Psychologische Untersuchungen der Farbwahrnehmung: Das Phänomen der Farbkonstanz

Jürgen Golz
Institut für Psychologie, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Menschen besitzen - ebenso wie viele andere Spezies – die Fähigkeit, die Farbe von Objekten auch unter wechselnden Beleuchtungen als annähernd konstant wahrzunehmen. In Anbetracht der Tatsache, dass der visuelle Input für die Farbe eines Objektes, die spektrale Energieverteilung des zum Auge gelangenden Lichtes, sowohl von der spektralen Reflektanzeigenschaften der Oberfläche des Objektes als auch von der spektralen Energieverteilung der Beleuchtung abhängt und sich daher für dasselbe Objekt unter verschiedenen Beleuchtungen erheblich unterscheiden kann, stellt die Fähigkeit der Farbkonstanz eine erstaunliche Leistung des Wahrnehmungssystems dar. Trotz intensiver wahrnehmungspsychologischer Forschung entzieht sich die Farbkonstanz - im Unterschied zu vielen eher sinnesphysiologischen Fragen der Farbkodierung - bis heute einem befriedigenden wissenschaftlichen Verständnis. In diesem Vortrag werde ich zunächst das Phänomens der Farbkonstanz eingehender erläutern und dann an ausgewählten Beispielen theoretische Ansätze und empirische Befunde zu seiner wahrnehmungspsychologischen Erforschung vorstellen.