Steckbrief Studienfächer | zur Druckfassung
Jura ist eine Universalausbildung, die viele Wege eröffnet
Interview mit Professor Dr. Hartmut OetkerMehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zum Fach Jura gibt Professor Dr. Hartmut Oetker im Gespräch mit Martin Geist.
Hartmut Oetker, Jahrgang 1959, beschäftigt sich hauptsächlich mit Arbeits- sowie Gesellschafts- und Handelsrecht. Im "Nebenberuf" ist er außerdem als Richter am Oberlandesgericht Thüringen tätig. Foto mag
Ziel ist es, die Studierenden zu Volljuristen auszubilden. Als Besonderheit ist dabei die Universität für den theoretischen Teil zuständig, an dessen Ende die erste Prüfung steht, die sowohl an der Universität als auch vor dem staatlichen Justizprüfungsamt abgelegt wird. Danach folgt ein zweieinhalbjähriges Referendariat mit einer erneuten Prüfung, die sehr umfangreich und als "reines" Staatsexamen organisiert ist. Damit sind die Leistungen der Absolventen bundesweit annähernd vergleichbar. Inhaltlich vermittelt die Universität in Jura die Grundlagen für alle späteren Berufsfelder. Am wichtigsten sind dabei Bürgerliches Recht, Strafrecht und Öffentliches Recht, hinzu kommen aber noch zahlreiche andere Disziplinen wie Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie oder Rechtstheorie.
Welche Berufe stehen Nachwuchskräften in Jura offen?
Der Hauptbereich liegt bei den reglementierten Berufen, also Tätigkeiten in der Rechtsanwaltschaft, der Staatsanwaltschaft, dem Richteramt oder in der Verwaltung. Juristen werden aber auch noch in vielen anderen Bereichen gebraucht. Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Verbraucherschutzorganisationen und andere Verbände brauchen genauso rechtskundige Fachleute wie die Politik,der diplomatische Dienst oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Und dann gibt es noch den großen Bereich der Unternehmen, die Juristen meistens in der Rechts- oder Personalabteilung beschäftigen. Bei Jura handelt es sich eben um eine Universalausbildung, die viele Wege eröffnet. Grundsätzlich sind die Berufsaussichten für Absolventen mit einem guten Abschluss hervorragend und für Absolventen im durchschnittlichen Bereich immer noch ordentlich. Auch wer mit unterdurchschnittlichen Noten antritt, findet meistens eine Tätigkeit, muss aber oft deutliche Abstriche bei der Bezahlung hinnehmen. Letztlich entscheidend ist aber auch immer die Flexibilität und Mobilität der Absolventen.
Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfängerinnen und -anfänger in Jura aufsitzen?
Der Alltag des Jurastudiums hat wenig mit dem zu tun, was in Fernsehserien über den vermeintlich juristischen Alltag gezeigt wird, sondern besteht überwiegend aus Lernen und Lesen. Nicht unterschätzt werden darf dabei der Zeitaufwand. Wer wirklich gut sein will, muss mindestens 60 Stunden in der Woche für das Studium veranschlagen. Dass der größte Teil dieser Zeit fürs Auswendiglernen nötig ist, gehört in das Reich der Gerüchte. Natürlich müssen einige Grundlagen einfach sitzen, aber generell ist es so wie in jedem anderen Fach: Je mehr man verstanden und sich selbst erarbeitet hat, desto weniger muss man auswendig lernen.
Wie sind Sie selber zur Jura gekommen?
Um ehrlich zu sein, eher aus Verlegenheit. Ich wollte ursprünglich Politologie und Soziologie studieren, stieß damit aber der unsicheren Berufsaussichten wegen bei meinen Eltern auf Widerstand. Die brachten mich schließlich mit einem als Jurist tätigen Onkel in Kontakt, der mich davon überzeugte, dass die Rechtswissenschaft gar nicht so wenige Bezüge zur Sozialwissenschaft hat.
Mehr über das Studium der Rechtswissenschaft
- Studieninformationsblätter Rechtswissenschaft
- Rechtswissenschaftliche Fakultät der Christian-Albrechts-Univerität zu Kiel
- Fach-Guide »Rechtswissenschaft«
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