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Nr. 94, 31.03.2018  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Pharmazie mit Forschungsdrang

Wer Pharmazie studiert, ist später oft in einer Apotheke tätig. Und in bis zu 20 Prozent der Fälle auch in Wissenschaft und Forschung. Für diese Zielgruppe bietet die Uni Kiel einen besonderen Studiengang an.


Lea Petersen und Patrick Indorf bei der Arbeit im Labor. Für Master-Stu­dierende der Arzneimittelforschung ist das im zweiten Semester der wic­htigste Aufenthaltsort. Foto:  Martin Geist

Studierende der Pharmazie machen hierzulande in aller Regel immer noch ein Staatsexamen. Das entsprechende Studium ist allerdings vom Gesetzgeber stark reglementiert und lässt relativ wenig Raum für die Forschung, erläutert Professor Eric Beitz von der Pharmazeutischen Chemie. Als eine der wenigen Hochschulen in Deutschland schuf die Uni Kiel deshalb zwecks Förderung des Forschungsdrangs schon vor vielen Jahren einen Diplom-Studiengang in Arzneimittelforschung. Im Wintersemester 2014/15 wurde daraus ein Masterstudiengang.

In mancherlei Hinsicht haftet diesem Studiengang, den an der Uni Kiel pro Jahr gut 15 Personen wählen, etwas Exotisches an. Während in fast allen anderen Disziplinen der Weg zum Master­abschluss über vier Semester führt, sind es in der Arzneimittelforschung nur zwei. Viel strikter als üblich ist außerdem der Zugang geregelt: Aufgenommen werden kann nur, wer bereits das zweite Staatsexamen in Pharmazie in der Tasche hat. Und eher speziell stellt sich die Sache auch nach dem erfolgreichen Masterabschluss dar.

Fast alle, die diesen Schritt schaffen, legen auch das an ein prak­tisches Jahr in der Apotheke gekoppelte dritte Staats­examen ab, denn allein dieser Abschluss bedeutet die Appro­bation zur Apothekerin oder zum Apotheker.

Der Abschluss in Arzneimittelforschung ist insofern nach den Worten von Beitz nichts anderes als ein »erweiterter berufsqualifizierender Abschluss«. Dabei zeigt das Beispiel von Lea Petersen, dass dieser Abschluss auch andere nützliche Seiten haben kann. »Ich will herausfinden, ob ich promovieren möchte«, beschreibt die Studentin ihre Motivation. Über lange Zeit akribisch an einer wissenschaftlichen Fragestellung arbeiten, und das oft genug allein im stillen Kämmerlein, dafür ist schließlich nicht jede und jeder geschaffen. Wie alle Studierenden der Arzneimittelforschung hat sich Lea Petersen im ersten Semester den wichtigen Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens gewidmet und auch Englisch für Naturwissenschaften gelernt. Derart gewappnet ist sie jetzt im zweiten Semester vorzugsweise im Labor anzutreffen. In der Malariaforschung will sie herausfinden, ob ein einzelnes Protein daran schuld ist, dass Erkrankte teilweise nicht auf bestimmte Medikamente ansprechen.

Schon etwas weiter ist Patrick Indorf. Er hat gerade erst seinen Master gemacht und ist sehr zufrieden mit seiner Entscheidung. »Das macht den Übergang in die Forschung etwas einfacher«, meint der Pharmazeut, für den von vornherein feststand, dass er promovieren will. Dieser gewöhnlich drei bis vier Jahre währende Weg steht ihm jetzt offen. Und Indorf hat ein gutes Gefühl, weil er dank des Masterstudiums schon recht genau weiß, worauf er sich einlässt.

Auch Patrick Indorf ist damit ein sehr typischer Masterstudent, denn nach Erfahrung von Eric Beitz machen sich so gut wie alle Absolventinnen und Absolventen anschließend an ihre Doktorarbeit. Was danach passiert, gestaltet sich dann aber wirklich sehr verschiedenartig. Teilweise bleiben die Promovierten im wissenschaftlichen Forschungsbetrieb einer Hochschule, teilweise wechseln sie in die Industrie oder arbeiten in einer Apotheke. Gemeinsam ist dem Pharmazienachwuchs aber laut Beitz so oder so: »Sorgen um seine berufliche Zukunft muss sich niemand machen.«

Martin Geist
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