Islamwissenschaft ist keine religiöse Ausbildung
Interview mit Dr. Andreas GörkeMehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zum Fach Islamwissenschaft gibt Studienfachberater Dr. Andreas Görke im Gespräch mit Martin Geist.
Andreas Görke (39) ist Studienfachberater für die Islamwissenschaft. Fachlich beschäftigt er sich vor allem mit frühislamischer Geschichte und der Biografie des Propheten Mohammed. Foto mag
Die Islamwissenschaft beschäftigt sich mit der islamischen Religion und mit der Geschichte und Kultur islamisch geprägter Gesellschaften. Regionale Schwerpunkte sind dabei die arabisch-, türkisch- und persischsprachigen Räume, aber auch der Islam in Deutschland und Europa rückt verstärkt ins Interesse des Faches. Ein wichtiger Bestandteil des Studiums ist das Erlernen der relevanten Sprachen: Arabisch, Türkisch und Persisch.
Welche Berufe stehen Islamwissenschaftlern offen?
Die Nachfrage nach Absolventen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Islamwissenschaftler finden unter anderem im Auswärtigen Amt, in internationalen Organisationen, beim Verfassungsschutz, bei der Polizei, im Journalismus, in der Politikberatung oder in Kultureinrichtungen Betätigungsfelder. Außerdem haben sie aufgrund ihrer Sprachkenntnisse und der interkulturellen Kompetenzen, die sie im Studium erworben haben, auch in anderen Branchen Berufschancen.
Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfänger in der Islamwissenschaft aufsitzen?
Es gibt eine Reihe von typischen Missverständnissen. Das wichtigste gleich zuerst: Islamwissenschaft ist keine religiöse Ausbildung. Weder muss man Muslim sein, um das Fach zu studieren, noch wird man zum Imam oder Religionslehrer ausgebildet. Das Fach ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Religion und seiner Geschichte. Und so wie man nicht Amerikaner wird oder sein muss, wenn man Amerikanistik studiert, wird man auch nicht zum Muslim, wenn man Islamwissenschaft studiert. Ein weiteres Missverständnis ist, dass sich die Islamwissenschaft ausschließlich oder vor allen Dingen mit dem Islamismus und dem islamistischen Terrorismus beschäftigt. Zwar spielt dieses zweifellos wichtige Problem eine Rolle, aber insgesamt ist es doch nur ein Thema unter vielen. Die islamisch geprägte Kultur ist viel zu alt und bedeutsam, um sich auf den Aspekt des Terrorismus reduzieren zu lassen.
Wie sind Sie selber zur Islamwissenschaft gekommen?
Ich bin im Libanon aufgewachsen, wo mein Vater an einer deutschen Schule unterrichtete. Nach der Rückkehr nach Deutschland wollte ich mich gerne weiter mit der arabischen Sprache und Kultur beschäftigen und bin so bei der Islamwissenschaft gelandet. Für die islamische Geschichte und besonders für den frühen Islam hat mich dann aber erst mein damaliger Professor begeistert.
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