Wahrgenommene räumliche Objekttrennung führt zur Abschwächung des Chevreul-Effekts.

Nick Schlüter & Jürgen Golz
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Psychologie

Der Chevreul-Effekt wurde bisher hauptsächlich mit Hilfe von Modellen erklärt, die auf monokularen Intensitätsverrechnungen beruhen, wie beispielsweise der lateralen Inhibition. Die Ergebnisse der vorliegenden experimentellen Untersuchung lassen solche Erklärungsansätze unplausibel erscheinen. Es wurden mehrere verschiedene Chevreul-Stimuli, bestehend aus mehreren Luminanzstufen, generiert und stereoskopisch dargeboten, die sich in Hinblick auf die durch sie hervorgerufenen dreidimensionalen Interpretationen unterschieden. In einigen Stimuli schienen sich die aus den Luminanzstufen gebildeten Objekte an ihren Kanten zu berühren, in anderen wirkten die Objekte als räumlich voneinander getrennt. Es zeigte sich, dass die Wahrnehmung einer räumlichen Objekttrennung zu einer deutlichen Abschwächung des Chevreul-Effekts führte. Der Grad der Abschwächung hing dabei positiv von der wahrgenommenen Prägnanz der Objekttrennung ab. Des Weiteren wurde ein Erklärungsansatz diskutiert, der die Helligkeitswahrnehmung als einen mehrstufigen Prozess auffasst. Dieser Ansatz bietet sowohl für die Entstehung des Chevreul-Effekts im normalen Chevreul-Stimulus als auch für die Abschwächung in Szenen mit wahrgenommener Objekttrennung mögliche Erklärungen.