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Professor Dr. Richard Kroner

geb. 8. März 1884 in Breslau, gest. 2. November 1974 Schloss Mammern/Bodensee
Einrichtung: Philosophie


Richard Kroner studiert nach seinem Abitur Philosophie und Literaturwissenschaft in Breslau, Berlin und Heidelberg. Mit 24 Jahren promoviert er bei Heinrich Rickert, bevor er sich zehn Jahre später, 1912, in Freiburg habilitiert. Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er mit dem Eisernen Kreuz Erster und Zweiter Klasse ausgezeichnet wird, kehrt er nach Freiburg zurück. Dort veröffentlicht er 1921 den ersten Band seines Hauptwerkes "Von Kant bis Hegel". Kroner, Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift Logos und Präsident der Hegel-Gesellschaft, wird 1928 als Professor nach Kiel berufen.

Der Wissenschaftler, der seiner Konfession nach Christ ist, kann wegen seiner Teilnahme im Ersten Weltkrieg nach der Machtergreifung vorerst im Amt bleiben, obwohl er nach dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums"(BBG) als Jude gilt. Am 15. Januar 1934 kommt es zu einem massiven Zwischenfall: Studenten sprengen seine Vorlesung, da sie sich an seiner Abstammung stören. Die Universitätsleitung verspricht eine Untersuchung des Vorfalls, die jedoch ohne Konsequenzen für die Schuldigen bleibt. Von den Kieler Kollegen stellen sich einzig der Volkswirtschaftler Jens Jessen und der Kriminologe Hans von Hentig hinter ihren Kollegen. Daraufhin verschicken Kroners Studenten ihr Protokoll an alle namhaften Philosophen Deutschlands. Nur Theodor Litt und Eduard Spranger reagieren mit Briefen an Kroner.

Am 11. Februar 1934 veröffentlicht die in Prag erscheinende Emigranten-Zeitung "Neues Vorwärts" einen Artikel mit der Überschrift "Idealismus verboten. Der Präsident des Hegel-Bundes muss gehen". Kroners Stellung verschlechtert sich daraufhin rasant. Noch im selben Jahr wird er nach Frankfurt/Main zwangsversetzt, wo der Rektor dem damals 50-jährigen Kroner den Rat gibt, einen Antrag auf Emeritierung zu stellen, was Kroner tut.

Nach den Novemberpogromen 1938 verschafft ihm sein alter Kollege aus Kiel, Professor Jessen, einen Pass, so dass Kroner mit seiner Frau nach England emigrieren kann. Dort lehrt er drei Jahre in Oxford, bis er 1941 in die USA geht, wo er am Union Theological Seminar in New York arbeitet. Nach dem Krieg wird Kroner in Kiel als Emeritus geführt und erhält die ihm zustehenden Bezüge. Er stirbt am 2. November 1974 und ist in Richmond, England, beigesetzt.
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991..
Asmus, Walter: Richard Kroner. Ein Philosoph und Pädagoge unter dem Schatten Hitlers. Frankfurt/M., Bern, New York, Paris 1990.



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