Chemie ist eine echte Querschnittswissenschaft
Interview mit Professor Friedrich TempsMehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zum Fach Chemie gibt Studienfachberater Professor Friedrich Temps im Gespräch mit Martin Geist.
Friedrich Temps (53) ist Studienfachberater für Chemie und widmet sich als Wissenschaftler vor allem der Physikalischen Chemie. Chemische Verbindungen und Prozesse werden dabei mit Lasern und anderen physikalischen Methoden analysiert. Foto mag
Sehr allgemein ausgedrückt befasst sich die Chemie mit den Eigenschaften von Stoffen. Das sind oft Verbindungen, die uns im Alltag ständig begegnen, also etwa Reinigungs- oder Waschmittel, Arzneimittel, Kleidungsstücke mit ihren Fasern oder auch einfach die Luft, die wir alle atmen. Dann gibt es natürlich noch viele moderne Anwendungen. Die Herstellung von Solarzellen – um nur eine zu nennen – wäre ohne Chemie nicht denkbar. Inhaltlich gliedert sich das Fach in organische, anorganische und physikalische Chemie auf. Alle drei Richtungen werden unseren Studierenden vom ersten Semester an vermittelt. Wegen ihrer inhaltlichen Breite ist die Chemie eine echte Querschnittswissenschaft.
Welche Berufe stehen Chemikern offen?
Interessanterweise beobachten wir seit langer Zeit so etwas wie eine Vierviertel-Struktur. Arbeitsplätze warten jeweils zu etwa gleichen Teilen in der chemischen Großindustrie, in mittelständischen und kleinen Betrieben gerade auch in der Region nördlich von Hamburg, in Behörden und öffentlichen Einrichtungen und schließlich in der wissenschaftlichen Forschung. Grundsätzlich ist der Arbeitsmarkt für Chemiker seit Mitte der 90er Jahre sehr gut, momentan werden einem die Absolventen sogar aus den Händen gerissen. Auch für die Zukunft ist zu erwarten, dass die Nachfrage groß bleiben wird.
Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfänger in der Chemie aufsitzen?
Ein beliebter Spruch lautet: Chemie ist das, was knallt und stinkt. Aber das ist Unfug. Wenn es knallt, hat man irgend etwas mit der Sicherheit falsch gemacht, und wenn es stinkt, die Sorgfalt der Umwelt gegenüber vernachlässigt. Das Bestreben, sauber und sicher zu arbeiten, ist in der modernen Chemie tatsächlich von ganz großer Bedeutung. Unterschätzt wird von unseren Studierenden teilweise auch die Bedeutung einer breiten Ausbildung. Ein Leistungskurs in Chemie muss nicht einmal unbedingt sein. Aber gute Kenntnisse in Mathematik, Physik und Englisch sind unerlässlich.
Wie sind Sie selber zur Chemie gekommen?
Ich war schon von klein auf naturwissenschaftlich interessiert und wollte eigentlich einmal Physik studieren. Dann bekamen wir in der Schule einen Chemielehrer, der eine tolle Arbeitsgemeinschaft anbot und sein Wissen hervorragend vermitteln konnte. Also habe ich Chemie studiert und mich dann später passend zu meinem ersten Wunsch auf Physikalische Chemie spezialisiert.
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