Geographie ist ein Bindeglied zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaften
Interview mit Lutz-Michael VollmerMehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zum Fach Geographie gibt Studienfachberater Lutz-Michel Vollmer im Gespräch mit Martin Geist.
Diplom-Geograph und Studienfachberater Lutz-Michael Vollmer (34) ist am Geographischen Institut zuständig für die Studienorganisation. Wissenschaftlich beschäftigt er sich gern mit Prozessen des Umweltmanagements. Foto mag
Geographie ist ein Bindeglied zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaften. Die Ausgangsüberlegung ist der Mensch und seine Umwelt. So werden zum Beispiel das Klima und die Topographie in der physischen Geographie untersucht. Beides hat Einfluss darauf, wie und wo die Menschen zusammenleben und wie sie wirtschaften, betrifft also den humangeographischen Bereich. Die Perspektive reicht dabei in die Vergangenheit, wie etwa dann, wenn es um Landschaftsentwicklung geht. Aber sie reicht auch in die Gegenwart und die Zukunft, wenn danach gefragt wird, wie sich der Klimawandel, die Migration oder die Veränderung der Küstenlandschaften auf Umwelt und Gesellschaft auswirken. Hier in Kiel ist die Geographie sehr strikt ausgewogen zwischen dem gesellschaftswissenschaftlichen und dem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt. Großen Wert legen wir außerdem darauf, die Inhalte nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern anhand von Exkursionen im In- und Ausland auch praktisch.
Welche Berufe stehen Geographen offen?
Meist wird zuerst das Lehramt genannt, doch dort kommt eher der kleinere Teil der Absolventen unter. Viele Geographen finden sich dort wieder, wo man es vielleicht gar nicht so vermutet: in Behörden, im Tourismus, in der Wirtschaftsplanung, in der Umweltplanung und genauso in größeren Unternehmen, wo sie sich beispielsweise um die Auswahl neuer Standorte kümmern. Grundsätzlich sind die Berufsaussichten für alle Geographen sehr gut, die es schon im Studium verstanden haben, Akzente zu setzen und sich eine persönliche Note zu geben.
Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfänger in der Geographie aufsitzen?
Viele halten das Fach für mehr oder weniger dasselbe wie Erdkunde in der Schule. An der Universität ist die Herangehensweise aber weitaus technischer, ausführlicher und in bestimmten Bereichen auch moderner. In der Praxis neigen manche Studierende dazu, die Bedeutung von Mathematik, Statistik und den Naturwissenschaften zu unterschätzen. Interessenten, die in diesen Disziplinen kaum oder gar kein Interesse verspüren, rate ich deshalb davon ab, sich für Geographie zu entscheiden.
Wie sind Sie selber zur Geographie gekommen?
Ich habe mich schon als Jugendlicher stark für die Umwelt und den Naturschutz interessiert. Über den Umweg Biochemie bin ich dann in der Geographie angekommen und dort glücklich geworden. Das Schöne an dem Fach ist, dass man die Sachen nicht nur im Labor betrachtet, sondern sich auch im Gelände damit auseinandersetzt.
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