CAU - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Friesische Philologie ist auch ein Fach für Bayern und Schwaben

Interview mit Professor Jarich Hoekstra

Mehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zur Friesischen Philologie gibt Studienfachberater Professor Jarich Hoekstra im Gespräch mit Martin Geist.

Welche Inhalte stehen genau hinter der Friesischen Philologie?

Es handelt sich um ein Sprachenfach wie jedes andere auch. Genauso wie in der Anglistik oder Romanistik geht es um das Erlernen von Sprache und um das Verständnis ihrer kulturellen und geschichtlichen Hintergründe. Die Besonderheit an der Frisistik ist, dass wir es mit einer Minderheitensprache zu tun haben. In Westfriesland, das in den Niederlanden in der Region um Groningen liegt, sprechen etwa 300.000 Menschen friesisch. Auf der deutschen Seite, also in Nord- und Ostfriesland, sind es noch etwa 10.000. Das legt wissenschaftlich einige besondere Aspekte nahe. Die Bedrohungssituation und die Frage, warum das Friesische in manchen Gegenden ausgestorben ist, in anderen aber weiterlebt, spielen eine wichtige Rolle. Entsprechend bedeutend sind im Studium sprachsoziologische und sprachpolitische Inhalte.

Welche Berufe stehen Nachwuchskräften in Friesischer Philologie offen?

Dazu muss man zunächst wissen, dass Friesisch grundsätzlich als Zwei-Fach-Bachelor studiert wird. Oft wählen unsere Studierenden Skandinavistik als zweites Fach, beliebt sind außerdem Anglistik oder Germanistik. So einseitig qualifiziert wie man glauben möchte, sind unsere Absolventinnen und Absolventen also nicht. Friesisch ist auf der anderen Seite aber eine Zusatzqualifikation, die schon deshalb nicht jeder zu bieten hat, weil Kiel die einzige Hochschule in Deutschland ist, die dafür ein universitäres Vollstudium anbietet, das sich mit dem Fach intensiver als in der Lehrerausbildung beschäftigt. Das bringt Punkte in Medien wie dem Norddeutschen Rundfunk, der oft über unser Fach an qualifizierte Kräfte für sein Friesischprogramm herankommt. Außerdem bietet der Wissenschaftsbetrieb in Deutschland wie in den Niederlanden eine Reihe von Möglichkeiten. Allgemein ist Arbeitslosigkeit schon deshalb kein großes Schreckgespenst, weil wir mit acht bis zehn Anfängern pro Jahr ein kleines Fach sind und die Zahl der Absolventen in etwa der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt entspricht.

Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfängerinnen und -anfänger in Friesischer Philologie aufsitzen?

Keine sehr gravierenden. Manche glauben vielleicht, sie haben eine leichte Sprache gewählt, weil es eine kleine Sprache ist. Das rückt sich aber schnell zurecht. Friesisch zu lernen ist ungefähr so einfach oder schwierig wie Dänisch oder Norwegisch. Vielleicht sogar noch ein Stück komplizierter, weil zahlreiche Dialekte gesprochen werden. Allein das Nordfriesische teilt sich in mindestens fünf verschiedene Mundarten auf. Ein Vorurteil ist auch die Annahme, dass nur Friesen Friesisch studieren. Das gibt es zwar, aber wir haben genauso Bayern und Schwaben in unseren Reihen.

Wie sind Sie selber zur friesischen Philologie gekommen?

Ich stamme aus Westfriesland, und Friesisch ist meine Muttersprache. Darüber habe ich mir bis zu meinem 16. Lebensjahr keine großen Gedanken gemacht. Dann aber entdeckte ich im Bücherschrank meiner Eltern einige Romane und erkannte: Es gibt ja richtig gute Literatur auf Westfriesisch. Von da an stand mein Entschluss fest, dass ich das einmal studieren würde.

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