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Kunstgeschichte ist eine historische Disziplin

Interview mit Professor Christoph Jobst

Mehr als 60 Studiengänge hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige?Antworten zum Fach Kunstgeschichte gibt Studienfachberater Professor Christoph Jobst im Gespräch mit Martin Geist.

Welche Inhalte stecken genau im Fach Kunstgeschichte?

Die Kunstgeschichte widmet sich mit dem Blick von Histori­kern den verschiedenen Ausprägungen der Kunst des Abend­landes, also Europas. Das reicht von der Malerei über Skulp­turen bis zur Baukunst, zum Kunstgewerbe, Film und moder­nen Medien. Und zwar über den Zeitraum vom frühen vierten Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein. Interessant sind für dieses Fach vor allem die Entstehungsbedingungen von Kunst. Es geht um die materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen, den geistigen Überbau, die soziale Stellung des Künstlers und, ganz wichtig: den Einfluss der Kirche.

Welche Berufe stehen Kunstgeschichtlern offen?

Das ist nicht unproblematisch. Kunstgeschichtler werden zwar immer benötigt, ihre Beschäftigungsmöglichkeiten sind aber stark im öffentlichen Dienst verankert und hängen deshalb davon ab, wie gut oder schlecht die Staatskassen gefüllt sind. Denkmalpflege, Museen und Forschungs­institute sind die wichtigsten Betätigungsfelder, daneben gibt es auch noch private Galerien, Medien oder das Versicherungswesen. Man muss aber ganz klar betonen, dass der Arbeitsmarkt für Kunstgeschichtler immer schwierig war und immer schwierig bleiben wird. Gut beraten sind alle, die sich schon während ihres Studiums durch Praktika intensiv darum bemühen, irgendwo einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfänger der Kunstgeschichte aufsitzen?

"Nicht-Verständnisse" wäre vielleicht das bessere Wort. Wer in der Schule nicht zufällig einen Lehrer mit kunstgeschichtlichen Kenntnissen hatte, hat oft nur sehr vage Vorstellungen von diesem Fach. Die dezidierte historische Herangehensweise, aber auch die große Bedeutung von Sprachen wie Englisch, Italienisch, Niederländisch oder Französisch werden gern ebenso unterschätzt wie der Arbeitsaufwand insgesamt.

Wie sind Sie selber zur Kunstgeschichte gekommen?

(lacht)…Ich war damals 19 und natürlich mit einem Höchstmaß an Naivität gesegnet. Aber ernsthaft: Den entscheidenden Impuls gab ein sehr guter Geschichts- und Deutschlehrer, der uns in Kunstmuseen führte und hervorragend vermitteln konnte, was die Auseinandersetzung mit Kunst bedeutet. Als ich dann direkt nach dem Abitur sechs Wochen in England war und alle wichtigen Londoner Museen in mich aufsog, war klar, dass Kunstgeschichte das richtige Fach für mich ist.

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