. Sein Ziel war es vielmehr, ein tragfähiges Fundament für die deutsche Wissenschaft nach dem von ihm vorausgesehenen Zusammenbruch des Nationalsozialistischen Regimes zu schaffen.

Die Kieler Universität besuchte Planck 1944 noch einmal, dabei verlieh man ihm den Titel eines Ehrensenators. Kurz darauf musste er, dessen ältester Sohn im Ersten Weltkrieg vor Verdun gefallen war, erleben, wie sein jüngster Sohn als Beteiligter an den Ereignissen vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurde. Trotzdem fand der fast Neunzigjährige die Kraft, im ersten Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg von Göttingen aus die Reorganisation der Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft in die Wege zu leiten, deren Nachfolgeorganisation 1946 als »Max- Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in der britischen Zone« neu gegründet werden konnte. Heute unterhält die Max-Planck-Gesellschaft 80 Forschungsinstitute im In- und Ausland. Max Planck starb am 4. Oktober 1947 in Göttingen, nachdem er im gleichen Jahr zum ersten Ehrenbürger der Landeshauptstadt Kiel ernannt worden war.

Sandra Lumma



Wärmelehre, Quantensprung und Strahlungsgesetze


Als Planck seine Tätigkeit in Kiel aufnahm, war die Theoretische Physik noch kein allgemein etabliertes akademisches Fach. Der Vorlesungszyklus, den er damals einführte und von 1897 an als Lehrbuchreihe herausgab, reichte von der Mechanik über die Wärmelehre, die Elektrodynamik und die Optik bis hin zu der eben entstehenden Atomphysik. Er hatte innerhalb der jungen Disziplin paradigmatische Wirkung und bestimmt weltweit bis heute den Lehrbetrieb an Hochschulen und Universitäten.

Von den großen physikalischen Entdeckungen Plancks ist vor allem der »Quantensprung« in aller Munde. Im übertragenen Sinne ist er Ausdruck für jede Art von plötzlichem Fortschritt, ursprünglich stand er für eine physikalische Revolution. Der Quantensprung bezeichnet in der Physik den sprunghaften Übergang (es gibt keine Zwischenzustände) eines Systems aus einem Energiezustand in den nächsten. Dieser Übergang ist winzig klein.

Wie andere Physiker vor ihm beschäftigte sich Planck mit der Wärmestrahlung, also mit der Tatsache, dass erhitzte Körper Strahlen aussenden. Vor allem beschäftigte ihn die damals viel diskutierte, aber allen Lösungsversuchen trotzenden Frage nach der Verteilung der Energie auf die verschiedenen Farben der Spektren, die ein Körper in Abhängigkeit von seiner Temperatur aussendet. Ende 1900 gelang ihm schließlich die Ableitung eines allgemeinen Gesetzes für die Strahlung eines schwarzen Körpers. Zu den Prämissen, die in seine Lösung eingingen, gehörte insbesondere, dass nicht nur die Materie, sondern auch die Energie, die von den Atomen und Molekülen aufgenommen bzw. abgegeben wird, nicht kontinuierlich aufteilbar, sondern gequantet ist. Diese Prämisse wirkte so überraschend, dass man Plancks Formel zwar akzeptierte, der Abteilung zunächst aber nicht traute und ihm der Nobelpreis erst mit einiger Verzögerung verliehen wurde. Plancks Konzept der Energiequanten widersprach der ganzen bisherigen Physiktheorie und begründete ein neues Gebiet, die Quantenphysik.

Ein für sein ganzes Forscherleben wichtiges Gebiet fand Planck in der Wärmelehre. Mit seinen thermodynamischen Studien trug Planck wesentlich zur theoretischen theoretischen Begründung und begrifflichen Fundierung der physikalischen Chemie bei. Wenig bekannt ist, dass ihm in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts ein theoretischer Nachweis für die Existenz von elektrisch geladenen Teilchen unterschiedlicher Polarität in leitenden Lösungen gelang. Auch die Chemiker Jacobus Henricus Van't Hoff, Svante August Arrhenius und Wilhelm Ostwald hatten diesen Nachweis geführt, wenn auch mit völlig anderen Methoden, und später den Nobelpreis der Chemie erhalten.

1910 leistete Planck mit einer Präzisierung des Nernstschen Wärmetheorems, bei dem es um das physikalisch-chemische Verhalten von Systemen am absoluten Nullpunkt geht, einen letzten großen Beitrag zur Weiterentwicklung der Physik.

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