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Distanzierter Blick auf die Kultur des Alltags
Interview mit Professorin Silke Göttsch-EltenMehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zum Fach Europäische Ethnologie/Volkskunde gibt Studienfachberaterin Professorin Silke Göttsch-Elten im Gespräch mit Martin Geist.
Silke Göttsch-Elten (57) ist Studienfachberaterin für Europäische Ethnologie/Volkskunde und befasst sich mit Wissensforschung, den nationalen Identifikationen in der deutsch-dänischen Grenzregion zwischen 1850 und 1930 und der Alltagskultur des 18. Jahrhunderts. Foto CAU
Wir befassen uns mit der Alltagskultur im europäischen Raum und legen dabei den Schwerpunkt auf Deutschland. Die benachbarten Länder müssen dabei schon deshalb mitbetrachtet werden, weil es rein nationale Kulturen heutzutage kaum noch gibt. Allgemein ausgedrückt ist unser Thema das kulturelle Handeln der Menschen und auch die Art und Weise, wie sie ihre Welt deuten. Das kann an der Kultur des Kaffeetrinkens festgemacht werden, an den Szenen der Jugendkultur, am Siegeszug des Döners oder anderen Einflüssen von Migrantenkultur und zunehmend auch an der Eventkultur in Städten. Bei all dem nimmt unsere Disziplin auch eine historische Perspektive ein, die in der frühen Neuzeit beginnt.
Welche Berufe stehen den Absolventen der Volkskunde und Europäischen Ethnologie offen?
Die klassischen Felder finden sich in Museen, an den Universitäten und in Forschungseinrichtungen. Viele unserer Studierenden finden außerdem Jobs in den Medien und in der öffentlichen Kulturarbeit, beispielsweise Volkshochschulen. Der Arbeitsmarkt ist so gesehen sehr breit und das Studium keineswegs brotlos. Leute, die wirklich gut sind, kommen auch in angemessenen Positionen unter.
Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfänger in Europäischer Ethnologie/Volkskunde aufsitzen?
Na ja. Jeder hält sich eben irgendwie für einen Experten des Alltags. Ich bezeichne das gern als „Tanten-Empirie“, die nicht mehr zu vollbringen vermag, als an der Oberfläche zu kratzen. Um kulturelle Phänomene wirklich zu verstehen, ist aber Distanz wichtig. Da muss man das Geschehen wirklich so betrachten wie ein Ethnologe, der zum allerersten Mal das seltsam anmutende Gebaren eines Eingeborenenstamms beobachten darf. Methodenkompetenz ist ähnlich wichtig: Von der Literaturanalyse bis zur Feldforschung arbeiten wir mit einem breiten Spektrum an Mitteln, die genauso zum Handwerkszeug gehören wie gute Fremdsprachenkenntnisse.
Wie sind Sie selber zur Volkskunde gekommen?
Durch Zufall. Ich studierte eigentlich auf Lehramt und rutschte 1972 über einen Kommilitonen in eine Norwegen-Exkursion der Volkskundler hinein. Dabei lernte ich diese alltagsnahe Perspektive auf das Leben von Menschen kennen und war total begeistert. Also sattelte ich um und wurde die vierte Studentin, die in Kiel überhaupt Volkskunde als Hauptfach studierte.
Mehr über das Studium unter:
- Studieninformationsblätter Europäische Ethnologie/Volkskunde
- Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Universität Kiel
- Fach-Guide Europäische Ethnologie/Volkskunde (in Vorbereitung)
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