Klassische Archäologie ist neunzig Prozent Büro und zehn Prozent Abenteuer
Interview mit Dr. Ulrich ManiaMehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zum Fach Klassische Archäologie gibt Studienfachberater Dr. Ulrich Mania im Gespräch mit Martin Geist.
Ulrich Mania (39) ist Studienfachberater für Klassische Archäologie. Sein fachlicher Schwerpunkt ist derzeit die Erforschung eines antiken Gymnasions im heute türkischen und einst hellenistischen Priene. Foto mag
Grob gesagt beschäftigt sich dieses Fach mit der Kultur der Griechen und Römer. Räumlich betrifft dies das Mittelmeer- und Schwarzmeergebiet, aber auch Mittel- und Westeuropa – eben alle Regionen, in den Griechen und Römer lebten und handelten. Zeitlich erstreckt sich die Sache vom späten zweiten Jahrtausend vor Christus bis ungefähr ins sechste Jahrhundert hinein. Die Klassische Archäologie interessiert sich für materielle Hinterlassenschaften aus dieser Zeit. Antike Schriftquellen bilden dabei eine wichtige Interpretationsrundlage für die Fundstücke. Insofern ist unser Fach ganz eng an die Geisteswissenschaften gebunden. Daneben spielen natürlich auch naturwissenschaftliche Verfahren, etwa zur Altersbestimmung von Funden, eine Rolle.
Welche Berufe stehen Studierenden offen, die ihren Abschluss in der Tasche haben?
Universitäten, Forschungseinrichtungen wie zum Beispiel das Deutsche Archäologische Institut mit seinen zahlreichen Außenstellen und Museen bieten Betätigungsfelder für Klassische Archäologen. Die Berufstätigkeit hängt aber auch ganz stark von der Fächerkombination ab. Klassische Archäologie wird im Zwei-Fach-Bachelor studiert, oft in Kombination mit Ur- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte oder alten Sprachen, so dass die Absolventen auch als Lateinlehrerinnen und -lehrer, im Verlagswesen oder in den Medien arbeiten.
Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfänger in der Klassischen Archäologie aufsitzen?
Klassische Archäologie wird oft für ein Fach gehalten, in dem es um Schatzsuche geht. Kinofilme wie Indiana Jones haben da offenbar Wirkung hinterlassen. Genaugenommen stimmt diese Annahme sogar teilweise, denn die leise Hoffnung, etwas ganz Großes zu finden, schwingt bei jeder Grabung mit. Ein wissenschaftlicher Schatz kann bei uns tatsächlich aber schon eine Tonscherbe ohne jeden materiellen Wert sein. Faktisch spielt sich bei den Klassischen Archäologen zudem 90 Prozent der Arbeitszeit in Bibliotheken und Büros ab. Zehn Prozent sind Abenteuer. Das hat nicht jedes Fach zu bieten.
Wie sind Sie selber zur Klassischen Archäologie gekommen?
Das hat sehr lange gedauert. Erst hatte ich das Steinmetzhandwerk gelernt, dann ein Grundstudium an einer Kunsthochschule absolviert, und am Ende bin ich mit fast 26 Jahren in der Klassischen Archäologie angekommen. Was ich vorher gemacht hatte, war dabei aber unheimlich nützlich . Außerdem ist mir die Archäologie wohl ein bisschen in die Wiege gelegt. Mein Vater ist Vorgeschichtler und nahm mich schon als Kind zu Grabungen mit.
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