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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Universität Kiel und Nationalsozialismus

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Die "Machtergreifung" in der Kieler Universität





Spätestens ab 1933 versuchten die Nationalsozialisten, in alle Bereiche des Bildungswesens hineinzuwirken. Die Erziehung der Jugend "im Geiste des Nationalsozialismus" sollte erreicht werden, indem man Lehrpläne umstellte und "nicht-arische" Schüler anhand des "Gesetzes gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen" vom Unterricht ausschloss. Sowohl die Jugend wie auch die Lehrerschaft wurden außerdem in nationalsozialistischen Organisationen wie Hitlerjugend und Nationalsozialistischem Lehrerbund (NSLB) erfasst.

Die nationalsozialistische Bildungspolitik betraf auch die Universitäten. Professuren wurden zum Teil unter Missachtung akademischer Qualitäten nach politischen Gesichtspunkten vergeben, Habilitationsordnungen umgestaltet sowie Studentenschaft und Lehrkörper gleichgeschaltet. Bis 1938 wurde etwa ein Drittel der Hochschullehrer von deutschen Universitäten entfernt. In Kiel begann dieser Prozess im Frühjahr 1933 mit der von studentischer Seite organisierten "Aktion wider den undeutschen Geist". Ihr propagandistischer Höhepunkt war die Verbrennung beschlagnahmter Literatur im Rahmen der reichsweiten Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933.

Ideologie und Politik der Nationalsozialisten trafen an den Universitäten nicht nur auf breite Anpassungsbereitschaft, sondern teilweise auch auf aktive Unterstützung durch Hochschulangehörige. Schon 1933 hatte der "Verband der deutschen Hochschulen" die nationalsozialistische Machtübernahme begrüßt.

Auch die deutsche Studentenschaft war von der nationalsozialistischen Hochschulpolitik betroffen. So wurde beispielsweise die Anzahl Studierender bis 1939 stark reduziert: von 100.000 Studenten im Jahre 1933 auf 58.000 im Jahre 1939. Insbesondere der Anteil an Studentinnen sollte hierbei durch eine Maximalquote verringert werden – die nationalsozialistische Ideologie sah in der Frau in erster Linie die Mutter zukünftiger "arischer" Kinder. Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) war außerdem an den Universitäten schon vor 1933 etabliert, wobei die Kieler Studentenschaft eine der ersten war, die einen Nationalsozialisten zum Vorsitzenden hatte.

Im Gegensatz zu Kollegen ist der Geschichtswissenschaftler Frank-Michael Kuhlemann der Meinung, dass trotz des geringen Widerstands an den deutschen Universitäten nicht von einem gänzlichen Erfolg der nationalsozialistischen Hochschulpolitik ausgegangen werden kann. Gegen eine vollständige Durchdringung der deutschen Studentenschaft sprechen der anfängliche Fortbestand nicht-nationalsozialistischer studentischer Organisationen und die teilweise offen geäußerte Kritik an Partei und "Führer", beispielsweise durch die Widerstandsgruppe der "Weißen Rose" in München, deren Kern Studenten um die Geschwister Scholl bildeten.

Auch unter den Hochschullehrern zeigte sich Kuhlemann zufolge teilweise Widerstandsgeist. So sprach sich zum Beispiel 1933 eine Gruppe von Theologen gegen die Anwendung des sogenannten "Arierparagraphen"(§ 3 im Gesetz zu Wiederherstellung des Berufsbeamtentums) innerhalb der Kirche aus – unter ihnen auch ein Kieler Professor.
sas


Nationalsozialismus in den Fakultäten der Universität Kiel:



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