Steckbrief Studienfächer | zur Druckfassung
Empirische Sprachwissenschaft ist die Zusammenführung von Sprache, Signal, Gehirn und digitalen Techniken
Interview mit Professor Oliver NiebuhrMehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zur Empirischen Sprachwissenschaft gibt Studienfachberater Professor Oliver Niebuhr im Gespräch mit Martin Geist.
Oliver Niebuhr (Jahrgang 1977) ist Juniorprofessor für die Analyse gesprochener Sprache am Seminar für Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft und befasst sich wissenschaftlich gern mit dem Thema Sprachmelodie und der sogenannten verschliffenen Sprache, die beispielsweise aus dem Guten Abend "n'Abmp" macht. Foto mag
Zunächst handelt es sich um einen Zwei-Fach-Bachelor, der gern zusammen mit Anglistik, Romanistik oder einer anderen Sprache, aber auch immer wieder mit Pädagogik, Psychologie, Musikwissenschaft oder Philosophie studiert wird. Unser Studiengang ist stark interdisziplinär angelegt und soll dazu befähigen, sprachliche Kommunikation auf allen Ebenen zu verstehen, von der Beschreibung von Wortbedeutungen bis hin zum Ausdruck von Emotionen. Dabei geht es nicht nur um die geschriebene Sprache, sondern auch um die gesprochene Sprache, die hier in Kiel ein regelrechter Schwerpunkt ist. Gesprochene Sprache unter möglichst natürlichen Bedingungen aufzunehmen, digital zu analysieren und dann zu untersuchen, wie Wörter, Intonationen und grammatische Konstruktionen beim Ausdruck von Bedeutungen zusammenwirken, all das gehört zu diesem Komplex. Berührungspunkte zu Psychologie, Soziologie, Pädagogik und genauso zur Informatik liegen da auf der Hand. Deutsch ist übrigens bei weitem nicht die einzige Sprache, mit der wir uns beschäftigen. In Forschung und Lehre werden genauso Sprachen wie Indonesisch, Arabisch, Hindi oder Samoanisch thematisiert.
Welche Berufe stehen Nachwuchskräften in der Empirischen Sprachwissenschaft offen?
Das ist sehr breit gestreut. Manche landen durchaus in der Informatik und befassen sich mit Systemen zur Sprachsteuerung oder mit sprechenden Maschinen wie Navigationsgeräten. Andere gehen in die Forschung, ins Verlagswesen, arbeiten als Übersetzer, Dolmetscher, Aussprache-Trainer oder in der Pädagogik. Auch die Dokumentation sehr seltener oder bedrohter Sprachen ist ein Handwerk, das man bei uns lernt. In diesem Bereich gibt es immer wieder größere Projekte, die Arbeitsplätze bieten.
Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfängerinnen und -anfänger in der Sprachwissenschaft aufsitzen?
Das größte Missverständnis liegt wohl darin, dass die Studierenden glauben, wir funktionieren wie der Duden und sagen, was richtig und was falsch ist. Gegenstand unseres Faches ist aber das, was die Leute sagen. Und wenn es grammatikalisch und lautlich noch so weit weg vom Standard ist. Auch die Ansicht, dass Sprache nur eine Verkettung von Buchstaben ist und die damit einhergehende vermeintliche Höherwertigkeit der geschriebenen gegenüber der gesprochenen Sprache sind Phänomene, die uns immer wieder teilweise sehr hartnäckig begegnen. Dem wirken wir genauso hartnäckig entgegen: Unser Geschäft ist nicht der wertende, sondern der wissenschaftliche Blick auf ein Instrument zwischenmenschlicher Interaktion.
Wie sind Sie selber zur Sprachforschung gekommen?
Eigentlich hatte ich mich zuerst für etwas in der Art von Germanistik interessiert. Doch dann entdeckte ich einen Flyer des Instituts für Phonetik und digitale Sprachverarbeitung. Davon war ich auf Anhieb fasziniert. Das Zusammenführen von Sprache, Signal, Gehirn und digitalen Techniken reizte und reizt mich bis heute.
Mehr über das Studium der Empirischen Sprachwissenschaft unter:
Zuständig für die Pflege dieser Seite:
Pressestelle der Universität,
presse@uv.uni-kiel.de
