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Professor Dr. Jens Peter Jessen

11. Dezember 1895 in Stoltelund bei Tondern, gest. 30. November 1944 Berlin-Plötzensee [hingerichtet]
Einrichtung: Ökonomie


Nach dem Abitur am Gymnasium in Flensburg kämpft der 19-jährige Jens Jessen im Ersten Weltkrieg, aus dem er schwer verwundet zurückkehrt. Trotzdem studiert er ab 1917 Wirtschaftswissenschaften in Hamburg und in Kiel, wo er 1920 über "Handelskauf nach nordischem Recht" promoviert. Nach Auslandsaufenthalten habilitiert er sich 1927 in Göttingen mit einer Arbeit über "Agrarprobleme in Argentinien". 1932 wird er außerordentlicher Professor in Göttingen, 1933 wechselt er als Professor für Volkswirtschaft nach Kiel an das Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr.

Seit 1930 Mitglied der NSDAP, ist der Ökonom zunächst von der nationalsozialistischen Ideologie überzeugt, gerät nach der Machtergreifung jedoch zunehmend in Konflikt mit dem Regime. Wie sein Sohn Uwe Jessen in einem Interview erklärt, erlebte sein Vater in Kiel, dass Parteiorgane und Geheime Staatspolizei außerhalb der eigenen Gesetze handelten, wogegen sich Jessen sofort gewandt habe. Er wird zum 1. Oktober 1934 nach Marburg versetzt.

Ein Jahr später wird er an die Wirtschaftsfachhochschule Berlin berufen. Nach nur einem Jahr wechselt er an die Universität Berlin. Jens Jessen wird Mitglied der Berliner Mittwochsgesellschaft, die sich kritisch mit den ethischen und staatsrechtlichen Aspekten des Dritten Reichs beschäftigt. Dort kommt er auch in Kontakt mit der Widerstandsgruppe um Ludwig August Theodor Beck, Carl Friedrich Goerdeler und Johannes Popitz. Außerdem verhilft er seinem Kieler Kollegen Richard Kroner zur Flucht.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944, an dessen Planung er maßgeblich beteiligt ist, wird Jessen im Herbst verhaftet. Am 7. November desselben Jahres findet vor dem Volkgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler die Verhandlung statt, welche mit seiner Verurteilung zum Tode endet. Am 30. November wird Jessen hingerichtet.
ba


Literaturangaben

  • DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].
  • Esch, Christian; Speicher, Stefan: Für meinen Vater war es eine rein politische Frage. Interview mit Uwe Jessen in Berliner Zeitung vom 20.7.2004, S. 23,
    www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/0720/feuilleton/0010
  • Molzow, Hartwig: Jens Peter Jessen, in: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Bd. 12 (2006), S. 235-243.
  • Schlüter-Ahrens, Regina: Der Volkswirt Jens Jessen. Leben und Werk, Marburg 2001
  • Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.



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