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Professor Dr. Gerhart Husserl

geb. 22. Dezember 1893 in Halle/Saale; gest. 9. September 1973 in Freiburg/Breisgau
Einrichtung: Römisches Recht, Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht, Rechtsphilosophie


Nach seiner Habilitation in Bonn wird der 33-jährige Gerhart Husserl 1926 Ordinarius in Kiel, wo er an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät lehrt. Aufgrund seiner "nicht-arischen" Abstammung gemäß dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums"(BBG) wird er am 25. April 1933 wie viele seiner Kollegen mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Trotz der Ausnahmeregelung im BBG für Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg darf Gerhart Husserl, der sogar ausgezeichnet worden war, nicht im Amt bleiben.

Im Herbst 1933 soll er nach Göttingen zwangsversetzt werden, aber die dortige Universität lehnt es ab, ihn zu beschäftigen. Daraufhin wird er nach Frankfurt/Main an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät versetzt. Seinen Lehrstuhl in Kiel nimmt nun Karl Larenz (1903 bis 1993) ein, der zu den führenden Mitgliedern der "Kieler Schule" gehört, die die nationalsozialistische Doktrin, völkisches Denken und Rassenideologie im Recht verankern wollen.

Im Oktober 1934 bittet Husserl in Frankfurt um seine Emeritierung, in der Hoffnung, durch diesen Schritt zumindest noch dem Lehrkörper weiter angehören zu können. Zu diesem Zeitpunkt ist er gerade 40 Jahre alt. Zum 31. Dezember 1935 wird der Rechtswissenschaftler auf Grundlage der Nürnberger Gesetze in den Ruhestand versetzt. Im Februar darauf wird ihm die Lehrerlaubnis entzogen, so dass er jeder beruflichen Perspektive beraubt ist. Acht Monate nach Entzug der Lehrerlaubnis emigriert er in die Vereinigten Staaten, wo er 1941 amerikanischer Staatsbürger wird.

Von 1940 bis 1948 lehrt er an der Universität Washington. Anschließend arbeitet er als Berater für Rechtsangelegenheiten im US-Hochkommissariat für Deutschland. 1952 kehrt er in die Bundesrepublik zurück und strengt ein Wiedergutmachungsverfahren an. Die Universität Frankfurt zahlt ihm daraufhin die Emeritusbezüge rückwirkend ab 1950. In den folgenden Jahren lehrt er als Gastprofessor an den Universitäten Köln und Freiburg, bevor er sich aus dem Berufsleben zurückzieht.
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
Döhring, Erich: Geschichte der Juristischen Fakultät 1665 bis 1965 (Geschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel 1665-1965, 3.1). Kiel 1965.
DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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